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USA: O. J. Simpson: «Habe ein konfliktfreies Leben geführt»

O. J. Simpson ist bald wieder ein freier Mann. Gestern erreichte der ehemalige Football-Spieler – der in den 90er-Jahren des Doppelmordes beschuldigt worden war – in Nevada seine vorzeitige Freilassung aus dem Gefängnis.
Renzo Ruf, Washington
O. J. Simpson bei der Anhörung im Gefängnis in Lovelock. (Bild: Jason Bean/EPA (20. Juli 2017))

O. J. Simpson bei der Anhörung im Gefängnis in Lovelock. (Bild: Jason Bean/EPA (20. Juli 2017))

Renzo Ruf, Washington

Es soll tatsächlich noch Menschen geben, die sich an O. J. Simpson, den Sportler, erinnern. 1967 war es, als Simpson die Uniform seiner Hochschule, der University of Southern California, trug, und kurz vor dem Ende eines Football-Spiels gegen den Erzrivalen von der University of California Los Angeles zu einem legendären Sprint ansetzte.

60 Meter weit trug er den Ball über das Spielfeld, schlug Haken links und rechts und erzielte schliesslich den matchentscheidenden «Touchdown». 1968 gewann Simpson die Trophäe für den besten College-Football-Spieler in den USA und wurde anschliessend – mit den Buffalo Bills und den San Francisco 49ers – ein landesweit bejubelter NFL-Star.

NFL-Karriere und Erfolg in Hollywood

«The Juice» hiess er bei Krethi und Plethi, weil er energiegeladen spielte und weil sein Rufname O. J. im amerikanischen Englisch für Orangensaft steht. Später trat er in Werbespots für den Autovermieter Hertz auf und wurde auch in Hollywood zu einem Star. Geschmeidig überwand Simpson dabei die bisweilen unsichtbaren Barrieren, die Afroamerikaner im Alltag manchmal daran hindern, vorwärtszukommen. Später sagte der langjährige Hertz-Konzernchef: «O. J. Simpson war O. J. Simpson», und niemand habe in ihm «O. J. Simpson, den schwarzen Athleten», gesehen. Dies änderte sich aber 1994, als Simpson nach einer spektakulären Verfolgungsjagd wegen Doppelmordes verhaftet wurde. Orenthal James Simpson wurde beschuldigt, seine zweite Gattin Nicole Brown Simpson, von der er 1992 geschieden worden war, und ihren Freund Ron Goldman am 12. Juni 1994 bestialisch ermordet zu haben. Es ist diese Episode im Leben des Ex-Stars, die sich in das kollektive Gedächtnis Amerikas eingebrannt hat – und die gestern in Erinnerung gerufen wurde, als der heute 70-jährige Simpson in einem Gefängnis in Lovelock im Bundesstaat Nevada um seine vorzeitige Freilassung bat. Der Antrag wurde nach einer längeren Anhörung gewährt; Simpson wird in einigen Wochen freigelassen.

Haftstrafe wegen eines Raubüberfalls in Las Vegas

Simpson sitzt seit 2008 hinter Gittern. Allerdings nicht aufgrund des Doppelmordes, sondern wegen einer recht absurden Episode in Las Vegas, die zu einer Verurteilung wegen eines Raubüberfalls und einer Freiheitsberaubung geführt hatte. 2008 hatte Simpson versucht, persönliche Erinnerungsstücke von vermeintlichen Freunden wiederzuerlangen. Dabei kamen in einem Hotel in der Glücksspielmetropole auch Waffen zum Einsatz, was sich in den Augen der damals zuständigen Lokalrichterin Jackie Glass als strafverschärfend auswirkte.

Keine Rolle allerdings soll bei der Verhängung der hohen Gefängnisstrafe von maximal 33 Jahren der Prozess im Jahr 1995 gespielt haben. Dies jedenfalls beteuerte Richterin Glass. Freund und Feind sind jedoch der Meinung, dass Glass sich auf dem Rechtsweg dafür rächte, dass der Mordprozess gegen O. J. im Jahr 1995 platzte. Kein Prozess in der modernen Geschichte der USA spaltete die Bevölkerung derart wie das Verfahren gegen Simpson. Schwarze Amerikaner sahen in ihm ein Opfer des rassistischen Justizsystems – ein Mann, der in den Augen der weissen Machtelite zu viel Erfolg gehabt hatte und deshalb zu Fall gebracht werden musste.

Eine zentrale Rolle in dieser Theorie spielte das Los Angeles Police Department, das unter der schwarzen Bevölkerung gefürchtet war. Dazu passte, dass einer der Polizisten, der am Tatort Beweise sammelte, sich rassistisch geäussert hatte. Weisse Amerikaner hingegen sahen in Simpson einen Kriminellen, der glaubte, dass soziale Normen für ihn nicht gälten. In diesem Zusammenhang wird gern in Erinnerung gerufen, dass Nicole Brown 1989 ins Spital eingeliefert werden musste, weil sie von ihrem Mann verprügelt worden war. «Er wird mich töten!», schrie seine Gattin, als die Polizei endlich am Tatort eintraf.

Simpson bestreitet bis heute, dass er für den Tod seiner Ex-Gattin und ihres Freundes verantwortlich sei. Gestern sagte er, während einer Anhörung in Nevada, ganz im Ernst: «Ich habe alles in allem ein konfliktfreies Leben geführt.» Später gestand er immerhin ein, dass er «einige Probleme» mit Treue gehabt habe, und seine Tochter ergänzte, dass er «kein perfekter Mann» gewesen sei.

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