Ägypten
Vor Generalstreik: Internet abgeschaltet, Züge stehen still

Ungeachtet der Ausgangssperre gehen die Proteste gegen das Regime des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak auch am Dienstag weiter. Die Regierung kappt das Internet und Handy-Netze. Heute kommt es zum Generalstreik.

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Die Proteste gegen das Mubrak-Regime gehen weiter
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 Die ganze Nacht durch lieferten sich die Demonstranten Strassenschlachten im Zentrum Kairos.
Der Tahir-Platz im Stadtzentrum Zahlreiche Journalisten sollen letzte Nacht hier vom Mob eingeschlossen worden sein. Einige berichten, wohl nur dank dem Eingreifen des Militärs nicht zu Tode geprügelt worden zu sein.
Zu Dutzenden fliegen Steine durch die Luft Die Spitäler müssen hunderte Verletzte versorgen.
 Pro-Mubarak-Demonstranten formierten sich zu tausenden zu Mobs, die durch die Strassen ziehen und Oppositionelle attackieren.
 Unter den Demonstranten der Opposition befinden sich zahlreiche Familien mit Kindern.
Massenproteste gehen weiter
Tahrir-Platz in Kairo
Privatpolizei kontrolliert Auto.
Von Tränengas gezeichneter Demonstrant
Demonstrantinnen in der Innenstadt
Millionen Ägypter demonstrieren in der Innenstadt
Grossdemo in der Innenstadt
Nur weg: Am Flughofen herrscht viel Betrieb.
Vater mit Kind am Rande der Demonstrationen
Am Rande der Grossdemo.
Soldat mit gezückter Waffe.
Verstopfte Strassen in Kairo

Die Proteste gegen das Mubrak-Regime gehen weiter

Heute Dienstagmittag will die Jugendbewegung «6. April», die massgeblich die bisherigen Proteste mit organisiert hatte, eine Million Demonstranten auf die Strasse bringen - so viele wie noch nie.

Der neue Massenprotest soll eine Woche nach Beginn der Proteste Mubarak endgültig zum Rücktritt zwingen. Die Demonstranten wollen zum Präsidentenpalast ziehen. Zur Behinderung der Anreise sei der Eisenbahnverkehr landesweit unterbrochen worden, berichtete Al-Dschasira weiter.

Unterbindung der Kommunikation

Zur Unterbindung der Kommunikation will die Regierung das Mobiltelefonnetz kappen. Das berichteten Medien und Regierungsvertreter in der Nacht zum Dienstag.

Ein weiterer ägyptischer Internetprovider, die Noor Group, sei am Montagabend von Netz genommen worden. Das teilte Renesys mit, ein amerikanisches IT-Unternehmen aus New Hampshire, das für Internet-Anbieter die Sicherheit und die Infrastruktur des Netzes überprüft. Das sei der letzte Internetprovider gewesen, der funktioniert habe, hiess es in einem Medienbericht.

Mubarak beauftragte unterdessen seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman, mit der Opposition zu sprechen. Das Büro Suleimans sagte dem US-Nachrichtensender CNN, dass erste Kontakte zur Opposition geknüpft worden seien.

Es gab nach CNN-Angaben aber keine Hinweise, welche Vorschläge gemacht worden seien. Auch lagen keine Reaktionen von Oppositionellen vor. Zudem fehlten Angaben über die Gesprächspartner.

Militär: Keine Gewalt gegen Bürger

Im Vorfeld der geplanten Massendemonstration signalisierte das Militär, dass es nicht auf friedliche Demonstranten feuern werde. "Wir erkennen die Legitimität der Forderungen der Bürger an", hiess es in der Erklärung der Militärführung, die am Montagabend veröffentlicht wurde. "Wir werden keine Gewalt gegen die Bürger einsetzen."

Bereits gestern Montagabend versammelten sich trotz Ausgangssperre wieder Zehntausende Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Die Kundgebungsteilnehmer forderten weiter den Rücktritt Mubaraks. Seine Politik der kleinen Aussöhnungsschritte beeindruckt die Opposition wenig.

Auch gegen 3.00 Uhr Ortszeit hielten sich noch immer Hunderte von Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo auf.