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USA: Zurück ins weisse Amerika

Lange haben die rechtsextremen Bewegungen vor allem im Internet Furore gemacht. Ereignisse wie in Charlottesville zeigen, wie stark das Selbstbewusstsein amerikanischer Neonazis gewachsen ist – das hat auch mit Donald Trump zu tun.
Walter Brehm
Rechtsextreme verbarrikadieren sich hinter Schutzschildern mit ihrem Symbol: schwarzes Kreuz auf weissem Grund. (Bild: Joshua Roberts/Reuters (Charlottesville, 12. August 2017))

Rechtsextreme verbarrikadieren sich hinter Schutzschildern mit ihrem Symbol: schwarzes Kreuz auf weissem Grund. (Bild: Joshua Roberts/Reuters (Charlottesville, 12. August 2017))

Walter Brehm

Die Bilder haben die Welt schockiert: Neonazis tragen Hakenkreuzfahnen offen durch die Strassen von Charlottes­ville im US-Bundesstaat Virginia, rufen «Sieg Heil!» und tragen braune Nazi-Uniformen. Gedeckt wird dies alles durch ­die in der US-Verfassung festgeschriebene Meinungsfreiheit.

Wenn US-Präsident Donald Trump darauf verweist, dass es Rassismus und Rechtsextremismus in den USA seit langem gebe, sie also kein Problem seiner Präsidentschaft seien, stimmt dies zweifellos. Wahr ist aber auch: Selten waren die Gruppierungen der extremen Rechten in den USA öffentlich so sichtbar wie in der noch jungen Ära Trump. «White Power»-Gruppen durchdringen die täglichen Nachrichten nicht erst seit den blutigen Krawallen in Charlottesville, obwohl sie auch in den USA keinen in sich geschlossenen Block bilden.

Ideologie und Symbolik der Nationalsozialisten

Schon Ende der Sechzigerjahre war die amerikanische Nazi-Partei gegründet worden. Lange Zeit wurde sie öffentlich kaum wahrgenommen, die Organisation blieb ohne politischen Einfluss. Doch sie vertrat von Anfang an die Ideologie und Symbolik der deutschen Nationalsozialisten. Adolf Hitler gilt ihnen als Visionär und Vorbild. Sie hetzen gegen Juden, Afroamerikaner, Homosexuelle und Behinderte. Das National Socialist Movement (NSM) ist heute die stärkste nationalsozialistische Gruppierung in den USA. Als dezentrale Propagandaplattform diverser amerikanischer Neonazi-Gruppen dient im Internet die Website «Stormfront». Ihr Titel ist eine offensichtliche Anlehnung an das Parteiblatt «Stürmer» der früheren NSDAP in Deutschland.

Alle rechtsextremen Gruppen der USA treffen sich bei einem Thema: «White Power» (Weisse Macht). Diese Gruppierungen sind überzeugt, dass es eine weisse Rasse gibt – und dass diese heute um ihren gesellschaftlichen Vorrang zu kämpfen habe. Gruppen wie die Arische Nation glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von weissen Menschen europäischen Ursprungs («White Supremacy»).

Viele US-Konservative denken ähnlich, sind einer für sie gegebenen gesellschaftlichen Tradition verhaftet, in der in einer «natürlichen Hierarchie» weisse Menschen an der Spitze stehen. Darin treffen sich alle rechtsextremen Kräfte. Ansonsten ist die Szene zersplittert und unübersichtlich, aber dennoch gefährlich. Der amerikanische Rechtsextremismus ist aber nicht einfach ein Import aus Europa. Mit dem Ku-Klux-Klan (KKK) hat er eine originäre gemeinsame Wurzel über alle Gruppen­rivalität hinweg. Der KKK ist ebenfalls in den Sechzigerjahren in einer quasi dritten Auflage neu entstanden – als gegnerische Reaktion auf die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Der Klan wird heute auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt. Auf sein Konto gehen in einer Art heimischem Terrorismus zahlreiche Gräueltaten und Morde.

Dennoch mochte sich Donald Trump schon im Wahlkampf nicht wirklich vom Klan und von David Duke, einem seiner prominenten Führer, und dessen Unterstützung distanzieren. Weniger klar in ihrer Hetze gegen alles Nichtweisse, aber nicht weniger gefährlich ist die sogenannte Alt-Right-Bewegung (Alternative Rechte), als deren Vordenker seit 2008 Richard Spencer gilt. Dieser redet einer «friedlichen ethnischen Säuberung» das Wort. Mit solchen Verbrämungen versucht auch die Alt-Right, im rechten Flügel der US-Republikaner Unterstützer zu rekrutieren.

Sehnsucht nach dem «alten Süden»

Im Diskurs der Alt-Right taucht immer wieder die Nostalgie nach dem «alten ­Süden» auf. Die Alt-Right sieht sich in der Tradition der Südstaaten und des amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Obwohl auch die Alt-Right in sich zerfasert ist, findet sie sich mit anderen rechtsradikalen Gruppen in einer antidemokratischen Grund­haltung, im Kampf gegen Linke und Demokraten sowie in der Hetze gegen Schwarze, Schwule und den Feminismus.

Die Alt-Right-Bewegung hatte die Wahlkampagne von Donald Trump begeistert unterstützt. Sie sah diese als Teil ihres Kreuzzugs gegen Muslime, Einwanderung und Feminismus. Viele ihrer Anhänger sind zudem bekennende Antisemiten. Noch als Chef der Website «Breitbart» bezeichnete Steve Bannon, der bis gestern Chefstratege des Präsidenten war, seine Publikation als «Sprachrohr der Alt-Right». Im Wahlkampf tat er sich als wichtiger Wahlhelfer Trumps hervor. Die Hauptthemen von «Breitbart» waren immer auch die Hauptthemen in der Trump-Kampagne: Einwanderung als Gefahr, Bedrohung durch den Islam, Verfall traditioneller Werte und immer wieder die korrupte Hillary Clinton.

Bannon bewies ein untrügliches Gespür für die wütenden weissen Männer im Land. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin stellte er als ignorant gegenüber den Sorgen des kleines Mannes dar – während er Trump als dessen Retter beschrieb. Gegen den Widerstand aus dem Militär und der Republikanischen Partei berief Trump Bannon nach seinem Wahlsieg nicht nur zum Chefstrategen, sondern auch in den Nationalen Sicherheitsrat, aus dem er ihn bereits Anfang April entlassen hat. Gestern Abend wurde bekannt, dass Bannon auch seinen Job als Chefstratege des Präsidenten los ist. Bannon und der Stabschef des Weissen Hauses, John Kelly, hätten sich darauf geeinigt, dass «heute Steves letzter Tag» sei, erklärte Sprecherin Sarah Huckabee Sander. Unklar blieb, ob Bannon aus freien Stücken ging oder ob Trump ihn entlassen hat.

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