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USA ziehen Assad iranischen Truppen vor

Eine Grossoffensive der syrischen Armee hat eine neue Massenflucht ausgelöst. Die USA schweigen dazu und scheinen Machthaber Baschar al-Assad als «kleineres Übel» zu sehen.
Michael Wrase, Limassol
Syrische Flüchtlinge warten an der Grenze zum Libanon auf Durchlass. Bild: Bilal Hussein/AP (Arsal, 28. Juni 2018)

Syrische Flüchtlinge warten an der Grenze zum Libanon auf Durchlass.
Bild: Bilal Hussein/AP (Arsal, 28. Juni 2018)

Knapp zwei Wochen vor dem Treffen Donald Trumps mit Kreml-Chef Wladimir Putin in Helsinki sieht der Sicherheits­berater des US-amerikanischen Präsidenten «Bereiche, in denen man gemeinsame Fortschritte» machen könnte.

Gegenüber dem Fernsehsender CBS nannte John Bolton das Bürgerkriegsland Syrien, wo Russland zum «Abzug der Iraner» beitragen könnte. Die iranische Präsenz sei eine «strategische Angelegenheit», der Verbleib des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der Macht dagegen «nicht» (mehr).

Kaum noch Widerstand gegen Regierungstruppen

Noch vor wenigen Monaten hatte die Trump-Regierung eine Konfliktlösung in Syrien mit Assad als unmöglich bezeichnet und diese Aussage mit massiven Raketenangriffen auf Damaskus bekräftigt. Angesichts der «iranischen Bedrohung» soll der syrische Diktator nun offenbar wieder als das «kleinere Übel» akzeptiert werden, falls er als Gegenleistung im Bunde mit Moskau den Abzug der Revolutionsgardisten anderer proiranischer Milizen einleitet.

Zu der von der syrischen Opposition als «Verrat» bezeichneten Übereinkunft gehört auch eine Art Persilschein für die syrische Armee, die im Südwesten des Landes eine Grossoffensive begonnen hat. Anders lässt sich das amerikanische Stillschweigen über die Aktivitäten der Assad-Streitmacht nicht erklären. Ziel des von russischen Luftangriffen begleiteten Vorstosses ist die Grossstadt Deraa, wo im Februar 2011 der Aufstand gegen das syrische Regime und Präsident Assad begonnen hatte. Der Südwesten des Landes wurde bald darauf von islamistischen Rebellen kontrolliert, die mit arabischer und westlicher Unterstützung die Eroberung der Hauptstadt Damaskus anstrebten.

Siebeneinhalb Jahre später gibt es im Grossraum von Damaskus keine Rebellen mehr. Auch die an Jordanien grenzende «Revolutionsprovinz» Deraa wurde bereits zu 60 Prozent vom Regime zurückerobert. Nur an wenigen Frontabschnitten leisten die Rebellen noch Widerstand. Mindestens zwölf Ortschaften, darunter die historische Stadt Bosra mit ihrem römischen Amphitheater, wurden den Assad-Truppen kampflos, im Rahmen sogenannter «Versöhnungsabkommen», übergeben. Zuvor hatten die meisten Einwohner ihre Häuser überstürzt verlassen.

Flüchtlinge treffen auf abgeriegelte Grenzen

Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen sind im Südwesten Syriens inzwischen 270 000 Menschen auf der Flucht. Da alle anderen Wege versperrt sind, hoffen die Menschen, im nahen Jordanien aufgenommen zu werden. Doch das kleine haschemitische Königreich, das bereits 1,2 Millionen Syrern die Einreise gestattete, hat seine Grenzen hermetisch abgeriegelt. Bei Tagestemperaturen von über 40 Grad müssen die Heimatvertriebenen in der Nähe des Grenzzauns ausharren.

Hilfsorganisationen sind mit ihrer Versorgung überfordert. Fünf Flüchtlinge sollen in den letzten Tagen durch Bisse von Schlangen und Skorpionen getötet worden sein. Mindestens 160 Zivilisten verloren seit dem Beginn der syrischen Grossoffensive ihr Leben. Eine Lösung des Flüchtlingsdramas im Schatten der WM in Russland ist nicht in Sicht. Um zu überleben, würden viele der Vertriebenen vermutlich nach Israel gehen. Doch auch dort verhindern schwer bewaffnete Soldaten den Grenzübertritt.

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