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USA/RUSSLAND: Der neue Zankapfel

Nach der Ukraine und Syrien haben Russland und die USA mit Afghanistan nun ein weiteres Konfliktfeld wiederentdeckt. Den kriegsgeschüttelten Staat bringt das einer Friedenslösung nicht näher.
Stefan Scholl, Moskau
Ein afghanischer Soldat steht an einem Checkpoint ausserhalb der Hauptstadt Kabul Wache. (Bild: Jawad Jalali/EPA (Kabul, 22. April 2017))

Ein afghanischer Soldat steht an einem Checkpoint ausserhalb der Hauptstadt Kabul Wache. (Bild: Jawad Jalali/EPA (Kabul, 22. April 2017))

Stefan Scholl, Moskau


Am Donnerstag beschwerte sich Sergei Naryschkin, Leiter des russischen Auslandsnachrichtendienstes SWR, die USA veranstalteten in Afghanistan «mit niemandem abgestimmte Machtdemonstrationen». Gemeint war der Einsatz einer amerikanischen GBU-43/B-Bombe in der Provinz Nangarhar Mitte April. Die USA hatten mit diesem 9,5-Tonnen-Gerät unterirdische Stellungen des terroristischen Islamischen Staates in der Provinz Nangarhar zerstört.

Igor Korobow, Leiter des Militärgeheimdienstes GRU, aber warf den Amerikanern vor, ihr 2001 gestarteter Militäreinsatz in Afghanistan habe die Lage dort nur verschlimmert: «Sie haben den Afghanen eine zerstörte Wirtschaft beschert, eine unterentwickelte Sozialsphäre sowie einen um ein Vielfaches gestiegenen Drogenverkehr.»

Laut USA liefern Russen Waffen an die Taliban

Und Aussenminister Lawrow beschuldigte amerikanische Militärs, sie verbreiteten «verlogene unprofessionelle Erklärungen». Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Jim Mattis bei einem Besuch in Kabul erklärt, die Berichte über russische Waffenlieferungen an die Taliban beunruhigten ihn zusehends.

Bei gleicher Gelegenheit erklärte General John Nicholson, der Kommandeur der amerikanischen Afghanistantruppen, er wolle nicht abstreiten, dass Moskau Waffen an die fundamentalistischen Rebellen liefere. Kurz zuvor hatte ein hoher US-Offizier Journalisten in Kabul gesagt, Russland stelle den Taliban Maschinengewehre und andere mittelschwere Waffen zur Verfügung. Die kämen in den südafghanischen Provinzen Helmand, Kandahar und Urusgan zum Einsatz. «Afghanistan-Krieg der Worte», kommentiert die Moskauer Zeitung «Kommersant». Russland ist diplomatisch in die Offensive gegangen. Mitte April veranstaltete Moskau eine internationale Verhandlungsrunde zu Afghanistan. Pakistan, China, der Iran, ausserdem Vertreter der fünf früheren zentralasiatischen Republiken sowie der afghanischen Regierung nahmen teil.

Die Russen schlugen vor, Friedensgespräche zwischen der Zentralregierung und den Taliban zu moderieren. Aber abgesehen davon, dass das offizielle Kabul nur rangniedrige Beamte schickte, und die Taliban selbst den Gesprächen fernblieben, nahmen auch die USA die Einladung nicht an. Dafür warfen sie am Vorabend der Moskauer Konferenz ihre «Mutter aller Bomben» über Nangahar ab. Moskau kommuniziert seit längerem mit den Taliban. «Russland ist der Überzeugung, dass nur Verhandlungen mit allen Kriegsparteien, also vor allem mit den Taliban, zu einem Ende des Bürgerkriegs führen», sagt der Moskauer Mittelasien-Experte Aschdar Kurtow unserer Zeitung. Auch Grossbritannien habe schon versucht, die Kabuler Zentralregierung und die Taliban an einen Tisch zu bringen.

Die fundamentalistischen Rebellen aber demonstrierten vergangene Woche trotz der Moskauer Friedenskonferenz und trotz der überschweren US-Bombe ihre Kampfkraft aufs Grausamste. Bei einem Überfall auf eine Militärgarnison in der Provinz Balch metzelten die Taliban nach Reuters-Angaben über 140 Regierungssoldaten nieder. Ausserdem befürchten Beobachter in Moskau, der bedrängte IS niste sich zusehends in Afghanistan ein, übernehme dort einen Teil des Drogenhandels und bilde Terrorkommandos für Zentralasien aus. Russland sei genauso an Stabilität in Afghanistan interessiert wie alle anderen Länder in der Region, sagt Kurtow.

«Sie haben sich an den Krieg gewöhnt»

Aber es ist fraglich, ob das Verhältnis zwischen Moskau und den USA über eine Friedenslösung in Afghanistan entscheidet. Die Sowjetunion konnte während ihrer Intervention von 1979 bis 1989 auch mit massivem Militäreinsatz und Aufbauhilfen die rebellischen Afghanen nicht befrieden. Auch den USA und ihren Verbündeten gelang das nach 2001 nicht. Trotz zwischenzeitlicher Unterstützung Moskaus, das der Bundeswehr sogar Bahntransporte durch Russland gestattete. «In Afghanistan bleibt die traditionelle Klan- und Stammesgesellschaft stärker als jede Nationalregierung», sagt Kurtow. «Und mehrere Generationen Afghanen haben sich daran gewöhnt, ihr Geld als Untergrundkämpfer oder Drogenproduzenten zu verdienen. Sie haben sich an den Krieg gewöhnt.»

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