Vizepräsident Pence sagt am Parteitag der Republikaner: Im Zentrum der kommenden Wahl stehe «Recht und Ordnung»

Vizepräsident Mike Pence hat am Mittwoch in einer feurigen Rede vor einer möglichen Präsidentschaft des Demokraten Joe Biden gewarnt. Die anhaltenden Demonstrationen gegen Polizeigewalt – und die mögliche Bluttat eines Anhängers von Präsident Donald Trump – bereitete dem geschmeidigen Politiker aber Kopfzerbrechen.

Renzo Ruf aus Washington
Drucken
Teilen
US-Vizepräsident Mike Pence salutiert nach seiner Rede.

US-Vizepräsident Mike Pence salutiert nach seiner Rede.

Kevin Dietsch / EPA

Als der Wahlkampfstab der Republikaner am späten Mittwoch den Text der Rede verschickte, mit der Vizepräsident Mike Pence den dritten Abend des Wahl-Parteitags abschloss, stand in dem E-Mail zu lesen: Über «Ergänzungen, Änderungen und Abweichungen von diesem vorbereiten Text» dürfe nicht berichtet werden.

Für diese Anweisung an Journalistinnen und Journalisten gab es einen guten Grund – sah sich Pence doch mit einem geradezu unlösbaren Problem konfrontiert. Wenige Stunden vor Beginn der Festlichkeiten der Republikaner war nämlich ein 17-Jähriger verhaftet worden, der vor zwei Tagen während Demonstrationen in Kenosha (Wisconsin) gegen Polizeigewalt und Rassismus zwei Menschen getötet haben soll.

Die Proteste in der Kleinstadt zwischen Milwaukee und Chicago waren ausgebrochen, nachdem ein weisser Stadtpolizist am Sonntag den Afroamerikaner Jacob Blake mit sieben Schüssen in den Rücken niedergestreckt hatte. Der mutmassliche Mörder, ein Anhänger einer weissen Bürgerwehr, reiste daraufhin nach Kenosha, um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen und Demonstranten in Schach zu halten. Angeblich sei er auch ein Fan des Präsidenten, schrieben amerikanische Medien. So nahm der 17-Jährige kurz vor der Vorwahl in Iowa im Januar 2020 an einer Trump-Veranstaltung in Des Moines teil.

Pence ist allerdings ein zu geschmeidiger Politiker, als dass er sich von einem wirren Anhänger beeindrucken liesse. In seiner Rede, die er vor historischer Kulisse in Baltimore (Maryland) hielt, ging er deshalb nicht direkt auf den Todesschützen ein. Pence sagte vielmehr, dass er und Präsident Donald Trump das Recht auf freie Meinungsäusserung unterstützten. Der Gewalt müsse aber ein Ende gesetzt werden, betonte er, und erwähnte dann explizit die aktuellen Brennpunkte der anhaltenden Demonstrationen gegen Polizeigewalt: Minneapolis (Minnesota), Portland (Oregon) und eben auch Kenosha.

Auch sagte der Vizepräsident: Sämtliche Amerikanerinnen und Amerikaner hätten ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben, ganz egal welche Religion oder Hautfarbe sie hätten. Die Aussage des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, dass es in Amerika einen systemischen Rassismus gebe, der Menschen mit dunkler Hautfarbe benachteilige, wies Pence aber scharf zurück. Pence betonte zudem, es stimme nicht, dass die Ordnungskräfte Angehörige der Bevölkerungsminderheiten schärfer anpackten. Ähnliche Töne schlug übrigens auch Biden an.

Näher ging Pence auf die neu aufgeflammte Krise nicht ein – obwohl die Turbulenzen in Kenosha am Mittwoch unter anderem dazu geführt hatte, dass mehrere Spiele der Profiligen NBA (Basketball) und MLB (Baseball) abgesagt werden mussten, weil die Spieler in den Ausstand traten. Präsidentschaftskandidat Biden sprach den Spielern auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Kompliment für diese Entscheidung aus.

Vielmehr bekräftige der Vizepräsident in seiner fast 40 Minuten dauernden Rede in der Befestigungsanlage Fort McHenry, dass Amerika vor einer Weggabelung stehe. Gewinne der politische Gegner die Wahl am 3. November, dann werde Amerika sich auf einen Pfad begeben, der im Sozialismus und Niedergang enden werde. Auch sagte er dem Fernsehpublikum: «In Bidens Amerika wären Sie nicht sicher.» Präsident Trump hingegen sei ein Anhänger von Recht und Ordnung, von «law and order», sagte Pence.

Trump gibt einen Gastauftritt

Und weil sich der Parteitag der Republikaner letztlich komplett um die Person Donald Trump dreht, trat der Präsident nach Abschluss dieser feurigen Ansprache auf die Bühne und liess sich zusammen mit Pence von den vielleicht 100 Zuschauern bejubeln. Trump war extra zusammen mit seiner Gattin Melania von Washington nach Baltimore gereist, um seinem Vizepräsidenten für seine Rede zu gratulieren.

Präsident Donald Trump und seine Frau Melania applaudieren Mike Pence.

Präsident Donald Trump und seine Frau Melania applaudieren Mike Pence.

Andrew Harnik / AP

Heute Donnerstag soll der Parteitag der Republikaner programmgemäss mit einer Rede Trumps vor dem Weissen Haus in Washington zu Ende gehen. Zuvor wird der Präsident allerdings noch gefordert sein. Hurrikan Laura steuerte in der Nacht auf Donnerstag (Lokalzeit) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde auf die Küste der Bundesstaaten Louisiana und Texas zu; Wetterfrösche prognostizierten Sturmfluten von bis zu 6 Metern Höhe.

Mehr zum Thema