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Varoufakis tritt bei Europawahl an

Vor vier Jahren war Yanis Varoufakis noch griechischer Finanzminister in einer der schwierigsten Phasen des Landes. Bei der Europawahl tritt er nun in Deutschland an.
Christoph Reichmuth, Berlin
Gianis Varoufakis (Bild: Paul Zinken/Keystone (Berlin, 13. April 2019))

Gianis Varoufakis (Bild: Paul Zinken/Keystone (Berlin, 13. April 2019))

Er war für eine kurze Phase Europas prominentester Finanzminister: Yanis Varoufakis. Der Ökonomieprofessor aus Athen, auf dem Höhepunkt der griechischen Finanzkrise 2015 knapp ein halbes Jahr im Amt, will es in der Politik noch einmal wissen. Der 58-Jährige kandidiert für die Europawahlen am 26. Mai für die von ihm gegründete Bewegung «Demokratie in Europa».

Bemerkenswert: Der einstige Politstar kandidiert für seine Bewegung in Deutschland. Ausgerechnet in jenem Land also, mit dessen Regierung sich Varoufakis in der Finanzkrise 2015 mehrmals überworfen hatte. Protagonisten im damaligen «Griechenland-Drama»: der damalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Amtskollege Varoufakis.

Die beiden waren nicht nur äusserlich wie Tag und Nacht. Der Anzug tragende, gelegentlich grimmig dreinblickende Schäuble der konservativen CDU hatte eine komplett andere Idee von Politik als der stets ohne Krawatte und im offenen Hemd auftretende Linksaussen Varoufakis, der mit dem Motorrad durch die Gegend brauste und nur schon vom Auftreten her einen Hauch von Anti-Establishment versprühte. Schäuble wollte den griechischen Staatshaushalt mit einem rigorosen Sparprogramm sanieren. Varoufakis schimpfte gegen den deutschen «Zuchtmeister» – und brachte die EU an den Rand eines folgenschweren «Grexit».

Varoufakis warnt vor Rechtspopulisten

Das Europawahlgesetz macht es möglich, dass Varoufakis für die Wahlen Ende Mai in Deutschland kandidiert. Der ehemalige Syriza-Politiker hat einen Wohnsitz in der deutschen Hauptstadt. Zu den EU-Wahlen sind in Deutschland alle EU-Bürger zugelassen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Nach eigenen Worten kandidiert Varoufakis nicht zuletzt auch deshalb in seiner neuen Wahlheimat, weil er damit auch deutlich machen wolle, dass es keinen Konflikt zwischen Deutschland und Griechenland gäbe.

Freilich ist diese Geste der Versöhnung nicht Varoufakis Hauptantrieb für die Kandidatur. Der Wirtschaftswissenschafter und Autor sieht Europa vor dem Zerfall bedroht. Ein Auseinanderbrechen der EU würde in Europa «politische Monster» von der rechten Seite hervorbringen, warnt Varoufakis. Er könne nicht im stillen Kämmerlein sitzen und über wirtschaftspolitischen Theorien brüten, während in Europa die Rechtspopulisten zunehmend den Ton angeben würden. Varoufakis sieht Europa in einer Krise wie 1929. «Ich bin fest überzeugt, dass der Zerfall dieser Europäischen Union zu einer postmodernen Version der 1930er-Jahre führen wird», so der ehemalige Finanzminister, der demokratische Prinzipien in der EU stärken möchte, damit die EU nicht zu einem von Technokraten regierten Superstaat verkomme. «Unsere Kinder werden fragen: Was habt ihr getan, um eine Rückkehr dieser Zeit zu verhindern?», sagt Varoufakis.

Wahlchance als gering eingeschätzt

Varoufakis geniesst in Deutschland – zumindest in eher linken Kreisen – bis heute Kult-Charakter. «Wir sind die erste seriöse, transnationale, progressive Bewegung», sagt Varoufakis über «Demokratie in Deutschland», dem deutschen Ableger der «Democracy in Europe Movement 2025». Ob es für einen der insgesamt 96 deutschen Sitze im EU-Parlament reichen wird, zeigt sich Ende Mai. Experten schätzen seine Wahlchancen als gering ein. Bemerkenswert wäre es allemal, würde ausgerechnet Yanis Varoufakis für Deutschland im europäischen Parlament sitzen.

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