USA
Verlieren Schweizer wegen «Obamacare» ihre Krankenversicherung?

In den USA lebenden Auslandschweizern droht wegen des neuen Gesetzes von Obama ein unfreiwilliger Wechsel. Sie könnten sogar ihre Krankneversicherung verlieren.

Renzo Ruf, Washington
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Obamacare hat mit Startschwierigkeiten zu kämpfen (Archiv)

Obamacare hat mit Startschwierigkeiten zu kämpfen (Archiv)

Keystone

Auslandschweizer mit Wohnsitz in den USA könnten dieses Jahr ihre Krankenversicherung verlieren. Denn wahrscheinlich entsprechen beliebte Versicherungsprodukte, die gezielt die «Fünfte Schweiz» ansprechen, nicht den Anforderungen von «Obamacare», wie Barack Obamas Gesundheitsreform genannt wird. Dies jedenfalls ist die Meinung von Schweizer Versicherungsbrokern, die sich auf das Geschäft mit Auslandschweizern spezialisiert haben.

Einer der führenden Anbieter von Krankenversicherungsprodukten für Auslandschweizer, die Berner KPT, gibt sich bedeckt: «Wir sind daran, die Konsequenzen für unsere Kunden im Detail abzuklären», sagt Sprecherin Carmen Iseli. Im schlimmsten Fall werde man die Policen der Auslandschweizer mehr oder weniger fristlos kündigen müssen, heisst es beim Kundendienst der KPT.

Schweizer Kassen im Graubereich

Wie viele ihrer 3400 internationalen Kunden von diesem Schritt betroffen wären, kann die KPT nicht abschätzen – weil sie keine Kenntnisse vom genauen Wohnort der Auslandschweizer hat. Es seien in den vergangenen Tagen aber «sehr, sehr viele» diesbezügliche Anfragen eingegangen, heisst es am Hauptsitz in Bern.

Der Hintergrund: Alle Bewohnerinnen und Bewohner, die sich legal in den USA aufhalten, müssen bis zum 31. März 2014 krankenversichert sein – sonst bezahlen sie der nationalen Steuerverwaltung IRS eine Busse. Dies entschied das nationale Parlament im Frühjahr 2010 bei der Verabschiedung von «Obamacare». Gemäss einem Glossar des US-Gesundheitsministeriums erfüllen diejenigen Krankenkassen-Policen die neuen Vorschriften, die über staatlich regulierte Plattformen oder den jeweiligen Arbeitgeber bezogen werden. Schweizer Anbieter gehören nicht dazu.

Das ist nicht weiter erstaunlich, arbeiten ausländische Anbieter in den USA doch in einem Graubereich. Weil sich ihre Angebote nur an Ausländer richten und sie offiziell keine Kunden anwerben, die sich bei Vertragsabschluss bereits in Amerika aufhalten, sind sie vielfach nicht im Gastland ihrer Kunden akkreditiert.

Diese Ausnahmestellung könnte sich nun als Stolperstein für die Kunden ausländischer Versicherungsgesellschaften erweisen, zu denen auch der Autor dieses Artikels gehört. Krankenkassen müssen nämlich unter dem neuen «Obamacare»-Regime eine gewisse medizinische Mindestabdeckung («minimum essential coverage») gewähren, analog dem Katalog der Grundversicherung in der Schweiz. In den USA allerdings kann sich dieser Grundkatalog regional unterscheiden, da auch die Bundesstaaten bei der Ausgestaltung ein Wörtchen mitreden.

Auch deshalb entschied das nationale Gesundheitsministerium in einer im Juli 2013 veröffentlichten Verordnung: «Die Produkte ausländischer Anbieter fallen nicht unter den Begriff ‹minimum essential coverage›». Für Ausländer sei es schlicht zu kompliziert, ins Geschäft mit amerikanischen Spitälern und Ärzten zu treten. Den ausländischen Krankenversicherern stehe aber der Weg offen, eine Ausnahmebewilligung zu beantragen.

Es besteht noch Hoffnung

Die vergangenen Monate haben allerdings gezeigt, dass solche Verordnungen nicht immer in Stein gemeisselt sind. Und tatsächlich präzisierte eine Unterabteilung des Gesundheitsministeriums im Oktober, dass gewisse ausländische Gruppenversicherungen von der zitierten Verordnung ausgeschlossen seien. Selbst Fachleuten bleibt aus diesem Grund nichts anderes übrig, als zu warten.

Melanie Lioi, Direktorin des internationalen Beratungsunternehmens Swiss Insurance Partners, spricht von «zahlreichen Kundenanfragen», die sie in den vergangenen Wochen erhalten habe. Konkrete Auskunft aber habe sie den verunsicherten Auslandschweizern bisher nicht geben können. Denn auch die beiden grossen Versicherungskonzerne IHI Bupa und Cigna, mit denen Liois unter anderem zusammenarbeitet, fischten derzeit im Trüben, sagt sie.

Die KPT will nicht bekannt geben, ob sie weiterhin Kunden anwerben will, die sich temporär in den USA aufhalten. Die entsprechende Fragestellung, sagt Sprecherin Iseli, werde derzeit abgeklärt.