Falkland-Krieg
Vor 30 Jahren zu Ende: Der Krieg um «ein paar eisige Felsen»

In den letzten Jahren sind neue, brisante Einzelheiten über den Falklandkrieg bekannt geworden. Die scheinbar triumphale britische Rückeroberung der Inseln erscheint heute glücklicher und kontroverser als in Londons offizieller Version von 1982.

Christian Nünlist
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Das Ende des Falklandkriegs jährt sich zum dreissigsten Mal
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Das britische Kriegsschiff HMS Sir Galahad steht nach einem argentinischen Luftangriff in der Bucht von Bluff Cove in Flammen.
Argentinische Soldaten beim Rauchen in einem Bunker
Nach einem Torpedo-Angriff der Briten: Ein argentinisches Kriegsschiff sinkt
Argentinische Kriegsgefangene
Der Union Jack oberhalb der Ajax Bay
Britische Fallschirmjaeger bergen unter argentinischem Feuer einen Verwundeten,
Landungsfahrzeuge der argentinischen Streitkraefte in einer Strasse von Port Stanley

Das Ende des Falklandkriegs jährt sich zum dreissigsten Mal

Keystone

Heute vor 30 Jahren, am 14. Juni 1982, ging der zweimonatige Falkland-Krieg mit der Kapitulation Argentiniens zu Ende. Am 2. April 1982 waren argentinische Soldaten in einer hastig geplanten Aktion auf den Falklandinseln gelandet. Seit dem 17. Jahrhundert herrschte um die Inseln ein Territorialdisput zwischen England und Argentinien. Briten landeten zwar um 1690 als erste auf der Inselgruppe; die erste Siedlung erfolgte jedoch 70 Jahre später durch Spanien. Nach der Unabhängigkeit erbte Argentinien den spanischen Anspruch auf das Archipel, aber eine britische Expedition vertrieb die Argentinier um 1833. 1964 brachte Buenos Aires die Frage vor die UNO, was zu jahrelangen, unergiebigen Verhandlungen führte.

Im Frühjahr 1982 entschied sich der argentinische Militärdiktator Leopoldo Galtieri, mit einem schnellen, patriotischen Sieg in der Falklandfrage von der misslichen wirtschaftlichen Lage und den Menschenrechtsverletzungen im Land abzulenken. Er erwartete nur geringen Widerstand, da London die Verteidigungsausgaben reduzieren wollte und eben erst den Abzug seines einzigen Kreuzers vor Ort angekündigt hatte.

Eine Frage der Ehre

Premierministerin Margaret Thatcher war jedoch nicht bereit, diesen Affront gegen das britische Prestige zu akzeptieren, und reagierte unverzüglich sowohl mit geschickter Diplomatie als auch mit der Entsendung einer militärischen Eingreiftruppe. Bereits am 3. April 1982 verurteilte der UNO-Sicherheitsrat die unprovozierte Aggression Argentiniens und forderte den Rückzug der Truppen. London verfügte damit über die notwendige Legitimität zum Einsatz militärischer Mittel, sollten Vermittlungsversuche der USA und der UNO scheitern.

Nach geheimdienstlichen Informationen, wonach eine Invasion unmittelbar bevorstehe, hatte die britische Regierung bereits am 1. April entschieden, eine militärische Eingreiftruppe, bestehend aus rund 36 Kriegsschiffen und 5000 Soldaten, auf die 12 000 Kilometer lange Atlantikreise zu entsenden. Dass diese «Task Force» bereits am 5. April in See stechen konnte, kam einer logistischen Meisterleistung gleich.

Für die US-Regierung unter Ronald Reagan bedeutete der potenzielle Konflikt zwischen dem traditionell bedeutsamsten Nato-Partner und Argentinien, seit Reagans Machtantritt ein zentraler Verbündeter in Südamerika, ein Dilemma: Der US-Präsident konnte nicht verstehen, weshalb sich zwei seiner Alliierten um «ein paar eisige Felsen» stritten.

Während US-Aussenminister Alexander Haig zwischen London und Buenos Aires zu vermitteln versuchte, unterstützten die Vereinigten Staaten die Briten im Verborgenen so gut sie konnten. Sie stellten der britischen Streitmacht auf der Insel Ascension, dem strategisch unentbehrlichen Brückenkopf zwischen England und den Falk-landinseln, nicht nur das Flugfeld, sondern nebst Kriegsmaterial im Wert von 100 Millionen US-Dollar auch gigantische Mengen an Treibstoff zur Verfügung, inklusive der eigenen strategischen Reserven. Am 30. April erklärte Reagan schliesslich seine Unterstützung für Grossbritannien und ergriff - wie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bereits am 10. April - Wirtschaftssanktionen gegen Argentinien.

«Wir sind wieder eine globale Macht»

Der eigentliche Krieg begann am 1. Mai mit britischen Bombardements. Am Tag darauf trafen die Seestreitkräfte aufeinander - eine der wenigen Seeschlachten seit 1945 begann. Zwar versenkte die britische Navy gleich zu Beginn den Kreuzer «Belgrano» - ein Torpedoangriff, der 386 argentinische Opfer forderte. Der Seekrieg offenbarte jedoch insgesamt die eklatante Schwäche der Nahbereichs-Luftverteidigung der britischen Kriegsschiffe, insbesondere gegen argentinische «Exocet»-Raketen aus französischer Produktion.

Nach einem kurzen, aber harten Landkrieg kapitulierte Argentinien am 14. Juni 1982; Grossbritannien erklärte die Feindseligkeiten nach 74 Tagen für beendet. 255 britische und 649 argentinische Soldaten waren im Krieg gefallen. Die britische Nation verfiel in einen kollektiven nationalen Rausch, gefördert von Äusserungen der britischen Premierministerin Margaret Thatcher wie: «Wir sind wieder eine globale Macht.» Der Falklandkrieg führte zu einem enormen Popularitätsschub für Thatcher, die 1983 glorios wiedergewählt wurde.

Briten hatten Atomwaffen an Bord

Anfangs des 21. Jahrhunderts haben zahlreiche Enthüllungen für internationales Aufsehen gesorgt. Im Dezember 2003 gab das britische Verteidigungsministerium zu, dass zwei ihrer Fregatten Nuklearwaffen mit sich geführt hatten. Der britische Historiker Sir Lawrence Freedman, der 2005 die «offizielle Geschichte» des Falklandkriegs vorlegte, hat jedoch in den von ihm gesichteten Akten keinen Hinweis auf einen geplanten Einsatz von Atomwaffen gefunden. Im Gegenteil, die mitgeführten Nuklearbomben befanden sich zu keiner Zeit in der Kampfzone.

Auch die britisch-chilenische Kooperation im Krieg blieb geheim, bis Freedman enthüllte, wie London von Pinochets Militärdiktatur wichtige geheimdienstliche Informationen über die Bewegungen der argentinischen Streitkräfte erhalten hatte. Im Gegenzug verkaufte Grossbritannien Chile Kampfflugzeuge zu einem Vorzugspreis.

2002 hat zudem der britische Oberbefehlshaber Admiral John Woodward zugegeben, dass Grossbritannien den Krieg wohl verloren hätte, wenn Argentinien nur ein paar Tage später kapituliert hätte - die Essrationen und die Munition der Briten neigten sich nämlich am 14. Juni dramatisch dem Ende zu. Woodward glaubt, dass London den Krieg «nur mit Glück» gewonnen habe.