Frankreich

Von Napoleon bis Hollande: Das sind die berühmten Vorgänger des zukünftigen Präsidenten

Am Sonntag, 23. April, findet der erste Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen statt. Der Ausgang ist noch völlig offen. Hingegen klar ist: Der zukünftige Präsident hat viele berühmte Vorgänger. In der Bildergalerie stellen wir Ihnen die demokratisch gewählten Staatsoberhäupter der vergangenen Jahrhunderte vor.

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Napoleon III. (20. April 1808 bis 9. Januar 1873) Napoleon III., der Grossneffe vom berühmten Napoleon Bonaparte, wurde 1848 zum ersten Präsidenten des republikanischen Frankreichs gewählt. Vor Ablauf seiner Amtszeit errichtete er 1851 mittels eines Staatsstreiches eine Diktatur, die ein Jahr darauf in das Zweite Kaiserreich mündete. In den folgenden Jahren zwangen ihn Wirtschaftskrisen und aussenpolitische Rückschläge zu liberaleren Zügen. So gestand er dem Parlament mehr Rechte zu, erweiterte die Pressefreiheit und liess Gewerkschaften zu. Im Deutsch-Französischen Krieg gerät er nach einer verlorenen Schlacht in Kriegsgefangenschaft. Währenddessen wird in Frankreich die dritte Republik ausgerufen und Napoleon als Kaiser abgesetzt.
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Louis Adolphe Thiers (15. April 1797 bis 3. September 1877) Am 8. September 1870 wurde die dritte Republik ausgerufen und Adolphe Thiers zu ihrem ersten Präsidenten gewählt. Er verfolgte eine konstitutionelle Monarchie nach Vorbild der Julimonarchie. In Konflikt geraten mit den Ultraroyalisten trat er vom Amt zurück. 1877 stellte er sich erneut zur Wahl, verstarb jedoch während des Wahlkampfes.
Patrice Edme, comte de MacMahon (13. Juli 1808 bis 17. Oktober 1893) Als Ultra-Monarchist versuchte MacMahon die Monarchie wieder zu etablieren - scheiterte jedoch mit seinem Vorhaben. In der Folge nahmen die Wahlerfolge der Republikaner zu, die ihn dazu zwangen, republikanische Kabinette zu bilden. Als er einsah, dass ein von ihm angestrebter royalistischer Umschwung aussichtslos bleiben würde, trat er vom Amt zurück.
Jules Grévy (15. August 1807 bis 9. September 1891) Nach dem Rücktritt seines politischen Gegners MacMahon wurde Grévy von den Abgeordneten zum Staatspräsidenten gewählt. Dies stellte einen entscheidenden Schritt in der Demokratisierung des französischen Staatswesens dar. Seine Innenpolitik war geprägt durch die Stärkung des Parlaments und die Durchsetzung des Prinzips des Laizismus. 1887 zwang ein familiärer Skandal Grevy zum Rücktritt.
Marie François Sadi Carnot (11. August 1837 bis 25. Juni 1894) Carnot, Sohn und Enkel bekannter Staatsmänner, wählte ebenfalls den Weg in die Politik. Innerhalb weniger Jahre verdiente er sich den Ruf eines integer angesehenen Politikers, der ihm nach dem Rücktritt Grevys zur Präsidentschaft verhalf. Seine Amtszeit war geprägt durch die verdeckten Attacken von General Boulanger und dem Panamaskandal. Der populäre Politiker verstarb, nachdem er von einem italienischen Anarchisten mit einem Messer niedergestochen wurde.
Jean-Casimir Périer (8. November 1847 bis 11. März 1907) Entgegen seiner Familientradition unterstützte Périer den linken Flügel der Republikaner. Seine politische Karriere erlebte ihren vorläufigen Höhepunkt, als er 1893 zum Premierminister ernannt wurde. Nach dem Attentat auf Carnot wurde er zum Präsidenten der Republik gewählt. In seine Amtszeit fiel der Beginn der Dreyfus-Affäre und sollte deshalb nur von kurzer Dauer sein: Nach sechs Monaten reichte Périer seinen Rücktritt ein.
Felix Faure (30. Januar 1841 bis 16. Februar 1899) Faure begann seine berufliche Laufbahn als Gerber und Kaufmann in Le Havre, brachte es jedoch als Inhaber einer eigenen Handelsfirma zu beachtlichem Wohlstand, bevor er in die Politik ging. Er machte sich einen Namen als gemässigter, republikanischer Politiker, der nach dem Rücktritt Périers zum Präsidenten gewählt wurde. In seine Amtszeit fiel die Dreyfus-Affäre, dessen Verfahren er jedoch nicht wieder aufnehmen wollte. Noch im Amt verstarb Faure in den Armen seiner Mätresse 1899. Über die Umstände seines Todes kursieren zahlreiche Legenden.
Émile Loubet (31. Dezember 1838 bis 20. Dezember 1929) Rechtswissenschaftler Loubet war ein linksbürgerlicher Freimaurer. Während seiner Amtszeit forcierte er die Trennung von Kirchen und Staat, setzte sich für eine Wiederaufnahme des Dreyfus-Verfahrens ein und begnadigte schliesslich Alfrey Dreyfus. Zudem engagierte er sich stark in der Aussenpolitik. Nach Ablauf seiner Amtszeit verzichtete Loubet auf eine erneute Kandidatur.
Armand Fallières (6. November 1841 bis 21. Juni 1931) Fallières wurde im ersten Wahlgang mit Unterstützung der Linken zum Staatspräsidenten gewählt. Politisch situierte er sich am linken Rand der Radikalen Partei und war hochgradiger Freimaurer. In der Vorkriegszeit bemühte er sich vorrangig um die Festigung der Triple Entente – dem Bündnis mit England und Russland. Nach Ablauf seiner Amtszeit zog er sich aus dem politischen Leben zurück.
Raymon Poincaré (20. August 1860 bis 15. Oktober 1934) Poincarés Leben zeugt von einer erfolgreichen politischen Karriere. Neben seiner Präsidentschaft, die er 1913 mit Unterstützung des Mitte-Rechts-Bündnisses erreichte, war er von 1912 bis 1929 auch fünf Mal Premierminister. Er stärkte die Triple Entente und forderte nach Beginn des Ersten Weltkrieges die Union sacrée - das Gegenstück zum deutschen Burgfrieden. Nach dem Krieg und dem Ende seiner Amtszeit ließ er als Präsident der Reparationskommission 1923 das Ruhrgebiet besetzen.
Paul Deschanel (13. Februar 1855 bis 28. April 1922) Als bekannter Redner der republikanischen Fortschrittspartei bekämpfte Deschanel die Linke. Als er sich 1920 im Wahlkampf gegen seinen Konkurrenten Georges Clemenceau durchsetzte, war er der bisher einzige französische Präsident, der zuvor kein Ministeramt bekleidet hatte. Doch seine Amtszeit währte nur kurz: Bereits einen Monat nach Antritt zeigten sich mentale Probleme und Zeichen von seniler Demenz. Noch im selben Jahr trat Deschanel zurück.
Alexandra Millerand (10. Februar 1859 bis 7. April 1943) Millerand gewann Einfluss durch die Diskreditierung vieler Abgeordneter nach dem Panama-Skandal. Als der radikale Sozialist 1904 aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen wurde, wurde seine Einstellung deutlich konservativer. Das verhalf ihm zum Erfolg: Nach Deschanels Rücktritt einigten sich «Bloc National» und das Linksbündnis «Cartel des Gauches» auf Millerand als Nachfolger. Obwohl er eine aktive Rolle anstrebte, wies ihm die Verfassung der Dritten Republik Schranken auf. Nach dem Sieg der Linken trat er 1924 zurück.
Gaston Doumergue (1. August 1863 bis 18. Juni 1937) Doumegue stieg als Radikalsozialist in die Politik ein, entwickelte sich jedoch im Laufe seines Lebens zum Konservativen. Er war kurzfristig von 1913 bis 1914 Premierminister und von 1924 bis 1931 als erster Protestant Präsident der Republik. Obwohl Doumergue sehr beliebt war, lehnte er eine erneute Kandidatur nach Ablauf seiner Amtszeit ab.
Paul Doumer (22. März 1857 bis 7. Mai 1932) Als hochgradiger Freimaurer wurde Doumer 1931 zum vorletzten Präsidenten der Dritten Republik gewählt. Knapp ein Jahr später feuerte ein russischer Emigrant mehrere Schüsse auf Doumer ab. Einen Tag später erlag der Präsident seinen Verletzungen.
Albert Lebrun (29. August 1871 bis 6. März 1950) Nach Doumers Ermordung wurde Lebrun durch beide Parlamentskammern zum letzten Präsidenten der Dritten Republik gewählt. Seine Präsidentschaft währte über zwei Amtszeiten, seinen sozialistischen Gegenkandidaten schlug er in seiner Wiederwahl mit grosser Mehrheit. Nach der militärischen Niederlage gegen Deutschland verlor Lebrun am 10. Juli 1940 sein Amt.
Vincent Auriol (27. August 1884 bis 1. Januar 1966) Auriol gehörte als Sozialist der SFIO an und wurde am 16. Januar 1947 zum ersten Präsidenten der Vierten Republik gewählt. Im Kalten Krieg näherte er Frankreich den USA und Grossbritannien an. Dies im Gegensatz zu Deutschland und den französischen Kolonien. So stellte er sich sowohl gegen eine deutsche Wiederbewaffnung und gegen die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien. Dies verschärfte den Indochinakrieg noch zusätzlich.
René Coty (20. März 1882 bis 22. November 1962) Als erster konservativer Präsident beendete Coty den Indochinakrieg und entliess Marokko und Tunesien in die Unabhängigkeit. Coty sah sich jedoch auch mit Unruhen konfrontiert: Destabilisiert durch den Sueskrise und den eskalierenden Algerienkrieg wurde die Vierte Republik von links und rechts bekämpft. Coty schaffte es, einen drohenden Staatsstreich zu verhindern, indem er Charles de Gaulle zur Wahl zum Ministerpräsidenten mit weitreichenden Notstandsbefugnissen vorschlug. 1958 stimmte das französische Volk einer Verfassungsänderung zu, die in die Fünfte Republik mündete.
Charles de Gaulle (22. November 1890 bis 9. November 1970) De Gaulle entliess Algerien in die Unabhängigkeit, nachdem er dem Krieg ein Ende gesetzt hatte. Weiter etablierte der erste Präsident der Fünften Republik Frankreich als eine unabhängige Atommacht im Kalten Krieg und begründete mit Bundeskanzler Konrad Adenauer die deutsch-französischen Beziehungen - die erste Annäherung an Deutschland seit Jahrzehnten. Nach landesweiten Studentenunruhen und Generalstreiks 1968, die sich durch den konservativ-autoritären Geist des gaullistischen Frankreichs aufluden, trat de Gaulle 1969 zurück.
Georges Pompidou (5. Juli 1911 bis 2. April 1974) Pompidou wurde nach de Gaulles Rücktritt zum französischen Präsidenten gewählt. Während seiner Amtszeit setzte er sich für eine Erweiterung der EWG ein und drängte innenpolitisch auf eine Modernisierung von Writschaft, Gesellschaft und Kultur. Der Gaullist verstarb im Amt.
Valéry Giscard d'Estaing (2. Februar 1926) Giscard war ein überzeugter Europapolitiker und förderte die politische Integration der Europäischen Gemeinschaft weiter. Gleichzeitig beharrte er aber auch auf Frankreichs Souveränität gegenüber den Grossmächten. Denn: Giscards Amtszeit war geprägt von den beiden Ölkrisen und steigender Arbeitslosigkeit. Angesichts der Notwendigkeit zur Energieeinsparung führte er 1975 die Sommerzeit ein. Auch nach seiner Abwahl 1981 blieb Giscard europafreundlich: Unter anderem war er Abgeordneter im Europäischen Parlament sowie Präsident der internationalen Europäischen Bewegung.
François Mitterrand (26. Oktober 1916 bis 8. Januar 1996) Vor seiner Amtszeit als Präsident bekleidete Mitterrand verschiedene politische Ämter und entwickelte sich als linker Widersacher de Gaulles zum Führer der Linken. Zwei Mal unterlag er bei den Präsidentschaftswahlen - wenn auch nur knapp -, bis er 1981 zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Mitterand war das erste sozialistische Staatsoberhaupt Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl er die Europäische Union zusammen mit Bundeskanzler Helmut Kohl entscheidend vorantrieb, war er auch immer besorgt, Deutschland könne in Europa wieder mächtig werden. Nur zögerlich liess er sich deshalb von den Chancen der deutschen Einigung überzeugen. Innenpolitisch setzte er sich für eine massvolle Dezentralisierung ein und schaffte die Todesstrafe ab.
Französische Staatsoberhäupter von Napoleon bis Hollande
Nicolas Sarkozy (28. Januar 1955) Sarkozy ist Mitglied der konservativen Partei UMP, wo er bis zu seiner Präsidentschaft als Vorsitzender tätig war. Während seiner Amtszeit als Präsdient setzte er sich 2011 massgebend für den internationalen Militäreinsatz in Libyen ein. 2012 unterlag er bei den Präsidentenwahlen seinem Gegenkandidaten Hollande.
François Hollande (12. August 1954) Der amtierende Präsident Frankreichs hatte es in den vergangenen fünf Jahren nicht leicht: Europaweite Krise, Überschuldung von Staat und Sozialsystem sowie die anhaltende Deindustrialisierung Frankreichs. Seine Popularitätswerte waren ein Jahr nach Amtsbeginn die schlechtesten aller Präsidenten der Fünften Republik.

Napoleon III. (20. April 1808 bis 9. Januar 1873) Napoleon III., der Grossneffe vom berühmten Napoleon Bonaparte, wurde 1848 zum ersten Präsidenten des republikanischen Frankreichs gewählt. Vor Ablauf seiner Amtszeit errichtete er 1851 mittels eines Staatsstreiches eine Diktatur, die ein Jahr darauf in das Zweite Kaiserreich mündete. In den folgenden Jahren zwangen ihn Wirtschaftskrisen und aussenpolitische Rückschläge zu liberaleren Zügen. So gestand er dem Parlament mehr Rechte zu, erweiterte die Pressefreiheit und liess Gewerkschaften zu. Im Deutsch-Französischen Krieg gerät er nach einer verlorenen Schlacht in Kriegsgefangenschaft. Währenddessen wird in Frankreich die dritte Republik ausgerufen und Napoleon als Kaiser abgesetzt.

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