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USA: Der Trump-Frust der Korrespondenten

Präsident Donald Trump beschimpft Journalisten lautstark und schikaniert sie bei ihrer Alltagsarbeit über das Weisse Haus. Ein Augenschein an einem Korrespondenten-Treffen.
Renzo Ruf, Washington
Bei Journalisten unbeliebt: Präsidentensprecher Sean Spicer (auf dem Podest). Bild: Pablo Martinez Monsivais/AP (Washington, 22. Februar 2017)

Bei Journalisten unbeliebt: Präsidentensprecher Sean Spicer (auf dem Podest). Bild: Pablo Martinez Monsivais/AP (Washington, 22. Februar 2017)

Renzo Ruf, Washington

Mike Allen ist hier. Der einflussreiche Washingtoner Reporter, der nun für die Onlinepublikation «Axios» schreibt, tauscht Nettigkeiten mit Jonathan Karl aus, der für den Fernsehsender ABC aus dem Weissen Haus berichtet. Unweit entfernt hält April Ryan Hof, eine streitbare Radiojournalistin, die für eine Gruppe von Radiosendern arbeitet, die sich an ein mehrheitlich afroamerikanisches Publikum richten. Und ist das nicht Jim Acosta, der für den Nachrichtensender CNN die Geschehnisse im Weissen Haus festhält? Ausnahmsweise sitzt der Reporter, der aufgrund seiner bissigen Kommentare über Präsident Donald Trump auch unter Berufskollegen umstritten ist, ganz ruhig auf seinem Stuhl.

Anlass für dieses Stelldichein prominenter Köpfe: eine Mitgliederversammlung der White House Correspondent Assocation (WHCA) – der Standesorganisation der Journalistinnen und Journalisten, die hauptsächlich über das Weisse Haus berichten. Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten will der abtretende Vereinspräsident Jeff Mason, der für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitet, eine Zwischenbilanz ziehen. Die grösste Herausforderung stellt der Präsident höchstpersönlich dar. Donald Trump macht aus seinem Hass auf die Arbeit traditioneller Zeitungen, Fernseh- und Radiosender keinen Hehl.

Es wird von allen Seiten herumgemäkelt

Diese Breitseiten sorgen im Journalistenkorps für Empörung und Unsicherheit. «Wie lange wird es noch dauern, bis ein Reporter verletzt oder getötet wird, weil Trump uns als Staatsfeinde beschimpft?», fragt Brian Karem, der für das Männermagazin «Playboy» aus dem Weissen Haus berichtet. Hinzu kommen die Schikanen im Weissen Haus. So haben die beiden Präsidentensprecher Sean Spicer und Sarah Huckabee Sanders angefangen, Fernsehkameras von der täglichen Pressekonferenz auszuschliessen, was die Arbeit der TV-Sender erschwert.

Jeff Mason macht deutlich, dass er mit diesen Entwicklungen nicht einverstanden ist und hinter verschlossenen Türen für die Interessen der WHCA kämpft. Gleichzeitig besitzt seine Organisation aber kein eigentliches Druckmittel: Über den Zutritt zum Weissen Haus entscheiden nicht die Abgesandten der Korrespondentenvereinigung, sondern das Weisse Haus.

In der Praxis führt dies dazu, dass alle Seiten ständig an der Arbeit der WHCA herummäkeln. Vertreter konservativer Publikationen sind der Meinung, die Korrespondentenvereinigung lehne sich zu stark aus dem Fenster. Aktivistische Journalisten wiederum sagen, die WHCA müsse sich schärfer gegen Restriktionen wehren. Jeff Mason seinerseits sagt, dass die WHCA dazu keine Position beziehe, eine «kollektive Protestaktion» sei Sache der einzelnen Nachrichtenorganisationen.

Aufruf zum Denunzieren

Mason sagt aber auch, dass die WHCA nicht der verlängerte Arm des Weissen Hauses sei. So weigere er sich beispielsweise, die Arbeit einzelner Journalisten zu kritisieren – obwohl das Weisse Haus ihn auch schon darum gebeten habe, eine entsprechende schriftliche Stellungnahme zu veröffentlichen. Diese Enthüllung lässt selbst abgebrühte Reporter erstaunt zurück. Als eine Korrespondentin den Vereinspräsidenten um mehr Details bittet, druckst Mason etwas herum, bevor er sagt, er habe bereits genug verraten. Weitere Fragen über den Vorfall will der WHCA-Präsident nicht beantworten. Und weil es sich hier um eine Versammlung von Korrespondenten handelt, die täglich mit den mauernden Pressesprechern des Präsidenten zu tun haben, ist im Publikum eine Stimme zu hören, die sagt: «Come on, Sean!» – als sei Jeff Mason vorübergehend in die Haut von Sean Spicer geschlüpft.

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