Russland
Verdächtiger nach Bombenanschlag in St. Petersburg identifiziert

Für den Bombenanschlag auf die St. Petersburger U-Bahn ist laut Ermittlern vermutlich ein junger Russe kirgisischer Herkunft verantwortlich.

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Die beschädigte U-Bahn in der Metro-Station Technologisches Institut.
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Die Sennaya Square Metro-Station: Zwischen dieser und einer weiteren Station kam es zur Explosion. Im Bild eine Ambulanz. (Video-Screenshot)
Dieser Video-Screenshot zeigt einen Polizei-Offizier (links) und Zivilisten in der Metro-Station Technologisches Institut nach der Explosion.
Bombenexplosion in U-Bahn von St. Petersburg
Momentaufnahme in der Metro-Station Technologisches Institut.
Feuerwehrmänner eilen zum Tatort in der Metro-Station Technologisches Institut.
Schockierte Zivilisten an der Metro-Station Technologisches Institut telefonieren mit Angehörigen oder Freunden.
Verletzte werden bei der Metro-Station Technologisches Institut zu Ambulanzen transportiert.
Sadovaya Square nach der Explosion.
Sadovaya Square nach der Explosion. Menschen tragen eine verletzte Person weg.
Ein Rettungshelikopter landet bei der Metro-Station Technologisches Institut.
Eines der verletzten Explosionsopfer an der Metro-Station Technologisches Institut.

Die beschädigte U-Bahn in der Metro-Station Technologisches Institut.

AP

Bei dem Verdächtigen handle sich um einen 1995 in der Stadt Osch geborenen Mann, erklärte der Geheimdienst der überwiegend muslimischen Ex-Sowjetrepublik Kirgistan am Dienstag.

Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Täter habe Verbindungen zu radikalen Islamisten. Offiziell gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Die Behörden gehen aber von einem terroristischen Hintergrund aus.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow forderte eine verstärkte internationale Zusammenarbeit gegen den Terrorismus. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Präsident Wladimir Putin legt ausserhalb der U-Bahn-Station Technologisches Institut Blumen nieder.
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Trauer in St. Petersburg
Auch viele andere Menschen besuchten den Ort.
Zwei Frauen in Trauer.
Das Bestürzen ist gross.
14 Menschen verloren beim Metro-Anschlag ihr Leben.
Dutzende wurden verletzt.

Präsident Wladimir Putin legt ausserhalb der U-Bahn-Station Technologisches Institut Blumen nieder.

MIKHAIL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL / POOL

Enger Verbündeter Moskaus

Das russische Fernsehen veröffentlichte ein Bild, auf dem die Leiche eines bärtigen Mannes zu sehen ist. Er sieht einem Mann auf einem Foto einer Überwachungskamera ähnlich, bei dem es sich um den Verdächtigen handeln soll.

Der kirgisische Geheimdienst identifizierte den mutmasslichen Attentäter als Akbarschon Dschalilow. Neben Geburtsjahr und Geburtsort wurden keine weiteren Einzelheiten genannt. Kirgistan hat sechs Millionen Einwohner und ist ein enger Verbündeter der Regierung in Moskau.

Der Kreml schloss am Dienstag nicht aus, dass der Bombenanschlag in St. Petersburg auf den Besuch von Präsident Wladimir Putin zielen sollte. "Allein die Tatsache, dass der Terroranschlag verübt wurde, während das Staatsoberhaupt in der Stadt war, zwingt zum Nachdenken", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die Theorie über einen Selbstmordattentäter kommentierte er nicht.

Touristen sollen sich sicher fühlen

In St. Petersburg begann eine dreitägige Trauerperiode. Der Gouverneur der Stadt, Georgi Poltawtschenko versprach, die Stadt werde alles tun, um die Sicherheit der Touristen zu garantieren. Im Juni findet unter anderem in St. Petersburg der Confederations Cup und im kommenden Jahr die Fussball-WM statt.

Die Zahl der Todesopfer stieg derweil auf 14. Elf Menschen starben direkt bei der Explosion in der U-Bahn, drei weitere erlagen später ihren Verletzungen, wie Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa am Dienstag laut Agentur Tass mitteilte.

Der Bombenanschlag hatte sich am Montagnachmittag nahe der Metrostation Sennaja Ploschtschad ereignet. Die Explosion riss ein riesiges Loch in den Waggon. Medienberichten zufolge wurden viele Fahrgäste von umherfliegenden Glas- und Metallteilen verletzt. Insgesamt gab es fast 50 Verletzte, wie die Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Die U-Bahn nahm noch am Abend ihren Betrieb wieder auf.

Behörden auf der Hut

Die Behörden in Russland sind auch auf der Hut, weil russischsprachige Kämpfer aus Syrien in ihre Heimat zurückkehren könnten. Erst am Dienstag nahmen türkische Behörden nach eigenen Angaben einen Tschetschenen an der syrischen Grenze fest, der verdächtigt wird, einen Anschlag geplant zu haben. Er habe in seiner Tasche 1,5 Kilogramm Sprengstoff und zwei Granaten gehabt.

Russland wird nicht nur vom IS bedroht, sondern auch von radikalen Islamisten auf dem eigenen Territorium, etwa im Südkaukasus. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder islamistisch motivierte Anschläge.

International löste der Anschlag auf die Petersburger Metro Bestürzung aus. Nach Angaben des US-Präsidialamtes telefonierte Donald Trump mit seinem Kollegen Wladimir Putin. Beide seien sich einig gewesen, dass der Terrorismus schnell und entschieden bekämpft werden müsse.