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USA: Er will es noch einmal wissen

Von Massachusetts nach Utah: Der ehemalige Gouverneur und gescheiterte Präsidentschaftskandidat Mitt Romney liebäugelt mit seinem politischen Comeback.
Twitter: Mitt Romney hatte im Wahlkampf 2012 viele Helfer. (Bild: Imago/Archiv)

Twitter: Mitt Romney hatte im Wahlkampf 2012 viele Helfer. (Bild: Imago/Archiv)

Offiziell hat er sich noch nicht entschieden. Er halte sich sämtliche Optionen offen, sagte Mitt Romney vor einigen Monaten, als er auf eine Senatskandidatur an seinem neuen Wohnort angesprochen wurde. Nachdem Orrin Hatch aber am Dienstag verlauten liess, er werde sich nach vier Jahrzehnten in Utah nicht um eine weitere Amtsperiode bewerben, rechnet nun ganz Washington mit einem Comeback des 70-jährigen Republikaners. Und weil sich der Geschäftsmann und Berufspolitiker im Vorruhestand bewusst ist, dass er nun wieder unter Dauerbeobachtung steht, passte er rasch sein Profil auf Twitter an. Deshalb ist dort nun zu lesen, dass Romney in Holladay wohnt, an der Peripherie von Utahs grösster Stadt Salt Lake City.

Es sind solche aalglatten Manöver, die Freund und Feind bisweilen zur Verzweiflung treiben. Und die immer wieder dazu führen, dass er als Opportunist beschimpft wird. Dabei lernte Mitt Romney das politische Handwerk von der Pike auf, als jüngster Sohn des Autounternehmers George Romney. Der charmante ­Patriarch wurde 1962 zum Gouverneur Michigans gewählt und nutzte dieses Amt, um sich als Sprachrohr des konzilianten Flügels der Republikanischen Partei zu positionieren.

Ähnlich wie sein Vater verdiente sich Mitt Romney seine Sporen in der Geschäftswelt. Als Wirtschaftsberater in den Rängen der Boston Consulting Group und später von Bain & Company entwickelte er ein gutes Gespür für Zahlen. 1984 machte er sich selbstständig und gründete mit dem Einverständnis seines Mentors Bill Bain die Investmentfirma Bain Capital – ein Konstrukt, das heute als «Heuschrecke» bezeichnet würde, dank dem aber klingende Namen der amerikanischen Firmenwelt überlebten. Sein eigentliches Gesellenstück folgte 1999, als Romney zum Geschäftsführer der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City ernannt wurde – und das marode Organisationskomitee wieder auf Vordermann brachte.

Für Romney stand dabei mehr auf dem Spiel als die erfolgreiche Durchführung der Olympischen Spiele. Es war ein offenes Geheimnis, dass er nach einer gescheiterten Senatskandidatur 1994 mit einer Fortsetzung seiner politischen Karriere liebäugelte. In der Tat bewarb sich Romney 2002 um das Gouverneursamt von Massachusetts. Rasch musste die lokale Bevölkerung aber zur Kenntnis nehmen, dass es sich auch bei diesem Amt, das er vier Jahre lang ausübte, nur um ein Sprungbrett handelte. Im Visier hatte Romney das Weisse Haus. Dieses Ziel aber erreichte er nie, auch weil er sich 2008 und 2012 derart häufig verbog und korrigierte, dass er selbst an der Parteibasis an Respekt verlor.

Immerhin: Im konservativen Utah, einer Hochburg der Mormonenkirche, der auch Romney angehört, gewann er 2012 mehr als 70 Prozent der Stimmen. Sollte er sich um den freiwerdenden Senatssitz bewerben, wäre er der klare Favorit. Dass er kein Fan des Parteikollegen im Weissen Haus ist, käme ihm zugute. Denn in Utah ist die Hälfte der Bevölkerung unzufrieden mit der Amtsführung von Donald Trump.

Renzo Ruf, Washington

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