USA: Das Kennedy-Puzzle: Neue Dokumente veröffentlicht

Die zentralen Fragen bleiben unbeantwortet – obwohl Präsident Donald Trump die meisten Akten über die Ermordung von John F. Kennedy publik gemacht hat.

Renzo Ruf, Washington
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John F. Kennedy und seine Frau Jacqueline vor dem fatalen Schuss am 22. November 1963. (Bild: AP)

John F. Kennedy und seine Frau Jacqueline vor dem fatalen Schuss am 22. November 1963. (Bild: AP)

Renzo Ruf, Washington

Zwei Tage waren seit der Ermordung von Präsident John F. Kennedy in Dallas vergangen, und die Bundespolizei FBI stand mit leeren Händen da. Denn ein Nachtklubbesitzer namens Jack Ruby hatte soeben den JFK-­Attentäter Harvey Lee Oswald getötet. Also gab FBI-Direktor J. Edgar Hoover eine Direktive aus. Die Bundespolizei müsse umgehend eine Stellungnahme veröffentlichen, um die breite Bevölkerung davon zu überzeugen, «dass Oswald der wahre Atten­täter ist».

Diese Aussagen sind Teil eines Gesprächsprotokolls, das am späteren Nachmittag des 24. November 1963 angefertigt wurde – und am Donnerstag erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Auf Anordnung von Präsident Donald Trump wurden 50 Dokumente aus den Kennedy-Akten veröffentlicht, die zuvor unter Verschluss gehalten wurden. Sie waren Teil eines Aktenpakets, das rund 2800 Dokumente zählt, die bisher nicht vollständig publik gewesen waren und bis zum Stichtag 26. Oktober 2017 veröffentlicht werden mussten.

Auf Wunsch des Auslandgeheimdienstes CIA und der Bundespolizei FBI entschied sich der Präsident aber in letzter Sekunde, sein Versprechen zu brechen und keine vollständige Transparenz zu gewähren. So wurden Dokumente zurückgehalten, die sich um die Tätigkeit von Exil-Kubanern in den USA drehten, oder um eine mysteriöse Reise, die Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald nach Mexiko unternommen hatte. Trump versprach auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass er früher oder später sämtliche Akten über den Tod des Präsidenten veröffentlichen werde, er den Sicherheitsbehörden aber sechs Monate Zeit einräume, die Akten zu redigieren. Auch die CIA meldete, dass sie bis im kommenden April sämtliche 18 000 Kennedy-Dokumente publik machen werde und nur einige wenige Teile geschwärzt würden.

Enttäuschende Informationen

Historiker und Journalisten, die sich durch die publizierten Dokumente kämpfen, zeigten sich enttäuscht über die gewonnenen Informationen. So ist den Akten unter anderem zu entnehmen, dass die Bundespolizei FBI Gerüchten nachging, Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson (LBJ) sei Mitglied der rassistischen Vereinigung Ku-Klux-Klan gewesen. Auch soll bei der britischen Zeitung «Cambridge News» am 22. November, kurz vor der Ermordung Kennedys, ein anonymer Anruf eingegangen sei, wonach bald einmal «etwas Grosses» geschehen werde. Der Reporter solle sich diesbezüglich bei der amerikanischen Botschaft in London erkundigen. Und schliesslich behauptete CIA-Direktor Richard Helms im Jahr 1975, dass LBJ stets die Meinung vertreten habe, die Ermordung Kennedys sei die Quittung dafür gewesen, dass JFK im Jahr 1963 die Ermordung des damaligen südvietnamesischen Präsidenten genehmigt habe.

Larry Sabato, der an der University of Virginia als Politologe tätig ist, sich aber auch als Kennedy-Historiker sieht, schrieb in der «New York Times»: Die veröffentlichten Akten seien rau und chaotisch. «Es wird enorm viel Arbeit benötigen, und viel Zeit, um das alles zusammenzutun. Stellen sie sich ein Puzzle mit einer Million Teile vor.»