Nahost
USA schalten sich in Konflikt um Tempelberg in Jerusalem ein

Nach dem Streit um den Tempelberg in Jerusalem mit mehreren Todesopfern und hunderten Verletzten hat ein tödlicher Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman am Sonntagabend auch die Beziehungen zwischen Israel und Jordanien belastet. Am Montag schalteten sich die USA ein, um zu schlichten, ausserdem der UNO-Sicherheitsrat mit einer Dringlichkeitssitzung.

Merken
Drucken
Teilen
Ein Palästinenser stach nahe Tel Aviv auf einen Israeli ein. Der Angriff hat die Spannungen im Nahen Osten weiter verstärkt.

Ein Palästinenser stach nahe Tel Aviv auf einen Israeli ein. Der Angriff hat die Spannungen im Nahen Osten weiter verstärkt.

Ariel Schalit

Jason Greenblatt, der Nahost-Beauftragte von US-Präsident Donald Trump, hatte sich nach Angaben eines US-Beamten in der Nacht zum Montag auf den Weg nach Israel gemacht.

Der Konflikt hatte sich erneut hochgeschaukelt, weil Israel nach dem Angriff auf zwei Polizisten in Jerusalem die Sicherheitskontrollen für Muslime am Tempelberg mit der Anbringung von Metalldetektoren und zusätzlichen Überwachungskameras verschärft hatte. Die Palästinenser sehen darin den Versuch Israels, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu übernehmen, der sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist.

Seit Freitag kamen in dem Konflikt drei Israelis und fünf Palästinenser ums Leben. Die jüngste Gewalttat in der Region ereignete sich am Montag: Ein Palästinenser griff nahe Tel Aviv einen Israeli mit einem Messer an. Beim Fluchtversuch konnte der Angreifer nach Polizeiangaben festgenommen werden.

Der arabischstämmige Israeli wurde demnach nicht lebensbedrohlich verletzt. Die Polizei vermutet, der Palästinenser sei davon ausgegangen, dass das 32-jährige Opfer jüdisch sei.

Tatort israelische Botschaft in Amman

Am Sonntag wurde ausserdem ein israelischer Wachmann in der israelischen Botschaft der jordanischen Hauptstadt Amman mit einem Schraubenzieher attackiert, wie das israelische Aussenministerium mitteilte. Der Wachmann habe den Angreifer daraufhin erschossen und versehentlich auch einen zweiten Jordanier getroffen. Beide Jordanier wurden getötet, der Israeli wurde verletzt.

Israel hat laut jordanischen Regierungskreisen nicht bewilligt, dass der Wachmann in Amman verhört werden kann. Das israelische Aussenministerium gab an, der Mann geniesse diplomatische Immunität.

Am Montag erklärte Regierungschef Benjamin Netanjahu, der Wachmann solle nach Israel zurückgebracht werden. "Wir halten Kontakt zu den jordanischen Behörden, um den Fall schnellstmöglich abzuschliessen", teilte Netanjahu mit. Am Montagabend verliess der Wachmann schliesslich Jordanien.

In Amman hatten zuvor 8000 Menschen gegen das israelische Vorgehen am Tempelberg in Jerusalem demonstriert. Ob der Vorfall damit im Zusammenhang steht, ist noch unklar.

Gefährdete Beziehung mit Jordanien

Das eng mit den USA verbündete Jordanien ist eines der wenigen arabischen Länder, das zu Israel diplomatische Beziehungen unterhält. Die israelisch-jordanischen Beziehungen wurden in einem Friedensvertrag 1994 geregelt.

Allerdings kam es bereits drei Jahre später zu einer schweren Krise, als der israelische Geheimdienst versuchte, im Nachbarland den Chef der radikalislamischen Hamas-Bewegung, Chaled Meschaal, zu vergiften. Die Lage entspannte sich, als Israel das Gegenmittel lieferte und Meschaal den Angriff überlebte.

Gewalttaten gegen Israelis werden in Jordanien vergleichsweise selten verübt. In Krisenzeiten kommt es aber immer wieder zu Protesten vor der Botschaft in Amman. Das Anwesen wird auch von jordanischen Sicherheitskräften geschützt.

Dringlichkeitssitzung im Sicherheitsrat

Angesichts der jüngsten Vorfälle in Israel und den palästinensischen Gebieten zeigte sich auch die Vereinten Nationen alarmiert: "Es ist extrem wichtig, dass für die aktuelle Krise bis Freitag eine Lösung gefunden wird", sagte der UNO-Sondergesandte für den Nahen Osten, Nikolai Mladenow, am Montag am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York.

Zuvor hatte Mladenow vor dem UNO-Sicherheitsrat über die jüngsten Entwicklungen Bericht erstattet. Die Dringlichkeitssitzung war von Frankreich, Schweden und Ägypten beantragt worden.

Auch die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) will in der kommenden Woche in Istanbul über die Krise beraten, wie sie am Montag erklärte. Der Organisation gehören derzeit 56 Staaten an.