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Von der Guerilla-Kämpferin zur Kaffeewirtin: Wie Ex-Rebellen in Kolumbien wieder Fuss fassen

Ehemalige kolumbianische Rebellen sollen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Ihre einstigen Anführer haben andere Pläne.
Klaus Ehringfeld aus Popayán
Weiterbildungen in der Kaffeewirtschaft sollen dabei helfen, Ex-Guerilla-Kämpfer wieder in die Gesellschaft einzugliedern. (Bild: AFP)

Weiterbildungen in der Kaffeewirtschaft sollen dabei helfen, Ex-Guerilla-Kämpfer wieder in die Gesellschaft einzugliedern. (Bild: AFP)

Monica Pedroza hat die Kalaschnikow gegen Kaffee getauscht. Die frühere Guerilla-Kämpferin der «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens», kurz Farc, hat in einer viermonatigen Ausbildung gelernt, wie man Kaffee pflanzt, erntet, röstet und vermarktet. Dass sie je einen solchen Job haben würde, das hätte die junge Frau, die jahrelang für die Rebellen kämpfte, nie gedacht.

Die Farc wurde 1964 gegründet und lieferten sich bis 2016 Kämpfe mit den kolumbianischen Streitkräften. Ihr Ziel: mit Gewalt gegen die soziale Ungerechtigkeit kämpfen. Es entstand ein Bürgerkrieg, dem 220'000 Menschen zum Opfer fielen – überwiegend Zivilisten.

Ist der Waffenstillstand in Gefahr?

Die frisch diplomierte Kaffeewirtin Monica Pedroza war fast 14 Jahre bei den Farc. Damals hiess Pedroza noch «Karina». Es war ihr Kampfname. Aber vor drei Jahren war Schluss für «Karina». 2016 beschlossen die Farc und die kolumbianische Regierung einen Waffenstillstand. Ehemalige Farc-Mitglieder sollten wieder in die Zivilbevölkerung eingegliedert werden. Als Pedroza von dem Abkommen hörte, wusste sie sofort, dass das ihr Ticket in ein neues Leben war. Sie hatte schon lange genug vom Töten, Entführen, dem Drill, dem Schweiss, dem ewigen entbehrungsreichen Leben im Busch, das sie als Pubertierende begonnen hatte. «Ich konnte und wollte mir diese Chance nicht entgehen lassen», sagt sie.

Heute hängt das historische Abkommen jedoch am seidenen Faden. Iván Duque, der kolumbianische Präsident, boykottiert die Umsetzung, wo er nur kann. Einige der ehemaligen Farc-Kämpfer wollen deshalb wieder zu den Waffen greifen. Iván Márquez, einer der Anführer des radikalen Flügels der Ex-Guerilla, sieht keinen anderen Weg, das einstige Ziel zu erreichen.

Die Rückkehr zum Guerilla-Kampf sei die Antwort auf den Verrat des Staates gegenüber dem Abkommen von Havanna, begründet Márquez seine Entscheidung. Rund 2000 ehemalige Kämpfer haben sich seinem Aufruf in den vergangenen Wochen bereits angeschlossen.

40 kleine Erfolgsgeschichten

Nicht so Monica Pedroza. Die junge Kaffeewirtin will nicht mehr «Karina» sein. Sie will ein Leben mit einer Perspektive. Die Entscheidung der Márquez-Anhänger, wieder zu den Waffen zu greifen, sei traurig, sagt sie. «Aber was diese Leute tun, ist ihre Sache».

Monica Pedroza, einst Rebellin, heute Kaffee-Unternehmerin. (Bild: Klaus Ehringfeld)

Monica Pedroza, einst Rebellin, heute Kaffee-Unternehmerin. (Bild: Klaus Ehringfeld)

Ende September erhielten neben Pedroza noch 39 andere ehemalige Guerilla-Kämpfer im südkolumbianischen Departement Cauca ihr Diplom als Kaffeewirt. Manche haben noch ein Kindergesicht.

Als die Farc noch aktiv war, lag in den Bergen Caucas eine ihrer Hochburgen. Von hier aus kontrollierten sie ihre Gebiete. Heute ist der Ort ein Sinnbild für die gelungene Re-Integration der Ex-Rebellen – obwohl alle vom scheiternden Friedensprozess, von frustrierten Ex-Guerilla-Kämpfern, von einem ignoranten Präsidenten und von unerfüllten Versprechen reden. In der Kaffeefortbildungsschule in Popayán können trotzdem 40 kleine Erfolgsgeschichten erzählt werden.

500 000 Kilo Rebellen-Kaffee für Italien

Bei der Diplomfeier der Kaffeewirte sind neben den Ex-Rebellen auch Funktionäre, Politiker und Vertreter internationaler Organisationen anwesend. Mit der Nachricht der Wiederbewaffnung von Teilen der Farc gehen sie gelassen um: Die Drohungen werden schlicht ignoriert. Stattdessen zeigen die früheren Guerilla-Kämpfer mit Stolz, was sie in ihrer Ausbildung gelernt haben. Der Ex-Guerillero Antonio Pardo hält ein Paket mit Kaffee in der Hand. «Un Tinto por la pazz», «Ein Kaffee für den Frieden» heisst seine Rebellen-Röstung.

Pardo sagt, es sei anfangs schwer gewesen, Abnehmer für den Kaffee zu finden. Eine schwedische Kaffeehauskette hatte Interesse, aber die kolumbianische Regierung liess eine Farc-Delegation nicht nach Skandinavien ausreisen. Mit der italienischen Marke Illy wurden nun trotzdem Abnehmer gefunden. «Dieses Jahr gehen 500 000 Kilo nach Italien und 100 000 Kilo nach Australien», sagt Pardo. 2020 sollen es dann schon zwei Millionen Kilo sein. «Und die Käufer zahlen eine Friedensprämie von 3.50 Euro pro Kilo.»

Ex-Guerilla-Kämpferin Monica Pedroza wird in diesen Tagen nach Spanien reisen, um eine Barista-Fortbildung zu machen. «Ich träume davon, später mal mein eigenes Café in Cauca aufzumachen», sagt sie. Der Traum eines gerechteren Lebens? Für sie hat er sich erfüllt, ganz ohne die Farc.

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