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USA: Schaumschläger pöbelt sich nach oben

Donald Trump ist ein Marketing-Genie, der selbst seine vier Insolvenzen noch als Erfolg verkauft. Seine Wirtschaftspolitik könnte Amerika in eine gefährliche Richtung führen.
Tina Kaiser, New York
Hauptsache im Mittelpunkt: Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung Ende Oktober in Nevada. (Bild: AP/Lance Iversen)

Hauptsache im Mittelpunkt: Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung Ende Oktober in Nevada. (Bild: AP/Lance Iversen)

Donald Trumps Wahlkampf wirkt auf den ersten Blick wie der grösste anzunehmende Unfall. Ein unflätiger Typ mit einer merkwürdigen gelben Frisur, der von einem Termin zum nächsten poltert und dabei eine endlose, wütende Tirade aus Beleidigungen, rassistischen Plattitüden und falschen Behauptungen von sich gibt. Doch «The Donald» hat das alles von langer Hand geplant. Schon 2012, unmittelbar nachdem Barack Obama als Präsident wiedergewählt worden war, liess er sich seinen Kampagnenslogan «Make America great again» markenrechtlich schützen. Wenn jetzt ein anderer Kandidat behauptet, Amerika wieder gross und stark machen zu wollen, kann Trump ihn verklagen.

Ein selbstverliebter Angeber

Trump ist ein Schaumschläger, ein Windbeutel, ein selbstverliebter Angeber. Diese Masche hat ihn zum Milliardär gemacht. Und mit dieser Masche könnte er sich sogar ins Oval Office pöbeln. Bei den jüngsten Umfragen führt Trump die Riege der republikanischen Kandidaten mit weitem Abstand an. Auch seine jüngste Forderung, Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten, hat seiner Popularität nicht geschadet. Donald Trump könnte der 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Die Folgen für Amerika wären kaum abzusehen. Denn gerade beim Thema Wirtschaftspolitik, bei dem er sich als «Weltklasse-Geschäftsmann» (O-Ton Trump) höchste Kompetenz zuspricht, könnte Trump das Land in eine gefährliche Richtung steuern.

10-Billionen-Dollar-Loch droht

Da ist zum Beispiel seine geplante Steuerreform, die Amerika in die Schuldenfalle treiben könnte. Laut Berechnungen der unabhängigen Tax Foundation würden Trumps Steuerpläne in den kommenden zehn Jahren ein 10-Billionen-Dollar-Loch in die Staatskasse reissen. Auch sonst ist sein Vorschlag eine Mogelpackung: Trump verspricht, er werde die Ärmsten von der Steuer befreien und die Reichen zahlen lassen. Das Gegenteil ist der Fall.

Jeff Bezos: Schickt ihn ins All

Doch selbst die reichsten Amerikaner sehen einem Präsidenten Trump mit Grauen entgegen. Der bekannte Hip-Hop-Produzent Russell Simmons sagte neulich der «Huffington Post», Trump sei zwar ein unterhaltsamer Typ, aber fachlich sei vermutlich selbst die Promiskandalnudel Kim Kardashian besser für das Weisse Haus geeignet. Amazon-Gründer Jeff Bezos schlug Anfang der Woche vor, Trump doch einfach ins All zu schiessen. Bezos gehört auch die Raumfahrtfirma Blue Origin, die in nicht allzu ferner Zukunft kommerzielle Raketenflüge anbieten will. Auf dem Jungfernflug habe er für Trump schon einen Platz reserviert, schrieb Bezos auf Twitter.

Die vermeintlichen Einfuhrzölle

Ernster ist es der Silicon-Valley-Lobbygruppe Fwd.us, hinter der unter anderem Marc Zuckerberg und Bill Gates stehen. Sie kritisierten Trump öffentlich: Seine restriktive Einwanderungspolitik werde den Fachkräftemangel des Landes verschärfen und dadurch Wachstum und Arbeitsplätze vernichten.

Mit Sorge schauen Unternehmen auch auf Trumps Ankündigung, den Freihandel einschränken zu wollen. Seit Monaten rühmt sich Trump mit der Legende, er habe verhindert, dass der Autokonzern Ford Arbeitsplätze nach Mexiko verlagere. Wäre er Präsident, würde er jedes US-Unternehmen mit Einfuhrzöllen von 35 Prozent bestrafen, wenn es im Ausland produziert. An dieser Geschichte sind gleich mehrere Haken: Erstens wird Ford entgegen Trumps Behauptungen das Werk in Mexiko trotzdem bauen. Zweitens kann ein Präsident gar keine Einführzölle erheben, das macht der Kongress. Drittens würde ein solcher Zoll das Nafta-Abkommen mit Mexiko verletzen, und selbst der Kongress könnte ihn also nicht ohne weiteres einführen.

Trump ist nicht dumm, gut möglich, dass er weiss, wie wenig er als Präsident von seinen Forderungen tatsächlich umsetzen kann oder sollte. Ihm geht es um die Provokation – die ist zu seinem Markenkern geworden. Und darin ist Donald Trump gut: Er macht sich selbst zu einer Marke. Während andere Menschen bekannt werden, weil sie reich sind, ist Trump reich, weil er bekannt ist. Statt mit eigenem Geld ins Risiko zu gehen, verkauft er lieber seine Namensrechte. Dabei ist er nicht wählerisch, es gibt unter anderem Trump-Matratzen, Trump-Möbel, Trump-Lampen, Trump-Energydrinks, Trump-Herrenanzüge und natürlich Trump-Immobilien. Die wenigsten Gebäude, auf denen «Trump» steht, gehören tatsächlich dem Immobilienmogul.

Eigenmarketing ist alles

Das Prinzip Trump hat der Milliardär in seinem Buch «How to get rich» mal wie folgt beschrieben: «Wenn du den Leuten nichts von deinem Erfolg erzählst, werden sie wahrscheinlich nichts darüber wissen.» Eigenmarketing ist alles, Aufmerksamkeit ist gut, egal ob positiv oder negativ. Trump bestreitet das nicht, im Gegenteil, er gibt damit an. Eine Anzeige in der «New York Times» koste ihn 100 000 Dollar. Wenn er aber einen knalligen Spruch raushaue, würde die Zeitung umsonst berichten, und es würden viel mehr Leute mitbekommen, als er je durch eine Anzeige erreichen könne.

Trump füttert seinen eigenen Mythos, vieles hält dem Faktencheck nicht stand. Zum Beispiel die von ihm verbreitete Mär, ein Selfmademan zu sein: Tatsächlich stammt er aus einer reichen New Yorker Immobilienfamilie. Ausgestattet mit einem Startkapital von 1 Million Dollar schaffte es Trump in den 70er-Jahren, zu einem von Manhattans bekanntesten Immobilienentwicklern aufzusteigen. Sein wichtigstes Projekt war die Generalsanierung des heruntergekommenen Commodore-Hotels im Bahnhof Grand Central. Obwohl er fast kein Eigenkapital hatte und selbst prestigeträchtige Gebäude wie das Chrysler Building zu jener Zeit pleitegingen, konnte er Investoren genug Geld abschwatzen. Der Stadt New York rang er das Versprechen ab, 40 Jahre lang auf Steuern zu verzichten. Aus der Bauruine erstrahlte 1980 das «Grand Hyatt», noch heute eines der teuersten Hotels der Stadt.

Trump ging immer höhere Risiken ein. Ende der 80er-Jahre begann er, Casino-Hotels in der Spielerhochburg Atlantic City zu bauen, auf Pump finanziert. Dieses Mal hatte Trump zu hoch gepokert. 1991 meldete Trumps Taj Mahal Casino Insolvenz an. Trump stand am Abgrund, er musste viele seiner Immobilien verkaufen, dazu seine eigene Fluglinie und die Luxusjacht.

Alles als Erfolg verkaufen

Papas Geld half ihm damals aus der Patsche. Trump rappelte sich auf und hielt sich an seine goldene Regel: alles als Erfolg zu verkaufen, selbst wenn es eigentlich keiner ist. Mit der Kraft der Autosuggestion schaffte er es, die Pleite von 1991 sowie die anderen drei Insolvenzen 1992, 2004 und 2009 als clevere Schachzüge zu verkaufen. Wer ihn heute nach seinen Pleiten fragt, dem erklärt Trump mit der Inbrunst der Überzeugung, wie schlau er das US-Insolvenzrecht für sich genutzt habe; um seine Schulden zu restrukturieren, Kapital frei zu machen und sein Geschäftsmodell aktuellen Trends anzupassen. Dass seine Gläubiger dadurch Milliarden verloren haben, interessiert ihn nicht.

Wenig Vertrauen in den Staat

Doch Trump hat aus seinen Tiefschlägen gelernt. Er geht mittlerweile viel geringere Risiken ein. Bei den meisten Projekten leiht er meist nur noch seinen Namen aus statt selbst zu investieren. Als Geschäftspraktik hat sich die Schaumschlägerei für Trump also bewährt. Aber würde sie auch im Oval Office funktionieren? Trump behauptet: ja. Ebenso wie er selbst es zu Reichtum und Macht gebracht habe, werde er auch Amerika wieder ganz nach vorn bringen.

Seit Jahren hatte Trump immer wieder Gerüchte angeheizt, als Präsident zu kandidieren. Jedes Mal hatte er dann doch im letzten Moment abgewunken. Es scheint, als habe Trump nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet: Das Vertrauen der US-Bürger in Berufspolitiker steht auf einem historischen Tief. Nur 19 Prozent gaben bei einer Umfrage im November an, der Regierung zu trauen.

Streit um seinen Reichtum

Trumps Versprechen lautet: Ich bin nicht käuflich. Er behauptet, er zahle 100 Prozent seiner Kampagne selbst, insgesamt hat er angeblich 1 Milliarde Dollar dafür zur Seite gelegt. Allein: Es stimmt nicht. Im Oktober musste Trump der US-Wahlkommission einen Zwischenbericht vorlegen. Demnach hat sein Wahlkampf bis zum 30. September 5,5 Millionen Dollar gekostet, nur 1,9 Millionen Dollar stammen von ihm, der Rest kommt von Spendern.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Trump bei Aussagen über sein Geld nicht so genau nimmt. Besonders absurde Formen hat die Frage angenommen, wie reich «The Donald» ist. Einmal hat Trump deswegen sogar einen Journalisten verklagt, der behauptet hatte, er, der grosse Trump, sei nur Multimillionär und kein Milliardär. Die Klage wurde abgewiesen.

Auch mit dem Magazin «Forbes» streitet er sich seit Jahren, das ihn seiner Meinung nach regelmässig als zu arm im Ranking der reichsten Amerikaner einstuft. Dabei weiss er selber wohl nicht so ganz genau, wie viel er besitzt: In einer Selbstauskunft an die US-Wahlbehörde gab Trump in diesem Jahr sein Vermögen mit 10 Milliarden Dollar an. Einige Wochen zuvor hatte er noch von 8,7 Milliarden Dollar gesprochen. ­«Forbes» spricht von 4,5 Milliarden.

Für Trump ist diese Frage wichtig, denn in seiner Denke ist sein Reichtum gleichbedeutend mit seiner Kompetenz. Mit dieser Strategie sind schon andere gescheitert. Zuletzt versuchte es der Finanzinvestor Mitt Romney als Gegenkandidat von Barack Obama vergeblich.

Big Mac für Staatschefs

Doch Trump ist anders, denn der Junge aus Queens spricht die Sprache der Massen. Mit Parolen gegen mexikanische Einwanderer, die angeblich Vergewaltiger sind, oder Muslime, die er allesamt als Terroristen unter Generalverdacht stellt, spricht er der wachsenden Gruppe der Angry White Men aus der Seele. Sie haben die Nase voll von politisch korrektem Gefasel. Ihnen gefällt es, wenn Trump sagt, er wolle «dem Islamischen Staat die Scheisse aus dem Leib bomben», Waterboarding wieder einführen oder dass er als US-Präsident dem chinesischen Staatsoberhaupt höchstens einen Big Mac anbieten würde, käme der ins Weisse Haus zu Besuch.

Seine Phobie vor Bakterien

Bis zur Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 kann noch viel passieren. Doch egal, ob Trump letztlich ins Oval Office einzieht oder nicht, fest steht: Er hat schon gewonnen. Dank des Medienrummels um seine Person ist er heute bekannter als Justin Bieber.

Und vielleicht war das auch von Anfang an sein Plan und seine Wahlkampagne nur ein grosser Marketinggag für die Marke «Donald Trump». Für diese Theorie spricht, dass Trump laut seinen Biografen eine ausgesprochene Phobie vor Bakterien hat. Er hasst es, fremde Menschen zu berühren, und wäscht sich angeblich beinah manisch oft die Hände. Als Präsident müsste er ständig Menschen die Hand schütteln.

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