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USA: Aktivisten bringen Waffenlobby in Bedrängnis

Die amerikanische Waffenindustrie kommt nach dem Massaker in Parkland unter Druck. Die Augen sind nun auf die Wall Street gerichtet: Setzt sie sich an die Spitze der Bewegung, könnte es für die Waffenlobby-Vereinigung NRA eng werden.
Die National Rifle Association (NRA) ist weiterhin gegen jede Verschärfung der US-Waffengesetze. (Bild: Keystone/AP/SETH PERLMAN)

Die National Rifle Association (NRA) ist weiterhin gegen jede Verschärfung der US-Waffengesetze. (Bild: Keystone/AP/SETH PERLMAN)

Den Anfang machte eine Regionalbank in Amerikas Herzland: Am Mittwoch der vergangenen Woche gab die First National Bank aus Omaha (Nebraska) bekannt, künftig auf die Ausgabe von Visa-Kreditkarten mit dem Logo der National Rifle Association (NRA) zu verzichten. Die «offizielle Kreditkarte» war ein exklusives Angebot an die zahlenden Mitglieder der NRA gewesen, deren Zahl auf rund fünf Millionen geschätzt wird.

«Rückmeldungen» der Kundschaft hätten die First National Bank dazu bewogen, die Zusammenarbeit mit der Waffenlobby einzustellen, sagte ein Sprecher der Bank – eine Anspielung auf die emotional geführte Debatte im Nachgang zum Massaker an einer High School in Parkland im Bundesstaat Florida. Diesem Beispiel folgten rasch andere grosse Unternehmen. So beendeten etwa die Autovermieter Enter­prise, Alamo und National – die zur selben Muttergesellschaft gehören – ein Vergünstigungsprogramm für NRA-Mitglieder. Auch Versicherungen, Fluggesellschaften und IT-Dienstleister gaben bekannt, die organisierten Waffenbesitzer künftig nicht mehr bevorzugt zu behandeln.

NRA kann Nutzen aus der Kampagne ziehen

Ganz freiwillig trennten sich diese Unternehmen allerdings nicht von der NRA. Vielmehr hatte die linke Internetseite Think Progress eine virtuelle Kampagne gegen sie und rund zwei Dutzend weitere Firmen organisiert. Die NRA wiederum kritisierte diese Druckversuche scharf und bezeichnete Unternehmen, die NRA-Mitglieder im Nachgang zum Massaker von Parkland «bestraften», als «Feiglinge».

Ganz ungelegen kommt der NRA dieser Wirbel wohl nicht. Denn die Kampagne erlaubt es der Waffenlobby, sich – wieder einmal – als Organisation darzustellen, deren rechtschaffene Mitglieder schikaniert werden. Sollte die Boykottkampagne aber von der NRA auf die Waffenhersteller übergreifen, dann dürfte sich die Dynamik in der Debatte um die amerikanische Waffenkultur ändern. Beobachter verweisen darauf, dass Grossbanken und institutionelle Investoren die gesamte Branche unter Druck setzen könnten, falls sich die Geldgeber plötzlich dazu entscheiden würden, auf Investitionen ins Waffengeschäft zu verzichten. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: So gab die Bank of America bekannt, dass sie alle Kunden unter die Lupe nehmen werde, die schwere Waffen für den zivilen Gebrauch herstellten. Die Bank of America leiht unter anderem Geld an die Waffenschmiede Sturm, Ruger & Co., zu deren Angebotspalette halbautomatische Schiessgewehre des Typus AR-15 gehören.

Noch einen Schritt weiter will der einflussreiche New-York-Times-Kolumnist David Ross Sorkin gehen. Sorkin forderte die Finanzindustrie auf, der Waffenbranche unilateral Auflagen zu machen – und Transaktionen über Banken oder Kreditkartenfirmen zu blockieren, die diesen Regeln nicht entsprächen. So könnte etwa das Mindestalter bei Waffenkäufen erhöht werden. Seine Idee, behauptete Sorkin, sei bei führenden Branchenvertretern auf Zustimmung gestossen. Allerdings wollte er vorerst keine Namen nennen, weil die Manager Angst vor Gegenreaktionen der NRA-Mitglieder hätten.

Renzo Ruf, Washington

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