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US-WAHLKAMPF: Trump junior würde heute wohl einiges anders machen

Der Wirbel um den ältesten Sohn des amerikanischen Präsidenten hält an. Hat sich Donald Trump junior straffällig gemacht, weil er sich im vorigen Jahr mit einer russischen Anwältin traf?
Renzo Ruf, Washington
Donald Trump junior. (Bild: Andrew Gombert/EPA)

Donald Trump junior. (Bild: Andrew Gombert/EPA)

Für einmal zeigte sich Donald Trump junior (39) leicht zerknirscht. Rückblickend, sagte der Sohn des Präsidenten am Dienstagabend in einem Interview auf dem Sender Fox News Channel, würde er die Angelegenheit wohl «ein wenig» anders anpacken. Aber der Juni 2016, als Trump junior in eine Sitzung mit einer «russischen Regierungsanwältin» einwilligte, die inkriminierende Informationen über Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton besitze, sei ein hektischer Monat gewesen. Und er habe den von konservativen Publizisten angefeuerten Gerüchten nachgehen wollen, wonach sich Clinton bereichert habe. Letztlich habe er deshalb keinen Fehler gemacht. Die Gegner von Präsident Trump, für den sein Sohn im vorigen Jahr Wahlkampf betrieb, sehen dies naturgemäss ein wenig anders. Hier eine Reihe von Fragen zum umstrittenen Treffen.

Wer arrangierte die Sitzung im Trump Tower?

Der britische Musikpromoter Rob Goldstone. Er vertritt unter anderen den russischen Popsänger Emin Agalarow, dessen Vater – ein reicher Bauunternehmer – angeblich während eines Treffens mit dem «russischen Oberstaatsanwalt» inkriminierende Informationen über Hillary Clinton erfahren habe, die aus hochrangigen Quellen stammten. Dazu muss man wissen: Die Agalarows sind mit den Trumps befreundet. Es gibt aber bisher ­keine Beweise, dass dieses von Goldstone beschriebene Treffen wirklich stattfand – oder ob ein begabter Promoter versuchte, die Aufmerksamkeit von Donald Trump junior zu erregen.

Wer tauchte letztlich an der Sitzung im Trump Tower auf?

Natalja Weselnitzkaja, von Goldstone fälschlicherweise als «russische Regierungsanwältin» beschrieben. Die Russin bestreitet, jemals im Besitz von Informationen über Clinton gewesen zu sein. Auch sagt sie, sie habe nie für die russische Regierung gearbeitet, und sie kenne die Agalarows nicht. Natürlich kann man ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen – so kursiert in Washington eine Theorie, wonach Weselnitzkaja im Auftrag der russischen Geheimdienste herausfinden wollte, ob der Trump-Wahlkampf möglicherweise kompromittiert werden könnte. Weselnitzkaja sagt, sie habe bloss über die Aufhebung der US-Sanktionen gegen Moskau sprechen wollen.

Warum hat das Treffen einen grossen Wirbel ausgelöst?

Seit einem Jahr ermittelt die Bundespolizei FBI – mittlerweile unter dem Kommando von Sonderermittler Robert Mueller –, ob Amerikaner im Umfeld von Donald Trump russischen Regierungskreisen geholfen haben, den Ausgang des Wahlkampfes zu beeinflussen. Trump und seine Berater stellten sich bisher auf den Standpunkt, entsprechende Vorwürfe seien absurd, und nie hätten sich enge Berater des heutigen Präsidenten mit Russen getroffen, um die Kampagne der Demokratin Clinton zu sabotieren. Nun zeigt sich dank der hartnäckigen Recherchen der «New York Times»: Trump junior war bereit, mit Moskau zusammenzuarbeiten. Auf das erste E-Mail von Rob Goldstone antwortete er innert 17 Minuten mit dem Kommentar «Ich liebe es.» Auch schien er nicht weiter darüber erstaunt gewesen zu sein, dass ein loser Bekannter solch hochexplosives Material feilbot.

Hat Donald Trump junior sich straffällig gemacht?

Es kommt darauf an, wen man fragt. Einige Anwälte verweisen auf Bestimmungen in den Vorschriften über die Wahlkampffinanzierung, gemäss denen Amerikaner nicht auf die Hilfe von Ausländern zurückgreifen können. Andere sprechen von einer Konspiration zur Behinderung des rechtmässigen Ablaufs von Wahlen. Das Trump-Lager findet solche Gedankenspielereien lächerlich – weil Weselnitzkaja («leider», wie Trump junior sagte) gar nie über inkriminierende Informationen über Clinton verfügte.

Renzo Ruf, Washington

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