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Der Poker um Venezuelas Öl

Amerikas Sanktionen treffen das südamerikanische Land schwer. Gut 90 Prozent der Exporteinnahmen sind dem Erdöl zu verdanken. Jetzt versucht Maduro, das Embargo zu umgehen.
Sandra Weiss, Puebla
Ein Venezolaner protestiert gegen das Erdölembargo. (Bild: Ariana Cubillos/AP (Caracas, 31. Januar 2019))

Ein Venezolaner protestiert gegen das Erdölembargo. (Bild: Ariana Cubillos/AP (Caracas, 31. Januar 2019))

Beim staatlichen venezolanischen Erdölkonzern PDVSA herrscht Hektik: Was passiert jetzt nach der Verhängung des Erdölembargos mit den 25 teils vollen Tankern an den Entladestationen, die Öl nach China, Indien und Singapur bringen sollten? Was mit den 15 noch zu entladenden Tankern voller Benzin und Diesel? Während die Zahlungsmodalitäten unklar sind – laut den Sanktionen muss das Geld auf Konten der bürgerlichen Opposition fliessen –, Kunden und Lieferanten zögern und der Erdölkonzern eine Vorauszahlung verlangt, droht die Nationalgarde damit, ­einen Dieseltanker zwangsweise zu entladen. «Wir haben den ­Befehl, innerhalb von 15 Tagen Alternativen zu finden», sagte PDVSA-Manager Wills Rangel der Nachrichtenagentur Reuters.

Das ist jedoch einfacher gesagt, als getan. Ein Beispiel dafür ist die fieberhafte Suche der Manager nach einem Produkt, das ausserhalb der Expertenkreise kaum einer kennt: schweres ­Naphta. Ein Verdünner, den Venezuela benötigt, um sein Schweröl so weit zu verflüssigen, damit es per Pipeline aus den Lagerstätten abtransportiert werden kann. 90000 Fässer täglich braucht die Industrie davon. Das Problem ist: Es gibt für die speziell von Venezuela benötigte Mischung nur sehr wenige Anbieter weltweit. Die bisherigen Verkäufer sitzen in den USA und dürfen wegen der nun verhängten Sanktionen nicht mehr liefern.

Benzinvorräte reichen höchstens für einen Monat

Ein Tanker, so berichten Fachleute, habe die Naphta-Entladung am Mittwoch in der venezolanischen Raffinerie von José gestoppt, ein zweiter sei kurz vor Aruba umgekehrt. Gleichzeitig staut sich das geförderte Erdöl in den Tanks der venezolanischen Exporthäfen. Denn auch hier besteht dasselbe Problem: Längst nicht jede Raffinerie kann aus technischen Gründen venezolanisches Öl verarbeiten. Ein drittes Problem ist die Benzinknappheit, denn Venezuela importiert wegen des Missmanagements in den eigenen Raffinerien gut die Hälfte des im Land verbrauchten Treibstoffes. Die Vorräte reichen unterschiedlichen Angaben zufolge für 15 bis 30 Tage.

Mit dem Erdölembargo haben die USA ihre schärfste Waffe gegen den sozialistischen Machthaber Nicolás Maduro aufgeboten: Es ist ein direkter Angriff auf die Staatskasse. Gut 90 Prozent der Exporteinnahmen des Landes stammen aus dem Erdöl­export. Eine Million Barrel exportiert Venezuela täglich, 41 Prozent davon in die USA – der grösste Kunde, der auch Cashflow bringt. Die Lieferungen an China (25 Prozent) und Russland sind eine Rückzahlung von Krediten, die an Indien (22 Prozent) werden zum Teil mit Medikamenten bezahlt. Und die 80000 Fässer an Kuba sind ein Tauschgeschäft für Berater und Ärzte.

Besonders hart für Maduro ist der Verlust der wichtigsten Niederlassung von PDVSA im Ausland, der US-Tochterfirma Citgo mit drei Raffinerien und mehreren tausend Tankstellen im Wert von sieben Milliarden US-Dollar. Citgo darf zwar weiter venezolanisches Öl verarbeiten, aber alle seine Einnahmen fliessen fortan auf Konten der bürgerlichen Opposition. Gegen die Konfiszierung von Citgo will Maduro daher vor Gericht gehen. Seine Embargo-erfahrenen kubanischen Berater sollen ihn dabei zum Durchhalten animiert haben. Sie hoffen, der Druck der Erdölindustrie auf die USA könne zur Lockerung des Embargos führen. Denn US-Firmen wie Chevron und Valero sind davon ebenfalls betroffen.

Maduro könnte Engpass mit Gold überbrücken

Aber es gibt noch weitere Wege für Maduro: Eine Möglichkeit ist, das venezolanische Schweröl mit importiertem Leichtöl zu mischen. Dies wäre auch für andere Raffinerien etwa in Asien und Afrika verträglich. Eine weitere Lösung ist die Umgehung der Sanktionen. Schon in der Vergangenheit fungierte Kuba als Broker für venezolanisches Öl. Auch diesmal dürfte der Inselstaat versuchen, über Dreiecksgeschäfte den Schwarzmarkt zu bedienen.

Maduro hat zudem noch eine Alternative, die ihm kurzfristig aus dem Liquiditätsengpass helfen kann: Gold. Der Abbau des Edelmetalls wurde in den letzten Jahren dank Allianzen mit Russland und China forciert. «Das Gold hat die Wirtschaft im letzten Jahr gerettet», sagt der Ökonom Asdrubal Oliveros. Doch nun fällt auch das Gold unter die Sanktionen. Ökonomen rechnen für 2019 durch die Sanktionen mit einem Einbruch der Ölproduktion auf 500000 Barrel täglich und einer Schrumpfung der Wirtschaft um 25 Prozent.

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