Osama Bin Laden
USA: Dank «Waterboarding» Bin Laden aufgespürt?

Kamen die Geheimdienste Bin Laden dank Informationen auf die Spur, die sie in Folterverhören gewonnen hatten? Ja, sagen Angestellte der früheren Regierung Bush.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen

Das Dementi kam umgehend. Der Aufenthaltsort von Osama Bin Laden sei nicht dank unzimperlichen Verhörmethoden aufgespürt worden. Eine solche Behauptung, die eine direkte Linie von Folter-Verhören zu den Ereignissen von Montagnacht zieht, «strapaziert die Glaubwürdigkeit». Dies sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney. Er reagierte damit auf eine Debatte, die in den USA ausgebrochen war, kaum hatte Präsident Barack Obama verkündet, dass der Top-Terrorist getötet worden sei.

Anhänger und ehemalige Mitarbeiter von Präsident George W. Bush wiesen darauf hin, dass die Geheimdienste sich nur dank Informationen, die in folterähnlichen Verhören gewonnen wurden, auf die Fersen Bin Ladens hatten heften können. «Dies kommt einer Rehabilitierung von Bushs Terrorismuspolitik gleich und zeigt auf, welchen Erfolg diese Politik haben kann», schrieb der Jurist John Yoo bereits am Montag auf der Internetseite der konservativen Zeitschrift «National Review». Yoo legte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Justizministerium das rechtliche Fundament für gewisse Verhörmethoden wie «Waterboarding».

«Unser Dreh- und Angelpunkt»

Die Kontroverse dreht sich um Hassan Ghul, einen Unterstützer der Kaida, der 2004 durch kurdische Milizen gefasst und den US-Streitkräften überstellt wurde. Er trug einen Brief von Abu Musab al-Zarqawi an Bin Laden auf sich. Ghul wurde daraufhin zwei Jahre lang in einem CIA-Geheimgefängnis festgehalten und verhört. Ob er dabei auch dem «Waterboarding» unterzogen wurde, ist nicht bekannt. «Er war recht kooperativ», zitierte die «New York Times» einen Regierungsangestellten. Ghul, der sich nun in pakistanischem Gewahrsam befinden soll, habe in der Folge auch sein Wissen über den Kaida-Boten Abu Ahmed al-Kuwaiti preisgegeben.

Mit diesen Informationen wurden andere festgehaltene Kaida-Terroristen wie Khalid Scheich Mohammed konfrontiert. Aus ihren Reaktionen wurde geschlossen, dass Kuwaiti eine einflussreiche Stellung besass. Also machten sich die Geheimdienste auf die Suche nach dem Boten. Ghul «war unser Dreh- und Angelpunkt», sagte ein anonymer Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AP. Jose Rodriguez hingegen, von 2002 bis 2005 für die Anti-Terror-Operationen der CIA zuständig, sagte dem Nachrichtenmagazin «Time»: Die «zentrale Information» zur Aufspürung Bin Ladens stamme von Khalid Scheich Mohammed und seinem Umfeld.

Kam es zu Folterungen?

Das Weisse Haus will sich auf diese Debatte nicht einlassen. Obama hatte in einer seiner ersten Amtshandlungen die Anwendung von folterähnlichen Verhörmethoden untersagt. Der Sprecher seines Nationalen Sicherheitsrates sagte der «New York Times»: «Wenn wir 2003 durch Waterboarding eine Art schlagenden Beweis gewonnen hätten, dann hätten wir Bin Laden bereits dann aus dem Verkehr gezogen.» Experten sind sich uneinig. «Die Prämisse der Lehrbuchmeinung war falsch», sagt Benjamin Wittes von der Denkfabrik Brookings Institute über die Verhörmethoden der CIA. «Dank diesen Programmen können wirklich wichtige Informationen gewonnen werden.» Dieser Einschätzung widerspricht Eugene Fidell, ein Spezialist für Militärrecht an der Yale Law School entschieden. «Ich glaube, dass wir sehr, sehr zurückhaltend sein sollten, um diese Operation zur Rechtfertigung von schlicht illegalen Verhaltensmustern in der Regierung Bush zu nutzen.»