US-WAHLEN: «Frag doch deinen Psychiater!»

Fox News ­Channel müsste sich an und für sich freuen: Der Wahlkampf der Republikaner sorgt für ausgezeichnete Quoten. Doch gibt es noch ein Problem: Donald Trump.

Renzo Ruf, Washington
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Der amerikanische Sender Fox News Channel hat Donald Trump, hier bei der Fernsehdebatte am vergangenen Donnerstag, schon mehr Freude bereitet. (Bild: Getty/Chip Somodevilla)

Der amerikanische Sender Fox News Channel hat Donald Trump, hier bei der Fernsehdebatte am vergangenen Donnerstag, schon mehr Freude bereitet. (Bild: Getty/Chip Somodevilla)

Bill O’Reilly war aufgebracht. Donald Trump, führender Präsidentschaftskandidat der Republikaner, schien wütend auf ihn zu sein – dabei ist O’Reilly, das 66-jährige Aushängeschild des Nachrichtensenders Fox News Channel, doch stolz darauf, dass er mit dem Baulöwen seit Jahrzehnten dick befreundet ist. «Bist du sauer auf mich, weil ich eine negative Frage gestellt habe?», wollte O’Reilly deshalb am Donnerstag von seinem vermeintlichen Freund wissen. Dieser würdigte ihn kaum eines Blickes und zischte zurück: «Ich glaube, du bist sehr negativ geworden.» O’Reilly schaute drein, als habe ihm eine alte Flamme soeben den Laufpass gegeben. «Warum würde ich dies tun?», fragte er zurück. Trump antwortete, gewohnt charmant: «Das weiss ich nicht. Frag doch deinen Psychiater!»

Dieser Wortwechsel liess nicht nur die sieben Millionen Zuschauer verwirrt zurück, die gespannt auf die Einschätzungen O’Reillys im Anschluss an die Fernsehdebatte der Republikaner gewartet hatten. Er war für amerikanische Medienjournalisten ein weiteres Indiz dafür, dass Donald Trump (69) nicht nur den Zusammenhalt der Republikaner auf eine Belastungsprobe stellt – sondern auch den äusserst erfolgreichen Nachrichtensender Fox News, von Spöttern als verlängerter Arm der konservativen Partei bezeichnet.

17 Millionen schauten jüngst zu

Eigentlich müsste sich der Senderchef Roger Ailes freuen. Nachdem der ehemalige Parteistratege erfolgreich den Zorn des konservativen Amerika gegen den demokratischen Präsidenten Barack Obama angefacht hatte (und die Konkurrenz unter Kontrolle hielt), profitiert Ailes nun von einem der wildesten Wahlkämpfe in der jüngeren Geschichte des Landes. Am Donnerstag schauten 17 Millionen Amerikaner zu, als Trump und Konsorten auf Fox News debattierten und einander attackierten.

Allerdings sind es just die Fernsehdebatten, die den Konflikt in den Fox-News-Reihen akzentuieren. Auf der einen Seite stehen die Journalisten des Senders: Leute wie Chris Wallace, Brett Baier oder Megyn Kelly. Sie gehen mit Politikern sämtlicher Schattierungen scharf ins Gericht – wie Kelly und Wallace am Donnerstag während der republikanischen Debatte unter Beweis stellten, als sie Trump mit harten Fragen bombardierten. Der Baulöwe reagierte auf diese Attacken wie gewohnt: Er antwortete ausweichend und riss zotige Witze. Moderator Chris Wallace ätzte nach der Debatte: «Wenn sich die republikanischen Präsidentschaftskandidaten wie Vollidioten aufführen wollen, dann können wir sie nicht davon abhalten.»

Das andere Lager wird angeführt von Bill O’Reilly und Sean Hannity. O’Reilly lädt den Populisten Trump regelmässig in seine Sendung ein. Hannity wiederum kommentiert auf Fox News jeden Abend das Weltgeschehen aus konservativer Sicht; dabei ist er weniger Journalist, denn Aktivist. So wettert er seit Tagen gegen «orchestrierte Versuche» des republikanischen Parteiestablishments, Einfluss auf den Vorwahlkampf zu nehmen – um eine Nomination von Donald Trump zu verhindern.

Verzweifelte Suche

Die Führungsriege des Senders steht dem Phänomen Trump ähnlich hilflos gegenüber. Der Besitzer des Senders, Medienbaron Rupert Murdoch, fand jüngst lobende Worte für Trump. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter äusserte er sich zustimmend darüber, dass der Baulöwe nach seinem Sieg am «Super Tuesday» auf die üblichen Tiefschläge gegen seine Konkurrenten verzichtet hatte und sich stattdessen staatsmännisch gab. «Die Partei wäre verrückt, würde sie nicht die Ränge schliessen, wenn Trump zum Präsidentschaftskandidaten nominiert würde», schrieb Murdoch.

Roger Ailes wiederum, der einst George Bush senior den Weg ins Weisse Haus geebnet hatte, scheint noch immer verzweifelt nach einer Alternative zu Donald Trump zu suchen. Am Mittwoch berichtete Gabriel Sherman, Medienkorrespondent des «New York Magazine», dass der mächtige Senderchef das Vertrauen in Marco Rubio, Senator aus Florida, verloren habe. «Wir sind fertig» mit ihm, habe Ailes während einer Fox-News-Sitzung verkündet. Ein hochrangiger Vertreter des Senders dementierte diesen Bericht umgehend.

Fox-News-Chef Ailes soll behauptet haben, Rupert Murdoch brauche ihn, «um den nächsten Präsidenten zu wählen». Nun steht auf einmal Donald Trump dem 75-Jährigen im Weg.
 

Renzo Ruf, Washington