Ukraine
Vom Seifenfabrikant zum Rebell: So tickt der OSZE-Geiselnehmer

Vier OSZE-Beobachter werden in der ostukrainischen Stadt Slawjansk von Separatisten festgehalten, darunter ein Schweizer. Ihr zwielichtiger Anführer, der selbsternannte Bürgermeister Wjatscheslaw Ponomarjow, verfolgt ein klares Ziel.

André Ballin, Moskau
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War früher angeblich Seifenhersteller: Wjatscheslaw Ponomarjow.KeY

War früher angeblich Seifenhersteller: Wjatscheslaw Ponomarjow.KeY

Knapp 120 000 Einwohner zählt die Stadt Slawjansk im Osten der Ukraine. Seit Ostern ist Wjatscheslaw Ponomarjow ihr selbsternannter Bürgermeister: Mit 2000 bewaffneten Mitkämpfern einer sogenannten Bürgerwehr-Einheit hält er die Stadt besetzt.

Die mit den Separatisten sympathisierende, aber doch nicht völlig loyale Bürgermeisterin Nelli Stepa hat er zur Seite geschoben und lässt sie bewachen. Zu ihrer eigenen Sicherheit, wie er sagt. Jede Geste, jeder Satz deuten auf die militärischen Wurzeln des vierschrötigen kleinen Mannes mit den Goldzähnen und dem schwarzen Kapuzenpullover hin.

Stadt zur Festung ausgebaut

«Wer gegen uns ist, wird vernichtet», sagt Ponomarjow. Das scheint keine leere Drohung, wie die mit Folterspuren aufgefundene Leiche eines proukrainischen Lokalpolitikers signalisiert. Der selbst ernannte Bürgermeister schiebt die Tat auf den «Rechten Sektor» – doch es ist unschwer zu erkennen, dass Ponomarjow selbst die völlige Kontrolle über die Stadt übernommen hat.

Ponomarjow hat Slawjansk konsequent zu einer Art Festung ausgebaut. Rund um die Stadt sind Sperrposten postiert, die, von mobilen Einheiten bewacht, alle Angriffe abwehren sollen. Etwa 40 Personen hat er Schätzungen nach inzwischen als «Kriegsgefangene» festgesetzt. Jüngstes Beispiel: Die vier Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)

«Gott sei Dank» kaum Informationen

Über seine Vergangenheit spricht der 49-Jährige nicht gern. Immerhin ist bekannt, dass der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes zuletzt vor dem «Krieg» Direktor einer Seifenfabrik in der Stadt war. Davor war es eine Textilfabrik und in den 90ern soll er Autos aus Russland in die Ukraine überführt haben; ein Geschäft, das damals stets am Rande der Legalität balancierte.

Zu Sowjetzeiten diente er bei den Streitkräften. Er habe an verschiedenen Spezialeinsätzen teilgenommen, sagte er auf einer Pressekonferenz, doch Details wollte er nicht preisgeben. «Gott sei Dank» gebe es nicht so viele Informationen über ihn, fügte er hinzu.

Ziel: Eingliederung in Russland

Wenn er seine Vergangenheit auch lieber im Dunkeln belässt, zu seinen Zukunftsplänen macht er klare Aussagen. Seine Heimatstadt will er zu einem Teil Russlands machen – ohne Kompromisse. Gegner der Abspaltung in Slawjansk gebe es nicht, versichert er. Verhandlungen mit Kiew lehnte er ab, ebenso die Teilnahme der Ostukraine an den Präsidentenwahlen.

«Drei Jahre» wird der Krieg dauern

Er spricht von Krieg, drei Jahre könne dieser dauern. «Zuerst werden wir den Osten und Südosten abtrennen. Dann werfen wir diese Idioten aus Kiew raus und marschieren bis Lwow», sagt er. Er meint es ernst. Leere Drohungen sind nicht Ponomarjows Stil.