USA: Trump, der politische Denker

Anders als im deutschsprachigen Raum ist Donald Trump in seinem Land schon lange auch als politischer Buchautor bekannt. In seinen Büchern äussert er sich auch zu seinen Nahost-Plänen. Die klingen beunruhigend.

Joseph Croitoru
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Ein Trump-Unterstützer hält ein Buch seines Idols. (Bild: David Goldman/AP (Manchester, 8. Februar 2016))

Ein Trump-Unterstützer hält ein Buch seines Idols. (Bild: David Goldman/AP (Manchester, 8. Februar 2016))

Joseph Croitoru

Das Programm, mit dem Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, findet sich im Wesentlichen in seinem Buch «Great Again! Wie ich Amerika retten werde». Im Mai 2015 war es auch auf Deutsch erschienen, wurde aber von den deutschsprachigen Medien kaum wahrgenommen – anders als vom Publikum: Laut dem Plassen Verlag ist bereits die dritte Auflage erschienen. Der Leserschaft war Trump bis dahin hauptsächlich als Verfasser von Bestsellern mit Ratschlägen zum Reichwerden bekannt. In den USA kennt man ihn aber schon länger auch als Autor programmatisch-patriotischer Werke, in denen er nicht nur seiner Sorge um den Zustand der USA Ausdruck verleiht, sondern auch Zukunftsvisionen entwirft.

2000 legte er «Das Amerika, das wir verdienen» vor und 2011 «Es wird Zeit, hart zu werden. Amerika wieder zur Nummer eins machen» – oder «wieder gross machen», wie die Taschenbuchausgabe nahelegte. Daher rührt auch das «Great Again!» im Titel der jüngsten deutschen Übersetzung. Alle drei Werke haben ähnliche Schwerpunkte. Besonders interessant ist Trumps Sicht auf die Aussenpolitik, vor allem im Hinblick auf den Nahen Osten und die Terrorbekämpfung.

Zu Beginn des Jahrtausends empfahl der Milliardär gegen Nordkorea grossspurig einen «chirurgischen Schlag». Der sollte indirekt auch den «konspirativen Verbündeten» der Diktatur, namentlich Irak, Iran, Libyen und China, eine Warnung sein, die aus Trumps Sicht die grösste Gefahr für die Weltsicherheit darstellten – neben Bin Ladens el Kaida, deren Gefahrenpotenzial er damals richtig erkannte. Iran und den Irak sah der Geschäftsmann damals auf dem Weg zur Atombombe, Teheran wegen seiner hoch entwickelten Nukleartechnik und der Raketen, die bald amerikanischen Boden würden erreichen können, als den gefährlicheren Feind von beiden. Seit 2011 stellte der Iran für Trump eine besonders grosse Gefahr dar. Denn die amerikanische Invasion in den Irak, vor der er gewarnt habe, habe Washington nicht nur Unsummen gekostet, sondern den iranischen Einfluss in der Region erheblich wachsen lassen.

Scharfe Angriffe auf Barack Obama

Trump griff Präsident Barack Obama wegen dessen Unentschlossenheit gegenüber der iranischen Führung scharf an. Oberstes Ziel der amerikanischen Aussenpolitik gegenüber Teheran müsse es sein, seinen nuklearen Bestrebungen auch deshalb ein Ende zu setzen, weil das radikale iranische Regime seine Atomwaffen entweder selbst einsetzen oder Terroristen zur Verfügung stellen werde, schrieb Trump im Jahr 2011. In seinem neuen Buch wendet sich der Autor vor allem den Gegnern Islamischer Staat, Iran und zuletzt China zu.

Schon in der Einleitung klagt Trump darüber, dass der russische Präsident Wladimir Putin, den er persönlich sehr schätze, Barack Obama ausmanövriert und in Syrien eine Koalition zusammengestellt habe, die ihn bald als den «einzigen fähigen Anführer der Welt» dastehen lassen werde. In dem Kapitel über Aussenpolitik werden bekannte Klagen wiederholt: Milliarden Dollar seien im Nahen Osten versenkt worden, und Israel, Amerikas wichtigsten Verbündeten in der Region, habe man vor den Kopf gestossen. Neu ist freilich die Verurteilung des «wertlosen Atomvertrags» mit Iran. Die Folge dieser Politik laut Trump: «Die Vorstellung von amerikanischer Grösse, von unserem Land als Anführer der freien und der unfreien Welt, ist verblasst.» Trumps Rezept dagegen ist die selbst auferlegte Verpflichtung, zu Abschreckungszwecken die stärkste Militärmacht der Welt zu unterhalten, was die unter amerikanischem Schutz stehenden Verbündeten finanziell mittragen sollen – das erwartet Trump übrigens jetzt auch von Deutschland.

Aus Sicht des designierten US-Präsidenten setzt die Aufrüstung die ständige Bereitschaft zur Gewaltanwendung voraus. Gewalt anzuwenden hält Trump – anders als im Falle Irans, bei dem seiner Forderung nach einem Ende des gesamten Atomprogramms keine konkreten Handlungsempfehlungen folgen – gegen den IS für nötig. Zumal die Terrormiliz jetzt im Irak und in Syrien auf dem Öl sitze, das sich die Amerikaner schon längst hätten «holen» sollen: «Falls es die Militärberater empfehlen, sollten wir eine begrenzte – aber ausreichende – Zahl an Bodentruppen abstellen.»

Wie denkt darüber sein künftiger Sicherheitsberater Michael Flynn? Auch er hat im vergangenen Sommer ein Buch veröffentlicht mit dem kämpferischen Titel: «Das Schlachtfeld. Wie wir den globalen Krieg gegen den radikalen Islam und seine Verbündeten gewinnen können». Als Hauptgegner werden hier der IS und Iran ausgemacht und stellenweise miteinander verwoben, auch in Bezug auf eine mögliche Bedrohung durch Nuklearwaffen. Für Flynn ist die militärische Aufgabe im «Weltkrieg» gegen den radikalen Islam wohlgemerkt die leichtere: Man müsse, sagte er bei der Buchpräsentation, nur der Armeeführung freie Hand lassen. Die schwierigere Aufgabe sei, den Islamismus, der die Amerikaner nicht nur physisch bedrohe, sondern ihnen in ihrem eigenen Land die Scharia aufzwinge, nicht nur als Feind zu erkennen, sondern sich auch politisch zu dieser Ansicht eindeutig zu bekennen.

Nicht nur die Meinung, beim Kampf gegen den dschihadistischen Terrorismus gehe es auch um den Schutz amerikanischer Grundwerte, lässt den designierten Verteidigungsminister James Mattis als einen Gesinnungsgenossen von Trump und Flynn erscheinen. Ähnlich wie sie sieht auch er im Iran einen Feind, der Amerikas Verbündete im Nahen Osten als «angriffslustigster Akteur» der Region am meisten gefährdet. Mattis zufolge steht der IS Teheran nahe: «Der Iran ist kein Feind des IS», konstatiert er. Bereits 2014 hatte sich Mattis für einen Bodeneinsatz gegen den IS mit einer «passenden Truppenzusammensetzung» ausgesprochen. Er verurteilte damals die kategorische Ablehnung der Obama-Regierung, Bodentruppen einzusetzen, und denunzierte im August 2015 gegenüber dem ­«Time»-Magazin ihre Militärpolitik in der Region als «planlos». Militärpolitisch wird sich in Washington unter Trump einiges ändern, fragt sich nur, was die Konsequenzen sein werden.