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US-WAHLEN: Alle Augen sind auf Donald Trumps Vize gerichtet

Der Gouverneur Mike Pence soll Donald Trump als Kandidat für die Vizepräsidentschaft in die Wahlen begleiten. Doch sicher ist bei Trump bis zum Schluss nichts.
Renzo Ruf, Washington
Gouverneur Mike Pence bei einem Auftritt gestern in Indianapolis. (Bild: AP/Darron Cummings)

Gouverneur Mike Pence bei einem Auftritt gestern in Indianapolis. (Bild: AP/Darron Cummings)

Er inszenierte die Suche nach einem Kandidaten für das Vizepräsidium der USA wie eine Fernsehshow. Heute nun wird Donald Trump, republikanischer Kandidat für das Präsidentenamt, nach tagelangen Spekulationen das Geheimnis lüften und seine Nummer zwei vorstellen. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten soll es sich dabei um Mike Pence handeln, den Gouverneur von Indiana.

Newt Gingrich noch im Rennen

Allein: Eine offizielle Bestätigung blieb vorerst aus. Der Wahlkampfstab Trumps weigerte sich, die Personalie zu bestätigen. Deshalb wurde in Washington munter weiter darüber spekuliert, ob der Republikaner vielleicht in letzter Minute noch seine Meinung ändere und Newt Gingrich den Vorzug gebe. Gingrich, ehemaliger Präsident («Speaker») des Repräsentantenhauses, galt lange als der bevorzugte Kandidat Trumps – weil die beiden seit Jahren befreundet sind und Trump das politische Gespür Gingrichs schätzt. Politbeobachter wiesen zudem darauf hin, dass der Baulöwe aus New York immer für eine Überraschung gut sei und in letzter Minute noch einen neuen Namen aus dem Hut zaubern könnte.

Trump macht Rückstand wett

Trump sieht sich, nach einer Reihe von Eigentoren im Juni, in diesem Monat wieder im Aufwind. Drei Tage vor Beginn des Parteitags der Republikaner in Cleveland (Ohio) deuten neue Meinungsumfragen darauf hin, dass er den Rückstand auf seine demokratische Gegenspielerin Hillary Clinton wettgemacht hat. In einer Erhebung, die von der «New York Times» publiziert wurde, brachten es beide Präsidentschaftskandidaten auf je 40 Prozent Zustimmung. Die Umfrage zeigte auch, dass die Aussenministerin weiter darunter leidet, dass ihr viele Amerikaner nicht vertrauen – nachdem sie in der vorigen Woche heftig dafür kritisiert worden war, dass sie in ihrer Amtszeit ihre dienstliche Kommunikation vollumfänglich über einen privaten E-Mail-Server abgewickelt hatte. Das Justizministerium verzichtete nach langen Ermittlungen der Bundespolizei FBI aber darauf, ein strafrechtliches Verfahren gegen Clinton einzuleiten.

Clinton ihrerseits trat gestern in der Agglomeration mit Tim Kaine auf, einem Senator aus Virginia. Kaine gilt als Favorit auf den Posten des demokratischen Präsidentschaftskandidaten – obwohl dem ehemaligen Gouverneur den Ruf anhängt, er sein ein Langweiler. Der 58-Jährige ist Katholik und spricht fliessend Spanisch. Er gilt als Zentrist, weil er immer wieder Versuche unternimmt, im Senat überparteiliche Koalitionen zu schmieden.

Renzo Ruf, Washington

Mike, der Zauderer Vizepräsidentschaft

rrw. Mike Pence pflegt von sich zu sagen, er sei «ein Christ, ein Konservativer und ein Republikaner, in dieser Reihenfolge». Der 57-jährige Gouverneur des Bundesstaates Indiana will damit verdeutlichen, dass er sich von seinem «moralischen Kompass» leiten lasse und nicht von der Parteilinie. Wie so häufig in der langen Karriere eines Politikers – Pence bewarb sich 1988 erstmals um einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington – steckt in dieser Selbststilisierung ein Körnchen Wahrheit.

Während seines Gastspiels in Washington, das von 2001 bis 2013 dauerte, rebellierte Pence immer wieder gegen die Fraktionsführung. 2001 lehnte er eine Bildungsreform ab, mit der sich Präsident George W. Bush als «mitfühlender Konservativer» profilieren wollte. 2003 stimmte er gegen die künstliche Verbilligung der hohen Medikamentenkosten, mit denen sich Amerikas Senioren konfrontiert sahen. Und 2006 unterstützte Pence den Umbau der Einwanderungsgesetze Amerikas sowie eine Legalisierung des Aufenthaltsstatus der Millionen von Sans-Papiers. 2010 schliesslich umarmte er als einer der wenigen national bekannten Republikaner die noch junge Tea-Party-Bewegung.

Pragmatischer Gouverneur

Allein: Als Pence im Jahr 2013 von Washington nach Indianapolis wechselte, der Hauptstadt seines tendenziell konservativen Heimatstaates, wurde aus dem Staatskritiker ein Mann, der die Privilegien eines Regierungschefs zu schätzen lernte. So wälzte er Pläne, einen staatlichen Nachrichtendienst zu lancieren. Und er unterstützte den Ausbau der öffentlich-rechtlichen Krankenversicherung für Minderbemittelte (Medicaid), obwohl er dabei mit der verhassten Regierung des demokratischen Präsidenten Barack Obama zusammenarbeiten musste.

Der eigentliche Lackmustest für Pence kam aber im Jahr 2015: Nachdem das Parlament von Indiana im Schnellverfahren ein Gesetz verabschiedet hatte, das religiösen Geschäftsinhabern die Erlaubnis gab, homosexuelle Kunden zu diskriminieren, stand der Gouverneur plötzlich im Zentrum einer nationalen Kontroverse. Wirtschaftskreise liefen Sturm, weil Indiana als ein Staat von frömmelnden Fanatikern dargestellt wurde. Religiöse Kreise wiederum beknieten den Gouverneur, seine Überzeugungen nicht plötzlich fallen zu lassen. Pence wirkte zuerst überfordert, gab dem Druck aber schliesslich nach und setzte Anpassungen am Gesetzestext durch. Seither wird er von religiösen Republikanern scheel angeschaut.

Pence unterstützte Ted Cruz

Aus dem Präsidentschaftswahlkampf hielt sich Pence lange heraus, obwohl er anfänglich auch als Anwärter auf das Weisse Haus gehandelt worden war. Erst im Mai – wenige Tage vor der alles entscheidenden Vorwahl in Indiana – bequemte sich der Gouverneur, einen Kandidaten zu unterstützen. Seine Wahl fiel auf Ted Cruz, den sozialkonservativen Senator aus Texas. Allerdings fand er während eines Auftrittes in einem konservativen Radiosender auch lobende Worte für Trump. Der Unternehmer habe seine Hand am Puls der Bevölkerung, sagte er. In Indiana gilt er seither als Zauderer, der es allen recht machen will. Nur gerade 40 Prozent unterstützen seine Amtsführung.

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