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Vage Hoffnung auf eine neue Männerfreundschaft

USA/Russland Moskau erwartet die erste Begegnung zwischen Wladimir Putin und Donald Trump mit sehr gemischten Gefühlen. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow wird es ein Treffen im «vollen Format», aber «zeitlich begrenzt». Ausser Syrien und der Ukraine soll der Kampf gegen den internationalen Terror zur Sprache kommen. «Wir erwarten, dass ein Arbeitsdialog in Gang kommt», sagt Peskow.

Morgen sollen sich beim G20-Gipfel in Hamburg Wladimir Putin und Donald Trump zum ersten Mal begegnen. Das Verhältnis zwischen ihren Ländern gilt als miserabel, Trumps prorussischen Wahlkampfsprüchen folgte reale Politik auf Konfrontationskurs. Jetzt sieht Moskau dem Ereignis mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.

«Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Donald Trump keine unabhängige Aussenpolitik machen kann», sagt Adschar Kurtow, Chefredaktor der kremlnahen Zeitschrift «Problemy Nazionalnoi Strategii» unserer Zeitung. Trumps innenpolitische Gegner in Kongress, Senat und den Medien kontrollierten seine aussenpolitische Tagesordnung. Deshalb werde es in Hamburg keine bahnbrechenden Entscheidungen zur Ukraine, zu Syrien oder zur Lage im Pazifik geben.

Neuer Streitpunkt auf dem Tisch

Und der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow erklärt, US-Präsident Trump fahre einen härteren Kurs gegenüber Russland als der in Moskau so verschmähte Barack Obama. «In Syrien lässt er die von Russland unterstützten Truppen Assads mit Raketen angreifen, dem Präsidenten der Ukraine hat er schon seine Unterstützung zugesagt, er will die Rüstungsausgaben steigern, auch im atomaren Bereich.» Es werde ein sehr offizielles, kaltes und inhaltlich schwieriges Gespräch.

Mit der neuen Eskalation zwischen Nordkorea und den USA ist ein Streitpunkt mehr auf den Tisch gekommen. Russland unterstützt den chinesischen Vorschlag, die USA und Südkorea sollten auf neue Manöver in der Region verzichten, die Nordkoreaner dagegen ihre Raketen- und Atomwaffentests einstellen. Aber auch Moskauer Fachleute bezweifeln, dass Amerika seine Militärpräsenz ohne nordkoreanische Vorleistungen verringern wird. Trotzdem hegen manche Russen noch die Hoffnung, dass Putin und Trump im persönlichen Gespräch zu einer neuen Männerfreundschaft finden. «Da treffen sich zwei Männer, die jede Tagesordnung sprengen können», schwärmt der Amerikanist Michail Sinelnikow-Orischak gegenüber der Zeitung «Kommersant». Putin sei ein Meister der Improvisation, auch Trump breche mit Wonne das offizielle Protokoll. «Wenn sie menschliche Sympathie füreinander verspüren, wird das ein Durchbruch.»

Bilateraler Neuanfang nicht zwingend

Ryschkow dagegen glaubt, Putin verbiete schon sein Image als harter Mann Kompromisse, während für Trump jedes Zugeständnis an die Russen innenpolitisch gefährlich sei.

Andere Skeptiker verweisen darauf, dass weder Putin noch Trump grosse strategische Ziele besitzen, die für sie ­einen bilateralen Neuanfang zwingend machen, im Gegensatz etwa zu Ronald Reagan und Michail Gorbatschow am Ende des Kalten Krieges. Der Politologe Andrei Kolesnikow sagt, Putin und Trump eine zwar durchaus ihr Rechtspopulismus, Trump flirte aber auch mit anderen Rechtspopulisten, etwa dem Polen Andrzej Duda. Trump besucht heute noch vor dem G20-Gipfel Warschau, trifft dort ausser Duda die Staatschefs zwölf europäischer Staaten, von Österreich bis Estland.

Im Vorfeld sprach Washington von «einer Stärkung der kollektiven Nato-Verteidigung» – kein freundlicher Wink Richtung Moskau. Warschau und andere Länder der Region wünschen sich ausserdem mehr Flüssiggas aus den USA – statt Erdgas aus Russland. «Für Putin hat Trump hinterher vielleicht einen kräftigen Händedruck übrig», spottet Kolesnikow. «Aber mehr auch nicht.»

Stefan Scholl, Moskau

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