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USA: Kontroverse um Bibel-Museum in Washington

An bester Lage öffnet morgen in Washington ein Bibel-Museum seine Türen. Darin soll die Geschichte des meistgedruckten Buches neutral erzählt werden, verspricht der Initiator. Kritiker glauben ihm kein Wort.
Renzo Ruf, Washington
Blick auf eine King-James-Bibel aus dem Jahr 1617 im neuen «Museum of the Bible» in Washington. (Bild: Jim Lo Scalzo/EPA (14. November 2017))

Blick auf eine King-James-Bibel aus dem Jahr 1617 im neuen «Museum of the Bible» in Washington. (Bild: Jim Lo Scalzo/EPA (14. November 2017))

Renzo Ruf, Washington

Aus seiner Religiosität macht Steve Green kein Geheimnis. Seiner Meinung nach ist die Bibel das Wort Gottes und muss deshalb wörtlich genommen werden, getreu der Doktrin der Baptisten-Kirche, an deren Gottesdienst der unprätentiös auftretende Geschäftsmann regelmässig teilnimmt. Green, dessen Familie die landesweit tätige Ladenkette Hobby Lobby besitzt, spricht in diesem Zusammenhang von einer «biblischen Weltanschauung» – ähnlich wie sein Vater David Green, der stets versuchte, seinen protestantischen Glauben mit seinen kapitalistischen Fertigkeiten in Einklang zu bringen.

Umso überraschender deshalb die Ankündigung Greens, dass sein Bibel-Museum, das morgen in Washington eröffnet wird, «nicht konfessionsgebunden» sei. Im Gespräch doppelt Green nach: «Wir laden alle Menschen dazu ein, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen», ganz egal, welchem Glauben sie nachgingen. «Das Museum will niemanden bekehren» und zu einem Protestanten machen, sondern die Geschichte des meistgedruckten Buches erzählen. Ähnlich drückt sich Lawrence Schiffman aus, ein Judaistik-Professor an der New York University, der dem «Museum of the Bible» beratend zur Seite steht. Schiffman sagt: «Wir wollen nicht predigen.»

Dies klingt nach einem schier unmöglichen Balanceakt, ist doch die Heilige Schrift unverkennbar mit den beiden Weltreligionen ­Judentum und Christentum verbunden. Das neue Museum versucht, diesen Anspruch dennoch auf sieben Stockwerken zu erfüllen – mit Ausstellungen über die Geschichte und Verbreitung der Bibel. In der «Welt des Jesus von Nazareth» wird etwa versucht, den langjährigen Wohnort des Messias nachzustellen – Olivenbäume und Vogelgezwitscher inbegriffen. Andernorts ist eine ­Bibel zu sehen, die sich im Besitz von Elvis Presley befand. Überall wird modernste Technik eingesetzt, um die Besucher zu informieren und zu unterhalten. 500 Millionen Dollar soll der Umbau des Gebäudes gekostet haben.

Kritiker allerdings geben sich mit den Bemühungen des Museumsteams, das durch den ­ehemaligen Hochschuldirektor Tony Zeis geleitet wird, nicht zufrieden. Die beiden Hauptvorwürfe an Steve Green, der an der Spitze des Stiftungsrates des «Museum of the Bible» steht und das Projekt hauptsächlich finanziert hat: Erstens spiele der Museumsinitiator mit falschen Karten, versuche die schwerreiche Familie Green doch das Recht auf freie Religionsausübung umzudeuten; zweitens habe Green bei der Beschaffung von Ausstellungsgegenständen gegen Standesregeln verstossen.

Umstrittene Methoden des Museumsinitiators

Den ersten Vorwurf pariert Green mit einem Hinweis auf seine Wurzeln in der Geschäftswelt. Dass das Museum ausgerechnet in Washington eröffnet wurde, im Zentrum der politischen Macht, hänge damit zusammen, dass die Hauptstadt für ihre Ausstellungen und Sammlungen weltweit bekannt sei, sagt er. Die Nähe zum amerikanischen Parlamentsgebäude sei aber ein angenehmer Nebeneffekt. Er finde, die amerikanischen Volksvertreter täten gut daran, das Buch zu studieren, «auf dessen Grundlage das Land erschaffen wurde». Es sind solche Sätze, die den Bibelforscher Joel Baden in seinem Verdacht bestätigen, dass das Museum den Anspruch, «nicht konfessionsgebunden» zu sein, kaum erfüllen werde. Green sei nun mal ein Protestant und stark geprägt von seiner Kirche, sagt Baden. Deshalb kämen in dem Museum Glaubensrichtungen wie der Islam zu kurz, obwohl diese nachweislich von der Bibel beeinflusst worden seien.

Der zweite Vorwurf an Steve Green betrifft die umstrittenen Methoden, mit denen der Museumsgründer seinem Hobby nachgeht. Green räumt ein, ein spätberufener Sammler zu sein. Erst 2009 habe er sein erstes biblisches Artefakt erstanden. Seither aber hat er Millionen von Dollars ausgegeben, um sich mehr als 40 000 Sammlerstücke zu sichern. Nur ein Bruchteil dieser Gegenstände ist allerdings im ­Bibel-Museum ausgestellt – auch weil sich Green bei der Beschaffung dieser Artefakte nicht immer an Gesetze und Auflagen hielt. «Wir haben Fehler gemacht», räumt er ein, auch weil er naiv gewesen sei. Vorläufig sind deshalb im Bibel-Museum nur etwa 2800 Gegenstände aus der Green-Kollektion ausgestellt – Gegenstände, deren Herkunft mehr oder weniger klar belegbar ist.

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