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VERKEHR: In Japan wird vor fremden Fahrern gewarnt

Japan kennzeichnet «sicherheitshalber» nichtjapanische Autofahrer als Bär im Hirschkostüm. Dahinter steckt eine hehre Absicht. Doch die Kampagne offenbart auch latenten Rassismus.
Angela Köhler, Tokio
«Hier fährt ein Ausländer», heisst es auf diesem Kleber, der in Japan für Irritation sorgt. (Bild: PD)

«Hier fährt ein Ausländer», heisst es auf diesem Kleber, der in Japan für Irritation sorgt. (Bild: PD)

Angela Köhler, Tokio

Was soll uns dieser Sticker sagen? Da klebt am Heck des PW ein buntes Schild mit dem Hinweis: «Hier fährt ein Ausländer!» Soll das ein Witz sein, oder ist es ein Schildbürgerstreich? Leider weder noch, es ist ein neues Symbol und bereits Realität in Teilen Japans. Immerhin sorgt dieser Aufkleber für Irritationen und Debatten auch bei den nicht unmittelbar betroffenen Japanern. Deutungsschwer ist nicht nur die Botschaft. Auch Gestaltung und Farbgebung sind mehr als rätselhaft. Da lächelt ein Bär im Hirschkostüm. Was soll das nun wieder bedeuten?

Auf Hokkaido im Norden und Okinawa im Süden kleben diese Sticker bereits an vielen Mietwagen. Die Idee, solche Kennzeichnung auch landesweit einzuführen, liegt jetzt auf dem Tisch. In der logistischen Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2020 in der Hauptstadt Tokio soll diese Markierung helfen, die Sicherheit auf den Strassen zu gewährleisten, heisst es in der offiziellen Begründung. Das zuständige Verkehrsministerium habe dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Polizei, Tourismusverbänden und Autoverleihern als beste Massnahme befunden, um den möglichen Ansturm ausländischer Verkehrsteilnehmer in den Griff zu bekommen.

In Japan gilt Linksverkehr. Aber das trifft auch auf Grossbritannien und andere Länder zu. Für Rechtsfahrer ist es am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber mit Konzentration kann jeder da oder dort fahren. Die früher sehr schwierige Orientierung bei oft nur japanischen Verkehrsschildern erledigen heute englischsprachige Navigationssysteme. Auf der Südinsel Okinawa argumentiert der Mietwagenverband so: Das Schild soll zeigen, dass ein Ausländer am Steuer sitzt, der nicht mit den Regeln des japanischen Strassenverkehrs vertraut ist. Die Erfahrung auf japanischen Strassen lehrt, dass es auch unter den japanischen Fahrern etliche schlechte gibt, die Regeln missachten, rasen oder rücksichtslos sind. Statistiken, die ein besonders auffälliges Verhalten oder eine dramatische Zunahme ernster Unfälle von Ausländern belegen könnten, gibt es nicht.

In sozialen Netzwerken wird die Frage gestellt, was diese «Information» wohl bei den anderen Fahrern auslösen könnte. Dass man wie beim ebenso fragwürdigen Hinweis «Baby an Bord» das gekennzeichnete Fahrzeug ausnahmsweise nicht rammt? Bei aller Vorsicht liegt der Vorwurf nahe, es handle sich um eine bizarre Form von Rassismus. Kritiker sehen in dem Schild einen Angriff auf die Sicherheit der Ausländer. So könnte der Aufkleber Dieben signalisieren, in diesem PW ist etwas zu holen. Für ultranationalistische Gruppen wäre der Aufkleber eine regelrechte Zielscheibe für fremdenfeindliche Angriffe.

Japan hat generell ein ambivalentes Verhältnis zu Fremden. In den Jahren des Wirtschaftsbooms waren Ausländer maximal als Expats oder als wohlhabende Touristen gelitten. Strikte Visaregelungen verhinderten Reisen vor allem aus benachbarten Ländern. Bis 2005 kamen jährlich nur rund fünf Millionen ausländische Besucher ins Land. Immer mehr aber pflegt Japan den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor. In diesem Jahr wird zum ersten Mal die 20-Millionen-Grenze überschritten, im Olympiajahr sollen es 40 Millionen sein.

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