US-Wahlen

Nach seinem «Na dann halt!» an Joe Bidens Adresse: Diese 7 Dinge packt Donald Trump jetzt an

Mit einem Tweet hat der amtierende US-Präsident in der Nacht auf Dienstag die offizielle Amtsübergabe an Joe Biden abgesegnet. Für ihn selber stehen jetzt einige heikle (und schöne) Ämtli an.

Samuel Schumacher
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Ihm bleiben noch acht Wochen im Amt: US-Präsident Donald Trump.

Ihm bleiben noch acht Wochen im Amt: US-Präsident Donald Trump.

Bild: Keystone

Um es vorwegzunehmen: Nein, Donald Trump hat seine Wahlniederlage noch immer nicht akzeptiert. Und aller Voraussicht nach wird er das auch nie tun. Trotzdem gab er in der Nacht auf Dienstag grünes Licht für die sogenannte «Transition». Damit kann der offizielle, hochkomplexe Teil der Amtsübergabe zwischen Trumps Administration und dem Regierungsteam von Joe Biden beginnen.

Doch mit hochkomplexen politischen Prozessen will sich der bald abtretende 45. Präsident der Vereinigten Staaten in seinen letzten Wochen in Amt nicht aufhalten. Der 74-Jährige hat anderes vor. Diese 7 Dinge packt Trump jetzt an:

Er baut seinen Wohnsitz an Floridas Atlantikküste um

Trumps luxuriöses Anwesen in Florida, Mar-a-Lago.

Trumps luxuriöses Anwesen in Florida, Mar-a-Lago.

Bild: Keystone

Der Trump-Clan ist in der demokratischen Hochburg New York City (seiner eigentlichen Heimat) nicht mehr gern gesehen. Bis sich die Wogen im Big Apple geglättet haben, will Donald Trump deshalb mit seiner Frau Melania aus dem Trump-Tower in Manhattan ausziehen und die kommenden Jahre an seinem Zweitwohnsitz in Florida verbringen.

Dort besitzt Trump das in den 1920er Jahren erbaute Edel-Anwesen «Mar-a-Lago». Als er die Liegenschaft vor Jahren kaufte und ankündigte, er werde im «Mar-a-Lago» einen exklusiven Privatclub einrichten, musste er den Behörden im Städtchen Palm Beach versprechen, dass er nie selber dort einziehen wird.

Trotzdem haben jetzt aufwendige Aus- und Umbauarbeiten am historischen Gebäude begonnen. Gerüchten zufolge wird der private Wohnbereich vergrössert. Die Trumps sind sich nach vier Jahren im Weissen Haus mit dutzenden Privatzimmern schliesslich grosszügige Wohnverhältnisse gewohnt.

Er muss sich entscheiden, ob er ein Leben lang beschattet werden will

Der Secret Service wird Trump bis an dessen Lebensende bewachen – falls er sich nicht dagegen wehrt.

Der Secret Service wird Trump bis an dessen Lebensende bewachen – falls er sich nicht dagegen wehrt.

Keystone

Als Ex-Präsident hat Trump nicht nur Anspruch auf eine jährliche Rente von rund 450'000 Dollar, von Steuergeldern bezahlte Büroräumlichkeiten und ein professionelles Team von Beratern. Er wird darüber hinaus bis an sein Lebensende rund um die Uhr von den Agenten des Secret Service bewacht. Wo immer er hingeht, was immer er treibt: Die Spezialeinheiten sind nie mehr als ein paar Schritte entfernt.

Das ist gut zu wissen. Schliesslich hat Trump sich in seinen vier Jahren an der Macht nicht nur Fans gemacht. Es kann aber natürlich auch nerven, nie mehr allein sein zu können. Trump kann sich die Spezialagenten – wenn er will – aber mit einem simplen Federstrich vom Hals schaffen.

Sein Sohn Donald Junior hat des bereits gemacht (auch er hätte als direktes Familienmitglied von Trump Anspruch auf den Schutz des Secret Service) und auch Ex-Präsident Richard Nixon verzichtete in seinen letzten Jahren auf die Agentenbeschattung. Trumps Entscheid steht noch aus.

Er kann alle möglichen Straftäter begnadigen – und sich selber

Donald Trump könnte sich selber begnadigen.

Donald Trump könnte sich selber begnadigen.

Bild: Keystone

Als amtierender US-Präsident hat Donald Trump das Recht, verurteilte Straftäter oder gar Verbrecher zu begnadigen. Traditionellerweise nutzen Präsidenten ihre letzten Tage im Amt, um Gnade walten zu lassen. Barack Obama begnadigte an seinem allerletzten Tag im «Oval Office» nicht weniger als 330 Verurteilte (die meisten davon verbüssten langjährige Haftstrafen für nicht gewalttätige Drogendelikte).

Bill Clinton holte seinen wegen Kokainhandel verurteilten Halbbruder Roger und den späteren Glencore-Gründer Marc Rich. Und Gerald Ford begnadigte einst gar seinen Vorgänger Richard Nixon und ersparte ihm damit sämtliche strafrechtlichen Konsequenzen der Watergate-Abhör-Affäre. Besonders spannend ist der Umstand, dass Trump sich auch selber begnadigen und sich damit mögliche Verfahren wegen sexueller Belästigung oder Amtsmissbrauch ersparen könnte.

Er wird zwei Truthähnen das Leben retten

Corn und Cobb heissen die beiden Truthähne, die Präsident Trump dieses Jahr zu Thanksgiving begnadigen wird.

Corn und Cobb heissen die beiden Truthähne, die Präsident Trump dieses Jahr zu Thanksgiving begnadigen wird.

Bild: Keystone

Am amerikanischen Erntedankfest «Thanksgiving» (dieses Jahr am Donnerstag, 26. November) verspeisen die Amerikaner traditionellerweise gerne gefüllten Truthahn. Der «Stuffed Turkey» steht an diesem Tag natürlich auch im Weissen Haus auf dem Menüplan. Seit den späten 1980er Jahren aber ist es Tradition, dass der Präsident den eigentlich zum Verzehr vorgesehenen Vogel und den ersten «Ersatztruthahn» auf der Terrasse vor dem Regierungsgebäude begnadigt.

Donald Trump hat angekündigt, diese ehrenvolle Aufgabe auch dieses Jahr wahrzunehmen. Die Stunden vor der Begnadigung verbringen die beiden auserwählten Vögel übrigens – kein Witz – in einer Hotelsuite in der Washingtoner Innenstadt. Nach der Begnadigung werden sie in ein grosszügiges Gehege im Bundesstaat Virginia verfrachtet, wo sie sich mit den anderen Glücksvögeln bis ans Ende ihrer Tage des Lebens erfreuen dürfen.

Er wird sich um seine Ehe kümmern müssen

Ist sie glücklich in ihrer Ehe mit Donald? First Lady Melania Trump, 50.

Ist sie glücklich in ihrer Ehe mit Donald? First Lady Melania Trump, 50.

Bild: Keystone

Melania Trump konnte einem zuweilen richtig leidtun. Die 50-jährige Slowenin ist Donald Trumps dritte Ehefrau und die Mutter seines jüngsten Sohnes Baron (14). Ihr Mann hat ihr Leben die vergangenen Jahre nicht gerade einfach gemacht. Da waren all die Geschichten von Trump’s Affären, darunter jene mit der Pornodarstellerin «Stormy Daniels». Und da waren all die Momente, in denen Melania mit tieftraurigem Blick neben ihrem Mann stand und eher wie eine Geisel denn wie eine glückliche Ehefrau wirkte.

Gerüchte über Melanias Trennungsabsichten gab es bereits vor Trumps Wahl. Und die Gerüchte halten sich. Angebliche Vertraute der First Lady sagten gegenüber dem Klatschblatt «Daily Mail», dass Melania «die Minuten zählt», bis Trumps Regentschaft vorbei ist und sie die Scheidung einreichen kann. Andere wie Trumps langjähriger Anwalt Michael Cohen gehen davon aus, dass die Ehe Bestand halten will. Cohen sagte der «Washington Post»:

«Melania wird bleiben. Sie hat seine Weltsicht komplett übernommen. Die beiden verdienen sich.»

Er wird sich als TV-Kommentator neu erfinden müssen

Hat Pläne, eine zweite Karriere als TV-Kommentator zu starten: Ex-Reality-TV-Star Donald Trump.

Hat Pläne, eine zweite Karriere als TV-Kommentator zu starten: Ex-Reality-TV-Star Donald Trump.

Bild: Keystone

Vor seiner Zeit als Berufspolitiker inszenierte sich Trump 15 Staffeln lang als taffer Gastgeber der Reality-TV-Show «The Apprentice» («Der Lehrling»), in der sich durchgestylte Aspiranten für gut bezahlte Ein-Jahres-Verträge in der «Trump Organization» bewerben konnten. Trumps berühmtgewordener «You’re fired!»-Spruch hat er in praktisch jeder der 192 «Apprentice»-Folgen mindestens einmal laut herausgebrüllt.

Als Präsident verlagerte er seine Fernsehauftritte mehrheitlich auf den ihm lange wohlgesinnten konservativen Sender «Fox News». Doch seit «Fox» Joe Bidens Sieg anerkannt hat, hängt der Haussegen zwischen Trump und den dortigen Journalisten tief. Angeblich hat Trump bereits Vorbereitungen getroffen, um einen eigenen TV-Sender zu lancieren. Das Publikum hat er schonmal auf sicher: 52 Prozent der Republikaner glauben noch heute, dass Trump eigentlich der Sieger der Wahlen ist.

Er wird Joe Biden einen Brief schreiben – hoffentlich!

Diesen Brief hinterliess George W. Bush seinem Nachfolger Barack Obama im Oval Office.

Diesen Brief hinterliess George W. Bush seinem Nachfolger Barack Obama im Oval Office.

George W. Bush Presidential Library and Museum

Spätestens seit den späten 1980er Jahren ist es Tradition, dass abtretende US-Präsidenten an ihrem letzten Amtstag ihrem Nachfolger einen persönlichen Brief auf den Schreibtisch (den «Resolute Desk») im «Oval Office» legen. George H. W. Bush schrieb einst an Bill Clinton: «Ich werde mich hart für dich einsetzen! Dein Erfolg ist der Erfolg des ganzen Landes.» Clinton schrieb an den jüngeren George W. Bush: «Du bist jetzt der Anführer eines stolzen, anständigen, guten Volkes.» Und Bush schrieb an Barack Obama:

«Du fängst heute ein fantastisches neues Kapitel in deinem Leben an.»

Was Obama an Trump schrieb, ist bis heute nicht bekannt. Dass Trump der Tradition Folge leisten wird, wäre Joe Biden und dem ganzen Land zu wünschen.