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USA: Viele offene Fragen in der Russland-Affäre

Gerüchte über Verquickungen von Donald Trump und dem Kreml waren bereits im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 laut geworden. Ein Buch des Journalisten Luke Harding wirft nun einen neuen Blick auf Trumps Russland-Verbindungen.
Trump begründete den Angriff mit US-Sicherheitsinteressen, Putin hält die Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat. (Bild: Keystone)

Trump begründete den Angriff mit US-Sicherheitsinteressen, Putin hält die Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat. (Bild: Keystone)

Die Szene könnte aus einem Spionageroman stammen: Im Dezember 2016 treffen sich zwei britische Journalisten in einem Londoner Pub zu einem Gespräch mit einem ehemaligen Geheimdienstagenten mit guten Kontakten zu russischen Oligarchen.

«Haben Sie von mir gehört?», fragt der Mann den Reporter Luke Harding. Dieser verneint, obwohl er doch von 2007 bis 2011 für den «Guardian» aus Moskau berichtet und sein Interesse an den Machenschaften des russischen Präsidenten Wladimir Putin nie verloren hatte. «Gut so», antwortet der Mann, der sich Christopher Steele nennt. Dann erklärt er den beiden Investigativjournalisten: Wer herausfinden wolle, wie der künftige US-Präsident zu seinem Vermögen gekommen sei, müsse seine Immobilientransaktionen untersuchen. Ausserdem sei es sinnvoll, einen Blick auf das Sexleben des bald schon mächtigsten Mannes der westlichen Welt zu werfen.

Geheimdienst-Dossier mit politischer Sprengkraft

Heute ist der Name des Mannes, der diese Andeutungen machte, weltweit ein Begriff: Steele war es, der im Wahlkampf 2016 ein «Dossier» zusammenstellte, in dem die zahlreichen Kontakte zwischen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, seinem Umfeld und russischen Regierungskreisen dokumentiert waren – und nach dessen Lektüre zumindest der Eindruck entstand, Trump stehe unter der Kontrolle des Kremls. Im Dezember 2016 machte ­Steele bloss Andeutungen über den Inhalt des 35 Seiten zählenden Dokuments, das damals in Geheimdienstkreisen und unter Medienschaffenden in Washington kursierte. In seinem Buch «Collusion», das am Donnerstag in den USA auf den Markt kam, beschreibt der britische Journalist Harding nun ausführlich, wie das «Dossier» zu Stande kam – und welche Motive den ehemaligen MI6-Agenten dazu antrieben, sich an die Fersen des heutigen Präsidenten zu heften.

Steele, der seit der Veröffentlichung seiner Arbeit untergetaucht ist, ist demnach immer noch davon überzeugt, dass «70 bis 90 Prozent» des «Dossiers» der Wahrheit entsprechen – wie diverse Zeitungsrecherchen und strafrechtliche Ermittlungen zwischenzeitlich gezeigt hätten. Ausserdem soll Steele gesagt haben: «Ich befasse mich mit diesem Land seit 30 Jahren. Warum würde ich diese Dinge erfinden?»

In den Augen vieler Anhänger des Präsidenten lautet die Antwort auf diese rhetorische Frage: um dem heutigen Präsidenten zu schaden. Trump selbst spricht in diesem Zusammenhang von einer «Hexenjagd». Tatsächlich gibt es im Umfeld des «Dossiers» einige Ungereimtheiten, die auch Demokraten Sorgen bereiten.

Auftrag von einem Gegner Donald Trumps

Steele wurde ursprünglich indirekt von der Internet-Publikation «Washington Free Beacon» beauftragt, die durch den republikanischen Hedgefonds-Manager Paul Singer finanziert wird. Singer unterstützte im Vorwahlkampf den jungen Senator Marco Rubio aus Florida. Als Rubio im Frühjahr 2016 das Handtuch warf, waren Steeles amerikanische Verbindungspersonen in Washington – das Beratungsunternehmen Fusion GPS, das auch Kunden im Umfeld von Präsident Putin hat – deshalb dazu gezwungen, nach einem neuen Geldgeber zu suchen. Das Democratic National Committee (DNC), der nationale Parteiapparat der Demokraten, füllte diese Lücke mit Hilfe einer Washingtoner Anwaltskanzlei. Solche Recherchen seien in US-Wahlkämpfen gang und gäbe, sagen führende Demokraten.

Allein: Der ehemalige britische Geheimdienstagent war kein gewöhnlicher Privatdetektiv. Steele war, auch dank seiner Arbeit im Fifa-Bestechungsskandal, bei amerikanischen Ermittlungsbehörden hoch angesehen. Trump-treue Republikaner behaupten deshalb, dass das «Dossier» dem FBI als Grundlage diente, im Sommer 2016 strafrechtliche Ermittlungen gegen den Wahlkampfstab des heutigen Präsidenten aufzunehmen.

Russland-Ermittlungen vor dem Scheitern?

Offen bleibt, wie der Spionagekrimi um Christopher Steele enden wird. Experten zeigen sich überzeugt davon, dass der amerikanische Sonderermittler Robert Mueller auf der Suche nach einer «Smoking Gun» – einem klaren Beweis für eine illegale Kooperation zwischen dem Kreml und dem Trump Tower – scheitern werde, vielleicht auch, weil die Russen zu geschickt vorgegangen seien.

Der britische Journalist Luke Harding allerdings sagt: «Die Agonie des Donald J. Trump hat eben erst begonnen.»

Renzo Ruf, Washington

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