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USA: Protest gegen Waffengewalt: «Schützt uns, nicht Waffen!»

Zehntausende von Schülerinnen und Schülern haben gestern gegen Waffengewalt demonstriert. Der landesweite Schulstreik ist ein weiteres Indiz dafür, dass die junge Bewegung für strengere Waffengesetze Rückenwind verspürt.
Renzo Ruf, Alexandria
Zehntausende Schüler und Schülerinnen protestierten gestern gegen Waffengewalt und die NRA. (Bild: Justin Lane/EPA (New York, 14. März 2018))

Zehntausende Schüler und Schülerinnen protestierten gestern gegen Waffengewalt und die NRA. (Bild: Justin Lane/EPA (New York, 14. März 2018))

Renzo Ruf, Alexandria

Die Botschaft war unmissverständlich. «Schützt uns, nicht Waffen!» Zu lesen war diese Parole gestern auf einem Plakat, das eine Sekundarschülerin auf dem Campus der T. C. Williams High School in Alexandria (Virginia) auf sich trug. Zusammen mit Zehntausenden oder Hundert­tausenden von Schülerinnen und Schülern im ganzen Land de­mons­trierten auch die 3600 Kinder an der T. C. Williams High School in Alexandria im Nachgang zum Massaker an einer Schule in ­Parkland (Florida) für schärfere Waffen­gesetze.

Kurz vor 10 Uhr (Lokalzeit) unterbrachen die Sekundar­schüler den Unterricht und marschierten bei bitterer Kälte ins Football-Stadion der Schule, um dort bei bitterer Kälte 17 Minuten lang der 17 Opfer des Massakers zu gedenken, das ein 19-jähriger Schüler vor einem Monat in Florida verübt hatte. Dabei waren auch Sprechgesänge wie «Die NRA muss weg» zu vernehmen, eine Kampfansage an die Waffenlobby National ­Rifle Association. Und «We call B. S.», was sich auf Deutsch mit «So ein Schwachsinn!» über­setzen lässt.

Bewegung ist nur einen Monat alt

Eine der Erfinderinnen dieses Slogans ist Emma González, eine 18-jährige Schülerin der Stoneman Douglas High School in Parkland. Wenige Tage nach dem Massaker an ihrer Bildungsstätte hielt sie eine improvisierte Rede, in der sie sich bitterlich darüber beklagte, dass die jungen Opfer der grassierenden Waffengewalt in den USA angelogen würden – von Politikern, die angeblich vor der Waffenlobby kuschten, und von Unternehmen, die in den Teenagern bloss unterwürfige Konsumenten sähen. Damit habe es nun aber ein Ende, sagte González. Von nun an würden sie und ihre Altersgenossen Schwachsinn als Schwachsinn bezeichnen – zum Beispiel, wenn jemand behaupte, dass schärfere Waffen­gesetze folgenlos bleiben würden. Seit dieser Rede ist «We call B. S.» ein Schlachtruf einer Be­wegung, die erst einen Monat alt ist, aber bereits erste, recht beachtliche Erfolge erzielte.

So besitzen González und ihre Mitstreiter plötzlich eine ­virtuelle Plattform – auf Twitter weist die Schülerin mehr als 1,2 Millionen Follower auf. Dieses grosse Echo haben auch die Politiker vernommen. Im Schnellzugstempo verabschiedeten deshalb die Abgeordneten des Repräsentantenhauses und des Senats von Florida ein Paket, das unter anderem eine Verschärfung der Waffengesetze vorsieht. So gilt in Florida künftig ein Mindestalter von 21 Jahren beim Kauf von Revolvern oder Schiessgewehren. Auch wurde eine dreitägige Warte­frist bei Waffentransaktionen eingeführt.

Automatische Waffen weiterhin erhältlich

Zwar wurden nicht sämtliche Forderungen der Parkland-Schüler aufgenommen. So sind halbautomatische Waffen des Typus AR-15 weiterhin legal erhältlich. Aber Florida gilt landesweit als höchst fruchtbares Pflaster für Anhänger liberaler Waffengesetze. Das Vorgehen der beiden republi­kanisch dominierten Parlamentskammern sorgte deshalb landesweit für Aufsehen. Die Waffenlobby wiederum gibt sich kampfbereit. Kaum hatte Gouverneur Rick Scott, ein Republikaner, das Gesetzespaket mit seiner Unterschrift im Beisein von Opfern des Parkland-Massakers in Kraft gesetzt, legte die NRA sofort eine Gerichtsklage ein.

Weniger greifbar sind bisher die legislativen Fortschritte in Washington. Dort richtet die Mehrheitspartei das Hauptaugenmerk auf die Frage, ob im Vorfeld des Massakers allfällige Warnsignale übersehen wurden. So sah sich gestern der stellvertretende FBI-Direktor David Bowdich vor dem Justizausschuss des Senats gezwungen, sich für die Versäumnisse seiner Behörde zu entschuldigen. Denn gleich zwei Mal, am 25. September 2017 und am 5. Januar 2018, warnten anonyme Anrufer vor der Gefahr, die vom späteren Massenmörder Nikolas Cruz ausgehe. Der junge Mann wolle Menschen töten, sagte einer der Anrufer. Die Polizei aber ging diesen Hinweisen nicht weiter nach. «Künftig muss die Regierung mehr tun, um Anschläge zu verhindern», sagte deshalb Senator Charles Grassley, ein Republikaner aus Iowa.

Die jungen Aktivisten geben aber noch nicht auf. Am übernächsten Samstag, dem 24. März, soll in Washington eine Grossdemonstration stattfinden.

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