USA/SCHWEIZ: Milke droht erneut Todesstrafe

Innerhalb der nächsten 90 Tage wird es zu einem neuen Prozess gegen Debra Milke kommen. Die Staats­anwaltschaft in Arizona will die 49-Jährige hinrichten.

Renzo Ruf, Washington
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Debra Milke. (Bild: Keystone)

Debra Milke. (Bild: Keystone)

Debra Milke wird sich erneut wegen des angeblichen Mordes an ihrem Sohn Christopher im Jahr 1989 vor Gericht verantworten müssen. Dies entschied der Justizminister des Bundesstaates Arizona am Montag. In einer Eingabe an das zuständige Bundesgericht hielt Tom Horne fest, dass der entsprechende Prozess durch den zuständigen Bezirksstaatsanwalt vorbereitet und gemäss der Vorgabe des Gerichts innerhalb der nächsten 90 Tage beginnen werde. Horne, ein Republikaner, war am Montag in Zugzwang geraten, nachdem Bundesrichter Robert Broomfield – auch er ein Mitglied der Republikanischen Partei – die Freilassung Milkes angeordnet hatte, vorausgesetzt, dass kein zweiter Prozess geplant sei. Kurze Zeit später deponierte Tom Horne seine knapp gehaltene Absichtserklärung beim Gericht.

Der Anwalt von Debra Milke erklärte der Lokalzeitung «Arizona Republic», dass er eine Kaution stellen werde, sobald seine Mandantin sich wieder in Gewahrsam der Ermittlungsbehörden des Verwaltungsbezirkes Maricopa County befinde.

Stets die Unschuld beteuert

Milke hatte sich 22 Jahre im Todestrakt des Staates Arizona befunden, nachdem sie 1990 des Mordes und der Entführung ihres vierjährigen Sohnes schuldig gesprochen worden war. Sie hatte während des Geschworenenprozesses immer ihre Unschuld beteuert. Im März entschied aber ein bundesstaatliches Berufungsgericht, dass das Verfahren gegen sie mit Mängeln behaftet gewesen sei – weil die Geschworenen nicht darüber informiert wurden, dass es Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen der Anklage, dem Polizisten Armando Saldate, gebe. Gemäss Milkes Anwalt will Saldate nun aber auch im Wiederholungsprozess aussagen.

Die Glaubwürdigkeit des Polizisten war zuletzt verstärkt angezweifelt worden. Der Schuldspruch gegen Milke wurde deswegen zu Beginn des Jahres von einem Berufungsgericht aufgehoben. Sie stand kurz vor der Entlassung.

Angehörige nicht überrascht

EMMETEN gus. Renate Janka, die in Emmetten lebende Mutter von Debbie Milke, konnte gestern keine Stellung nehmen. Die an Krebs erkrankte 70-Jährige musste sich für die heutige Chemotherapie-Behandlung ausruhen. Dafür gab Reinhard Müller, Lebenspartner der Mutter, gegenüber unserer Zeitung Auskunft. Er ist nicht überrascht: «Dies lag im Bereich unserer Erwartungen.»

«Spielball der Justiz»

Debbie Milke sei längst «zum Spielball von Politik und Justiz» geworden. Alle vier Jahre werde gewählt, «Richter, Parlamentarier, Regierung, einfach alles», so Müller. «Und wer keinen Erfolg ausweisen kann, fällt gnadenlos durch.» Aus diesem Grund werde niemand zugeben, dass der Staat vor 23 Jahren falsch gehandelt habe. Die Staatsanwaltschaft wähle «den bequemeren Weg», nämlich den Fall neu aufzurollen. Reinhard Müller ist aber felsenfest überzeugt, den Fall zu gewinnen, sollte es zur Anklage kommen. «Die haben ja nur das Pseudo-Geständnis.» Doch wieder werde viel Zeit verstreichen. «Es kann bis zu einem halben Jahr dauern, bis der Prozess erst beginnt.»