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USA: Weisses Haus: General John Kelly übernimmt

Heute tritt der neue Stabschef seinen neuen Posten im Weissen Haus an. Wer ist dieser Mann, der die Grabenkämpfe im Zentrum der Macht in Washington beenden soll?
Renzo Ruf, Washinton
General John Kelly ist der neue Stabschef im Weissen Haus. (Bild: Mark Wilson/Getty (Washington, 25. Mai 2017))

General John Kelly ist der neue Stabschef im Weissen Haus. (Bild: Mark Wilson/Getty (Washington, 25. Mai 2017))

Renzo Ruf, Washinton

Es war kurz nach 6 Uhr, als General Joseph Dunford am 9. November 2010 an einem Haus in der Navy Yard in Washington die Türklingel drückte. John Kelly, einer der engsten Freunde Dunfords, öffnete. Kaum sah er den General, gekleidet in Uniform, wusste er: Sein Sohn Robert, der in Afghanistan Dienst leistete, war tot. Der Schmerz, den der altgediente Militär fühlte, war überwältigend. «Es war fast lähmend», schrieb Kelly Monate später der «Washington Post».

Vor seinem inneren Auge habe er sämtliche Erinnerungen an seinen 29-jährigen Sohn gesehen, von der Geburt im Kreisssaal bis zum letzten Telefonanruf ­einige Tage vor Roberts Tod. «Es war so anschaulich wie ein Videospiel», sagte er. Dann riss sich Kelly zusammen, bat Dunford in sein Haus und machte sich nach einer 40 Jahre dauernden Karriere in den amerikanischen Streitkräften daran, seine bisher schwierigste Aufgabe zu erfüllen: seiner Gattin Karen mitzuteilen, dass der gemeinsame Sohn nicht nach Hause zurückkehren würde, weil er im Süden Afghanistans auf eine Landmine getreten war. «Ich ging ins Obergeschoss, weckte Karen auf und brach ihr Herz.»

Ein unbequemer Zeitgenosse

Spätestens seit diesem kalten ­Novembermorgen befindet sich John Kelly, Viersternegeneral der Marineinfanterie im Ruhestand, auf einer Mission. In klaren Worten versucht er dem Rest des Landes zu verdeutlichen, welchen hohen Preis Amerikas Berufssoldaten für die Feldzüge bezahlen, die Amerika im Namen des Krieges gegen den weltweiten Terrorismus führt. «Ein Prozent der Bevölkerung des Landes ist von diesem Krieg betroffen» und kämpfe täglich um Leben und Tod, pflegt Kelly zu sagen – während der Rest der USA zu vergessen drohe, welche heroischen ­Anstrengungen diese Familien unternähmen. Vielleicht lässt sich mit dieser Mission erklären, warum der heute 67-Jährige ein unbequemer Zeitgenosse ist.

Nachdem er im Herbst 2012 vom damaligen Präsidenten Barack Obama zum Oberkommandierenden des Southern Command ernannt worden war und damit die US-Operationen in Mittel- und Südamerika koordinierte, nervte Kelly das Weisse Haus mit seinen stetigen Spitzen gegen die damalige Drogen- und Einwanderungspolitik. So warnte er vor der Legalisierung weicher Drogen, weil davon letztlich kriminelle Banden profitierten – was letztlich den Druck auf die amerikanischen Ordnungskräfte erhöhe, das Militär inbegriffen.

Mit seinen Spitzen gegen die Regierung Obama machte sich der weitgehend unpolitische General Freunde am rechten Rand des politischen Spektrums. So wurde Reince Priebus auf ihn ­aufmerksam, der damalige Parteichef der Republikaner auf nationaler Ebene. Ausgerechnet ­Priebus war es, der Kelly im November 2016 Donald Trump vorstellte, der soeben die Präsidentenwahl gewonnen hatte und auf der Suche nach Aushängeschildern für seine neue Regierung war. Kelly befand sich zu diesem Zeitpunkt im Ruhestand, nachdem die Obama-Regierung ­Anfang 2016 die Geduld mit ihm verloren hatte. Sein Gespräch mit Trump beeindruckte beide Seiten derart, dass Kelly zum Minister für Innere Sicherheit ernannt wurde – ein bürokratisches Monster mit 240000 Angestellten, dem unter anderem die Einbürgerungsbehörde, der Secret Service und das Grenzwachtkorps unterstellt sind.

Kelly geniesst hohes Ansehen bei Trump

Nun wartet eine neue Aufgabe ­auf den ehemaligen Berufsmilitär: Er soll im Weissen Haus für Ruhe sorgen. Heute übernimmt Kelly den Posten des Stabschefs (Chief of Staff) und wird damit automatisch einer der einflussreichsten Berater des Präsidenten. Der Stabschef steht, zumindest auf dem Papier, der Bürokratie im Weissen Haus vor, koordiniert die Arbeit der präsidialen Berater und stellt sicher, dass der US-Staatschef stets gut vorbereitet ist. Kelly ersetzt Priebus, dessen Entlassung der Präsident am Freitag ­bekanntgegeben hatte. Priebus war es in den vergangenen sechs ­Monaten nicht gelungen, die Grabenkämpfe im Weissen Haus zu beenden – auch weil er in diese Streitigkeiten, als Vertreter des republikanischen Establishments, verwickelt war.

Im Gegensatz zu Priebus ­geniesst Kelly beim Präsidenten hohes Ansehen. So dinierten die beiden am Samstagabend im Trump International Hotel in Washington. Andererseits wird es auch Kelly schwerfallen, den grössten Unruheherd im Weissen Haus unter Kontrolle zu bringen. So griff Trump auch am Wochenende wieder zu seinem Telefon, um über den Kurznachrichtendienst Twitter politische Stellungnahme abzusondern. Dabei griff er nicht nur die chinesische Regierung an, weil diese angeblich «nichts» dafür tue, das Regime in Nordkorea zur Vernunft zu bringen. Er kritisierte auch, einmal mehr, seine Parteikollegen im Senat. Auf General Kelly wartet viel Arbeit.

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