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USA: Ein Sieg der Demokrate gegen das Hinterwäldler-Klischee

Niederlage für die Republikaner in der Hochburg Alabama – eine knappe Mehrheit der Wähler gab in einer Senatswahl dem Demokraten Doug Jones den Vorzug. Der 63-Jährige krönt damit eine bemerkenswerte Karriere.
Renzo Ruf, Washington
Der Demokrat Doug Jones feiert den Wahlsieg mit seiner Ehefrau. Jones ist neuer Senator für Alabama. (Bild: Bill Clark/Getty (Birmingham, 12. Dezember 2017))

Der Demokrat Doug Jones feiert den Wahlsieg mit seiner Ehefrau. Jones ist neuer Senator für Alabama. (Bild: Bill Clark/Getty (Birmingham, 12. Dezember 2017))

Renzo Ruf, Washington

Als der Prozess endlich zu Ende war und der angeklagte Bombenleger – mehr als 38 Jahre nach seiner rassistisch motivierten Tat, die vier afroamerikanische Mädchen das Leben gekostet hatte – von einem Geschworenengericht für schuldig gesprochen worden war, zeigte sich der leitende Staatsanwalt höchst zufrieden. Der Sieg der Anklagebehörde sei derart «vollkommen und befriedigend», er könne sich nicht vorstellen, dass sich ein menschliches Wesen jemals besser fühlen könne, sagte er. Und dann verwies der Staatsanwalt auf ein Foto, das der Vater eines afroamerikanischen Opfers gemacht hatte und das die damals 11-jährige Denise McNair mit einer hellhäutigen Puppe zeigte. «Dies ist auch ein Bild der Hoffnung», sagte er, «eines Traumes, wenn man so will.»

Das war am 22. Mai 2002, und bei dem Staatsanwalt handelte es sich um Doug Jones. In jahrelanger Kleinarbeit, unterstützt von einem Team von hartnäckigen Ermittlern, war es ihm 2001 und 2002 gelungen, zwei der vier Verantwortlichen des Sprengstoffattentats auf die 16th Street Baptist Church in Birmingham (Alabama) verspätet zur Verantwortung zu ziehen – ein Attentat, das 1963 weltweit für Entsetzen gesorgt und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung galvanisiert hatte. Noch heute sagt der mittlerweile 63-jährige Jones, die beiden Schuldsprüche gegen die Mitglieder der rassistischen Vereinigung Ku-Klux-Klan seien «das A und O» seines Lebens.

Bestes Ergebnis seit 25 Jahren

Zumindest indirekt spielten die beiden aufsehenerregenden Gerichtsverfahren auch eine wichtige Rolle bei der wohl grössten politischen Überraschung in diesem an politischen Überraschungen reichen amerikanischen Wahljahr. Jones gelang es nämlich, nach einem diszipliniert geführten Wahlkampf und dank der Unterstützung afroamerikanischer Stammwähler der Demokraten, am Dienstag im Senatswahlkampf in Alabama den Republikaner Roy Moore (70) zu besiegen. Laut vorläufigen Zahlen erzielte Jones ziemlich genau 50 Prozent der Stimmen, während es sein Gegner auf 48 Prozent brachte. Dies mag auf den ersten Blick nicht nach einem überzeugenden Abschneiden klingen. Letztmals war es aber einem demokratischen Senatskandidaten im Jahr 1992 gelungen, die 50-Prozent-Marke zu knacken.

Vielleicht ist es aber ehrlicher, statt vom einem Sieg Jones’ von einer Niederlage Moores zu sprechen. Denn der republikanische Ex-Staatsanwalt und Ex-Richter verlor das Rennen, weil sich republikanische Stammwähler nicht dazu aufraffen konnten, für ihn zu stimmen. So blieben die gut gebildeten weissen Bewohner der Agglomerationen, die normalerweise den konservativeren Kandidaten wählen, massenhaft zu Hause. Ein Grund dafür waren die Vorwürfe gegen Moore, dass dieser in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren eine Vorliebe für ganz junge Mädchen gezeigt habe. Dabei soll er auch ein Kind missbraucht oder geschändet haben, wie die «Washington Post» vorigen Monat berichtete.

Bundesurteile ignoriert

Ein weiterer Grund: Moore hatte bereits vor diesen Vorwürfen mit einer ganzen Reihe von kontroversen Amtshandlungen und Stellungnahmen zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Alabamas vor den Kopf gestossen. So wurde der Jurist gleich zweimal von seinem Posten als oberster Richter im Staat abgesetzt, weil er sich geweigert hatte, Urteilen von Bundesrichtern Folge zu leisten.

Mit solchen Manövern begeisterte er zwar seine Anhänger auf dem flachen Land; gleichzeitig aber entsprach Moore in solchen Momenten dem Klischee eines rückständigen Südstaatlers, der nicht in der modernen Zeit angekommen ist. Und just von diesem Klischee wollen auch in Alabama viele Menschen wegkommen. Treffend formulierte es der ehemalige Basketballspieler Charles Barkley, der im Bundesstaat aufwuchs und sich für Doug Jones einsetzte: «Wir sollten uns endlich darum bemühen, dass wir nicht mehr wie die Idioten der Nation aussehen.»

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