Amerika
Wie Trump seinen Wählern über 100 Millionen Dollar abzockte

Donald Trumps Wahlkampagne verleitete Unterstützer mittels vormarkierten Checkboxen dazu, nicht nur einmalig einen Betrag zu spenden, sondern jede Woche. Über 100 Millionen Dollar wurden so gegen den Willen von Spendern generiert.

Dennis Frasch/watson.ch
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Donald Trumps Wahlkampagne hat Unterstützern gemäss eines Medienberichts Geld aus der Tasche gezogen.

Donald Trumps Wahlkampagne hat Unterstützern gemäss eines Medienberichts Geld aus der Tasche gezogen.

Keystone

Stacy Blatt, ein 63-Jähriger aus Kansas City, lag im September letzten Jahres im Spital wegen seiner Krebserkrankung, als er sich entschied, Donald Trump 500 Dollar zu spenden. Weniger als 30 Tage später wurde sein Konto gesperrt. Als er sich nach dem Grund erkundigte, fand er heraus: Die Trump-Kampagne hatte ihm in knapp einem Monat 3000 Dollar verrechnet. Blatt, der von weniger als 1000 Dollar im Monat lebte, war pleite.

So wie Stacy Blatt erging es letztes Jahr hunderttausenden Unterstützern von Donald Trump.

Die «Geldbombe»

Doch von Anfang an: Wie die «New York Times» herausfand, schaffte es die Trump-Kampagne in der heissen Phase des Wahlkampfs letztes Jahr nur deshalb finanziell über Wasser zu bleiben, weil sie sich bei ihren Unterstützern bereicherte.

Das ist an sich nichts Neues. Wahlkampagnen leben von Spendengeldern, besonders in den USA. Doch Trumps Wahlkampagne hat sich etwas Spezielles einfallen lassen: In ihrem Online-Spendenformular haben sie Checkboxen installiert, wie man sie zum Beispiel von den AGBs kennt, denen man jeweils bei einem Online-Kauf zustimmen muss. Diese Checkboxen waren jeweils vormarkiert und «schwindelerregend komplex» formuliert. Wenn man sie übersehen hat, so stimmte man zu, die Spende automatisch jede Woche auszuführen.

Im März 2020, zu Beginn der Wahlkampagne, sahen diese Checkboxen noch so aus:

New York Times

Diese vormarkierte Checkbox war bereits ein Novum in der Welt des politischen Spendensammelns. Normalerweise kannte man dies nur aus der Privatwirtschaft, zum Beispiel bei Zeitschriftenabos. In Europa sind vormarkierte Checkboxen übrigens komplett verboten.

Doch für die Trump-Kampagne war dies nur der Anfang.

Im Juni 2020 kam eine zweite Checkbox hinzu, die sogenannte «Moneybomb». Mit dieser stimmte der Spender zu, an Trumps Geburtstag nochmals den gleichen Betrag zu spenden. Es wurde grössten Einnahmetag in der Geschichte der Kampagne.

New York Times

Seit Einführung der Geldbombe explodierten auch die Rückerstattungsanfragen von erstaunten Spendern. Während vorher sowohl bei der Biden-Kampagne wie auch bei der Trump-Kampagne rund zwei Prozent der Spenden rückerstattet wurden, schoss diese Zahl bei den Republikanern plötzlich auf über 12 Prozent.

Im September, als klar wurde, dass die Trump-Kampagne signifikant weniger Geld einnahm als ihre demokratischen Konkurrenten, wurde man noch aggressiver. Aus sich monatlich wiederholenden Spenden wurden plötzlich wöchentliche Unterstützungen. Auch wurde die Formulierung der Checkboxen unübersichtlicher und obskurer.

New York Times

Nach und nach wurde es den Spendern schwieriger gemacht zu sehen, was da eigentlich in den Boxen stand. So wurde zum Beispiel der Hinweis, dass man wöchentlich spendet, aus der Fettschrift herausgenommen.

New York Times

Bereits im Oktober sahen die Boxen dann so aus:

New York Times

Ein riesiger, gefetteter Text mit einigen komplett in Grossbuchstaben geschriebenen Wörtern. Viele Unterstützer Trumps vermochten nicht mehr zu erkennen, was genau sie hier zustimmten.

122 Millionen Dollar

Das Ergebnis: Die Spendenplattform WinRed, über die die Unterstützungen abgewickelt wurden, musste 122 Millionen Dollar an Spendengeldern zurückzahlen. Das sind 10,7 Prozent aller Spendeneinnahmen aus dem Jahr 2020. Zum Vergleich: Das demokratische Äquivalent ActBlue musste nur 2,2 Prozent zurückzahlen.

Für Trump bedeutete das, dass er in der kritischen Zeit des Wahlkampfes ein zinsloses Darlehen von seinen Wählern bekommen hat. Zudem zahlte WinRed die 30 Cents pro Spende plus die 3.8 Prozent des Betrags, die als Gebühren verrechnet wurden, nicht zurück. Zusammengezählt beläuft sich dieser Betrag auf ungefähr fünf Millionen Dollar.

Trump hörte indes nach seiner Wahlniederlage nicht damit auf, Spenden mit vormarkierten Checkboxen zu sammeln. Laut der «New York Times» dürfte er die Spenden, die er für den «Kampf gegen die gefälschte Wahl» sammelte, dafür gebraucht haben, die Rückerstattungen auszugleichen.

Auch andere Republikaner, wie zum Beispiel Mitch McConnell, Minderheitsführer im Senat, setzen mittlerweile auf diese vormarkierten Checkboxen. Und während die Geschädigten gegenüber der «New York Times» aussagten, dass die Spendenplattform WinRed «räuberisch» sei, so wollte niemand Donald Trump die Schuld dafür geben. Ein Geprellter sagte: «Ich bin 100 Prozent loyal zu Donald Trump.»