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USA: Papst erntet Beifall für Kritik

In der ersten Ansprache eines katholischen Oberhauptes im US-Parlament ruft Papst Franziskus die Nächstenliebe in Erinnerung. Und stellt beide Seiten damit zufrieden.
Papst Franziskus spricht den amerikanischen Abgeordneten ins Gewissen. (Bild: AP/Pablo Martinez Monsivais)

Papst Franziskus spricht den amerikanischen Abgeordneten ins Gewissen. (Bild: AP/Pablo Martinez Monsivais)

Die Premiere ist geglückt. In seiner 55-minütigen Rede vor beiden Kammern des amerikanischen Parlaments hat es Papst Franziskus gestern geschafft, rechte Republikaner und linke Demokraten zufriedenzustellen. Er schreckte vor heissen Eisen nicht zurück, verpackte seine Botschaft aber in derart viele aufmunternde Worte und Komplimente, dass selbst harsche Kritik begeistert beklatscht wurde.

Gegen die T

Die Ettikette forderts: Militärische Ehren für den Papst. (Bild: EPA / Olivier Douliery / Pool)
Der Chef der Gendarmerie bringt ein Kind aus der Menge zum Papst. (Bild: AP Photo / Alex Brandon / Pool)
Staatsempfang einmal ernst, … (Bild: EPA/Tony Gentile / Pool)
… und einmal locker. (Bild: EPA/Tony Gentile / Poo)
Gäste lauschen den Worten von Papst Franziskus. (Bild: AP Photo/Andrew Harnik)
Franziskus und Barack präsentieren sich im freundlichen Disput. (Bild: EPA/Tony Gentile / Pool)
Michelle und Barack Obama flankieren Papst Franziskus auf dem Balkon. (Bild: EPA/Michael Reynolds)
Der Papst fährt vorbei. Kids schiessen Pics. (Bild: AP Photo/Susan Walsh)
8 Bilder

Papst Franziskus bei den Obamas

odesstrafe

Und an harscher Kritik an der amerikanischen Politik fehlte es in der Rede wahrlich nicht. Franziskus forderte die globale Abschaffung der Todesstrafe, eines Pfeilers des amerikanischen Strafrechts. «Ich bin überzeugt, dass dieser Weg der beste ist, weil alles Leben heilig ist.» Die Gesellschaft profitiere davon, dass Verbrecher rehabilitiert würden. Für diese klaren Worte erntete er den Applaus linker Demokraten. Auch klatschte die Linke, als der Papst ein entschiedenes Vorgehen gegen den Klimawandel forderte und als er in Erinnerung rief, dass niemand Angst vor Einwanderern haben solle. «Schliesslich waren die meisten von uns einmal Ausländer.»

Bekenntnis gegen Homo-Ehe

Andererseits brachen die Republikaner in tosenden Beifall aus, als Franziskus sagte, die amerikanischen Volksvertreter hätten den Auftrag, «menschliches Leben zu schützen und zu verteidigen», und zwar in «jeder Phase» der menschlichen Entwicklung. Ähnlich begeistert reagierten die Konservativen, als der Pontifex lobende Worte für den Kapitalismus fand und ein Bekenntnis für die traditionelle Familie ablegte.

Er verurteilte die Bestrebungen, die Institution der Heirat neu zu definieren. Und dann gab Franziskus ein Bekenntnis für den «Reichtum und die Schönheit des Familienlebens» ab, was als Absage an die Eheschliessung von gleichgeschlechtlichen Paaren verstanden werden kann.

Es droht erneut ein «Shutdown»

Dazu muss man wissen: Der Streit um gleichgeschlechtliche Eheschliessungen sowie die Legalität von Abtreibungen dominiert derzeit die Debatte im amerikanischen Parlament. Bis Ende Monat haben Senat und Repräsentantenhaus noch Zeit, einen Ausgabebeschluss für das nächste Finanzjahr zu verabschieden, das am 1. Oktober beginnt. Weil die Republikaner aber ein Ende der staatlichen Geldzahlungen an die Organisation Planned Parenthood fordern, die im Verdacht steht, Abtreibungen zu propagieren, und Demokraten dieses Manöver zu blockieren versuchen, blockieren sich die beiden Grossparteien. Im schlimmsten Fall droht in der kommenden Woche erneut ein «Shutdown», die Schliessung der amerikanischen Amtsstuben.

Andererseits: Die deutlichen Worte des Kirchenoberhauptes als Einmischung in die amerikanische Innenpolitik zu verstehen, das ginge wohl zu weit. Viel eher war die Rede von Franziskus eine Aufforderung an die Volksvertreter, sich endlich zusammenzuraufen und sich um sämtliche Mitglieder der Gesellschaft zu kümmern. Auch deshalb rief der Papst die «Goldene Regel» in Erinnerung: «Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.» Für diese Aufforderung erhielt er stehende Ovationen der 535 versammelten Parlamentarier. «Ihre Aufgabe als Mitglieder des Kongresses ist es, dieses Land mittels Ihrer gesetzgeberischen Aktivität als Nation voranzubringen», sagte Franziskus.

Und weil der Papst solchen Worten Taten folgen lässt, reiste er anschliessend in eine katholische Kirche im Zentrum von Washington – wo er nach einer Ansprache und einem Gebet zusammen mit 300 Obdachlosen gemeinsam ein Mittagessen einnahm.

Renzo Ruf, Washington

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