Kommentar

Schicksalswahl für die CSU in Bayern: Es steht viel auf dem Spiel

Jahrzehntelang hat die CSU mit absoluter Mehrheit regiert, doch damit dürfte es bald vorbei sein. Am 14. Oktober wählen die Bayern ihren Landtag neu und für die CSU sieht es düster aus.

Dominik Weingartner
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Für die CSU geht es bei der Landtagswahl in Bayern um alles. Die Wahlen in ihren Stammlanden sind für die Regionalpartei noch wichtiger als die Bundestagswahlen. In Bayern holt sich die CSU die Legitimation für ihre starke Rolle in Berlin. Diese könnte bei der Wahl am 14. Oktober empfindlich geschwächt werden. Laut Umfragen kommt die CSU nur noch auf rund 34 Prozent der Stimmen. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit 1950 – und die Partei wäre auf einen Koalitionspartner angewiesen. Bisher gehört die absolute Mehrheit in Bayern zur Identität der CSU. Bei der Wahl 2008 ging sie schon einmal verloren – Parteichef und Ministerpräsident mussten den Hut nehmen.

Dieses Szenario ist auch jetzt denkbar. CSU-Chef ist noch immer Bundesinnenminister Horst Seehofer. Sein Kopf könnte nach einem desaströsen Wahlergebnis rollen. Auch Ministerpräsident Markus Söder, erst seit März im Amt, könnte unter Druck geraten. Fraglich ist, ob sich Seehofer als Innenminister wird halten können. Im Frühjahr hat er die Grosse Koalition in Berlin mit seinen Forderungen nach einem härteren Kurs in der Migrationspolitik bereits an den Rand des Scheiterns gebracht. In der Bundesregierung wären deshalb viele nicht unglücklich, wenn Seehofer Geschichte wäre.

Die Frage ist, wie die CSU auf ein solches Beben und das damit verbundene Erstarken der Alternative für Deutschland reagieren würde. Zuletzt hat sie versucht, sich als rechte Alternative zur AfD zu positionieren – offenbar ohne Erfolg. Eine Radikalisierung dieses Kurses nach verlorenen Landtagswahlen könnte zum Bruch mit der CDU führen – und damit das Ende des nachkriegsdeutschen Parteiensystems einläuten.

Die AfD lehrt die CSU das Fürchten

Der CSU drohen bei den Landtagswahlen in Bayern empfindliche Verluste. Das politische Erdbeben könnte sogar das Kanzleramt erreichen.
Christoph Reichmuth, Deggendorf