Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

USA/KANADA: Greenpeace-Aktivistin: «Ölpipelines gefährden Gemeinden»

In South Dakota sind 800 000 Liter Rohöl ausgetreten – wenige Tage, bevor heute die Entscheidung über das umstrittene XL-Pipeline-Projekt der Firma Trans Canada fallen soll. Aktivisten schlagen Alarm.
Gerd Braune, Ottawa
In Marshall County traten vergangene Woche 800 000 Liter Rohöl aus. (Bild: Keystone (17. November 2017))

In Marshall County traten vergangene Woche 800 000 Liter Rohöl aus. (Bild: Keystone (17. November 2017))

Gerd Braune, Ottawa

Ein Leck in einer wichtigen Ölpipeline in den USA wirft erneut die Frage der Sicherheit von Pipelines auf. Aus dem Leck der Keystone-Leitung flossen am vergangenen Donnerstag im US-Bundesstaat South Dakota nahezu 800 000 Liter Rohöl aus. Der Unfall ereignete sich wenige Tage vor der heute anstehenden Entscheidung der Behörden über den Bau der ohnehin umstrittenen Keystone-XL-Pipeline in Nebraska. Kritiker des Projekts sehen sich bestätigt.

Der Vorfall sei «unter Kontrolle», und es seien «keine signifikanten Auswirkungen auf die Umwelt oder Gefahren für die öffentliche Sicherheit beobachtet worden», teilte das in der kanadischen Stadt Calgary ansässige Unternehmen Trans Canada, Eigentümerin der Pipeline, am Samstag mit. Man ermittle weiter die Ursachen des Lecks. Der Unfall ereignete sich am vergangenen Donnerstag südlich der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten North und South ­Dakota in Marshall County nahe der Pumpstation Ludden. Nach Angaben von Trans Canada flossen etwa 5000 Barrel Öl aus, umgerechnet rund 795 000 Liter.

Täglich werden 600 000 Barrel Öl transportiert

Das Leck wurde durch Druckabfall in der Pipeline entdeckt. Die Pipeline wurde dem Unternehmen zufolge daraufhin geschlossen. Trans Canada veröffentlichte eine Luftaufnahme, die das an der Oberfläche offenbar eng begrenzte Gebiet zeigt, das von der Ölverseuchung betroffen ist. Wann die Pipeline wieder in Betrieb genommen werden kann, war am Wochenende unklar.

Das seit mehreren Jahren existierende 4300 Kilometer ­lange Keystone-Pipeline-System bringt Rohöl aus den Teersandfeldern der kanadischen Provinz Alberta sowie US-amerikanisches Rohöl zu Raffinerien in den US-Bundesstaaten Oklahoma, ­Illinois und Texas. Durch diese Rohre können täglich bis zu 600 000 Barrel Öl transportiert werden. Geplant aber wird eine neue Trassenführung, die von ­Alberta kommend den Weg durch die USA abkürzen würde, die sogenannte Keystone-XL-Pipe­line. Sie soll 1900 Kilometer lang sein und 8 Milliarden kanadische Dollar kosten.

Die XL-Pipeline würde die Kapazität der Leitungen, die Öl aus Ölsand transportieren, um bis zu 830 000 Barrel Bitumenöl pro Tag vergrössern. Gegen die Pipeline gibt es erheblichen Widerstand von Umweltschützern, betroffenen Gemeinden und ­indigenen Völkern, durch deren Territorien die Pipeline laufen soll. Umweltschützer befürchten, dass dies zu einer Ausweitung der Ölsandindustrie führen würde. Dies könnte bedeuten, dass ­Kanada mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen seine eigenen Ziele bei der Reduzierung von Kohlendioxidemissionen nicht erreichen wird. Während der ­frühere US-Präsident Barack Obama das Projekt abgelehnt hatte, hat sein Nachfolger Donald Trump in einer seiner ersten Entscheidungen im Januar 2017 ­einen Erlass zu Gunsten der Pipeline unterzeichnet. Auch die ­liberale Regierung Kanadas unter Justin Trudeau befürwortet die Keystone XL. Sie hält für eine «Übergangszeit» aus ökonomischen Gründen an der Ölsand­förderung fest. Zudem gilt der Öltransport durch Pipelines den Befürwortern des Projekts als ­sicherer als der Transport über Schiene oder Strasse.

Aktivisten fürchten Grundwasserverseuchung

Die nun entstandene Ölverseuchung gibt den Gegnern der Keystone XL Munition. Sie lehnen die Pipeline nicht nur wegen der Emissionen, sondern auch wegen der Gefahr von Lecks für Grundwasser – etwa im «Ogallala aquifer», einer Grundwasserschicht in Nebraska – und landwirtschaftlich genutzter Flächen ab.

Für Befürworter der XL-Pipeline kommt der Unfall denkbar ungünstig. Heute soll die «Nebraska Public Service Commis­sion» über den Bau der Keystone-XL-Ölpipeline durch den Bundesstaat entscheiden. Ein Beamter Nebraskas sagte mehreren Agenturen zufolge, der Ölunfall werde diese Entscheidung nicht beeinflussen, denn sie werde allein aufgrund der Eingaben bei der An­hörung im Sommer getroffen. Dagegen erklärte Art Tanderup, ein Farmer aus Nebraska, nach Agenturangaben, er hoffe, dieser Unfall sende «eine Botschaft an die fünf Leute, die am Montag die Entscheidung treffen».

Greenpeace USA erklärte, wenige Tage vor der «historischen Entscheidung» über die neue Pipeline könne das «Warnzeichen dafür, die neue Pipeline abzulehnen, nicht klarer sein». «Pipelines sind dafür bestimmt, Öl zu verlieren, und sie gefährden Gemeinden, kostbares Trinkwasser und unser Klima. Die Genehmigung einer weiteren Pipeline ist ein Fehler», sagte die amerikanische Greenpeace-Aktivistin Rachel Rye Butler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.