Syrien
USA denken über Bodentruppen nach

Die USA setzen sich mit Iran an einen Tisch und auch ein Bodeneinsatz ist nicht mehr undenkbar.

Renzo Ruf und Michael Wrase
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US-Aussenminister, John Kerry spricht mit Mohammad Javad Zarif, dem iranischen Aussenminister.

US-Aussenminister, John Kerry spricht mit Mohammad Javad Zarif, dem iranischen Aussenminister.

Keystone

Die Anzeichen verdeutlichen sich, dass die USA bei der Bekämpfung der Terroristen des Islamischen Staates vor einer Kurskorrektur stehen. Verteidigungsminister Ashton Carter gab am Dienstag bekannt, dass er mit einer Eskalation des Krieges in Syrien und Irak rechne.

«Wir gehen davon aus, dass wir unsere Luftangriffe intensivieren werden», sagte Carter. Dabei sollen auch die Ölfelder, die durch den IS kontrolliert werden, unter Beschuss kommen.

Eine der Optionen, über die im Pentagon gemäss dem «Wall Street Journal» ernsthaft diskutiert wird: die Verlegung von bis zu acht Apache-Kampfhelikoptern in den Irak. Dieser Schritt hätte allerdings weitreichende Folgen.

Denn die agilen Fluggeräte, die mit Bordkanonen, Panzerabwehrlenkwaffen und Raketen bestückt werden können, sind nur effizient, wenn die US-Streitkräfte über Aufklärungssoldaten am Boden verfügen.

Mit der Stationierung von amerikanischen Soldaten würde Präsident Barack Obama allerdings sein Versprechen brechen, dass seine Offensive gegen den Islamischen Staat keine Verschiebungen von Kampfsoldaten zur Folge habe. Dass dieses Bekenntnis so oder so nicht total gilt, zeigt die (unter dem Strich) geglückte Geiselbefreiung in der vorigen Woche. Bei einer Kommandoaktion zur Befreiung von IS-Geiseln im Nordirak starb Joshua Wheeler, ein 39 Jahre alter Elite-Soldat.

Am Tisch mit den Mullahs

Aber auch an der diplomatischen Front bewegen sich die USA und haben ein langjähriges Tabu gebrochen: Erstmals luden sie den Iran zu direkten Gesprächen ein. Nach Angaben eines Teheraner Regierungssprechers wird Aussenminister Zarif an dem am Freitag im Wiener Hotel Imperial beginnenden Treffen teilnehmen.

Auch die Chefdiplomaten Frankreichs, Deutschlands, Grossbritanniens, Russlands sowie der wichtigsten Nahoststaaten werden dabei sein. Die iranische Staatsagentur Fars wertete die amerikanische Einladung als «erstes Zeichen der Vernunft», welche der Schlüssel zu einer Lösung sei. Der Einbezug der Regionalmächte ist entscheidend. Vor allem Saudi-Arabien sträubte bis zur letzten Woche, mit dem schiitischen Iran an einem Tisch zu sitzen.

Militärische Lösung unmöglich

Solange die Weichen für eine politische Einigung nicht gestellt worden sind, werden Teheran und Riad den Konflikt mit Waffenlieferungen und Interventionen weiter anheizen. Wie unerreichbar eine militärische Lösung aber ist, zeigt das russische Eingreifen.

Mehr als 800 Ziele haben russische Kampfbomber in den letzten vier Wochen angegriffen und das Assad-Regime unterstützt. Die syrische Armee befindet sich aber mittlerweile wieder in der Defensive. Bei Aleppo sollen sich mehr als 2000 iranische Soldaten auf eine Offensive zur Aufhebung der Blockade zweier schiitischer Ortschaften vorbereiten.

Fast 30 Revolutionsgardisten sowie vier Generäle sind in den letzten sechs Wochen in Syrien ums Leben kommen. Die Opferzahl, heisst es in Teheran, sei «verkraftbar». Sie müsse in Kauf genommen werden, um Syrien als «geostrategischen Partner» zu verteidigen.