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USA: Kommunikationschef beleidigt Trumps Stabschef – der wird gefeuert

Palastintrigen dominieren die Schlagzeilen in den USA: Der Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses greift in einer vulgären Tirade den Stabschef des Präsidenten, Reince Priebus, an. Dieser verliert kurz danach den Posten.
Renzo Ruf, Washington
Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci im Gespräch mit Journalisten vor dem Weissen Haus. (Bild: Pablo Martinez/AP (Washington, 25. Juli 2017))

Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci im Gespräch mit Journalisten vor dem Weissen Haus. (Bild: Pablo Martinez/AP (Washington, 25. Juli 2017))

Renzo Ruf, Washington

Mag sein, dass der ehemalige Financier Anthony Scaramucci mit den Konventionen in der amerikanischen Hauptstadt bisher nicht vertraut war – und der neue Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses wirklich glaubte, er könne mit einem altgedienten Korrespondenten der Zeitschrift «The New Yorker» ein wenig über seine Arbeitskollegen plaudern. Der aalglatte Scaramucci jedenfalls behauptet dies: «Ich habe den Fehler gemacht, einem Journalisten zu vertrauen. Das wird nicht wieder vorkommen», schrieb der ehemalige Hedgefonds-Manager auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dem bevorzugten Kommunikationsinstrument der Regierung von Präsident Donald Trump.

Der betroffene Journalist allerdings – Ryan Lizza, der seit zwanzig Jahren das Geschehen in Washington unter die Lupe nimmt – ist da ganz anderer Meinung. Während eines kurzen Auftrittes auf dem Nachrichtensender CNN wies er gestern darauf hin, dass er sich an die journalistischen Grundregeln gehalten habe und das Gespräch, abgesehen von einem kurzen Moment, nicht vertraulich («off the record») gewesen sei. «Wenn der Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses mich anruft und mir sagt, dass der Chefstratege des Präsidenten», und hier folgte ein Ausdruck, der sich am besten mit «sich akrobatisch selbst befriedigt» übersetzen lässt, «dann ist das meiner Meinung nach einen Artikel wert», sagte Lizza.

«Ich will alle Geheimnisverräter umbringen»

Da hat der Reporter wohl Recht. Deshalb weiss nun ganz Washington und die halbe Welt, dass Scaramucci am Mittwochabend den bisherigen Stabschef des Weissen Hauses, Reince Priebus, als «verfickten, paranoiden, schizophrenen Menschen» bezeichnete. Und dass er Chefstratege Steve Bannon vorwarf, er wolle sich auf Kosten des Präsidenten profilieren. Und dass Scaramucci die Bundespolizei FBI auf Angestellte des Weissen Hauses hetzte, die seiner Meinung nach dafür verantwortlich seien, brisante Nachrichten der Presse gesteckt zu haben. Weil diese Tirade, die Lizza auf Tonband aufnahm, zudem in einem vulgären und obszönen Tonfall gehalten war («Ich will alle diese verfickten Geheimnisverräter umbringen»), verursachte der am Donnerstag veröffentlichte «New Yorker»-Artikel grosse Wellen.

Will Scaramucci nur seinem Chef gefallen?

Weder Priebus noch Bannon reagierten öffentlich auf die Breitseite des neuen Kommunikationsdirektors, der – zumindest auf dem Papier – eng mit dem Stabschef und dem Chefstrategen zusammenarbeiten sollte. Auch Trump hielt sich still. Gut informierte Politbeobachter wiesen aber umgehend darauf hin, dass der Präsident hinter verschlossenen Türen ähnlich häufig zum F-Wort greife und über das Personal im Weissen Haus herziehe. Scaramucci versuche bloss, seinem Chef zu gefallen, der bekanntlich ein Anhänger von «gesundem Wettbewerb» unter seinen Untergebenen sei, lautete ein trockener Kommentar. Und dass die Trump-Familie das Vertrauen in ihren Stabschef verloren habe, weil der Präsident der Meinung ist, Priebus sabotiere sein populistisches Programm, sei kein Geheimnis.

Auch wenn diese Theorie vielleicht der Wahrheit entspricht – Scaramucci hat sich in der ersten Woche in seinem neuen Job keine neuen Freunde geschaffen. Ohne Verbündete aber wird er bei seinem Versuch, im Weis­- sen Haus auszumisten, kläglich scheitern. Und das ist das eigentliche Problem. Es stimmt, dass der Präsident sich mit Beratern und angeblichen Vertrauten umgibt, die gegenüber den Medien lecken wie ein Sieb. Aber Scaramuccis Drohgebärden werden die Dissidenten eher noch anfeuern und das Chaos in Washington vergrössern. Bereits sagen Parteikollegen des Präsidenten öffentlich, was sie bisher nur hinter vorgehaltener Hand gesagt hatten. «Eine Seifenoper» seien die Vorgänge im Weissen Haus, kommentierte Newt Gingrich, ein Vertrauter Trumps.

Prompt folgte gestern bereits der nächste Knall: Priebus verliert seinen Posten. Neuer Stabschef im Weissen Haus wird der bisherige Heimatschutzminister John Kelly, verkündete Trump via Twitter.

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