USA
VW-Chef auf dem heissen Stuhl: "Ich wurde übers Ohr gehauen"

Der amerikanische VW-Chef Michael Horn stellte sich dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses. Dabei gelang es ihm nicht, alle offenen Fragen zu beantworten

Renzo Ruf, Washington
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Michael Horn, Chef von Volkswagen USA, stellt sich den Fragen des amerikanischen Kongresses.JIM LO SCALZO/EPA/Keystone

Michael Horn, Chef von Volkswagen USA, stellt sich den Fragen des amerikanischen Kongresses.JIM LO SCALZO/EPA/Keystone

KEYSTONE

Morgan Griffith ist ein Hinterbänkler der alten Schule. Seit 2011 vertritt der Republikaner einen ländlichen Wahlkreis im Bundesstaat Virginia im nationalen Repräsentantenhaus, wo das 57-jährige Mitglied des Energie- und Handelsausschusses bisher nicht gross aufgefallen ist. Am Donnerstag nun schlug seine Stunde.

In der ersten parlamentarischen Anhörung zum Volkswagen-Abgasskandal bekannte sich Griffith nämlich dazu, Besitzer eines (gebrauchten) Volkswagen Passat, Baujahr 2012, zu sein – ausgestattet mit einem angeblich sauberen Dieselmotor, der aber mehr Stickoxid ausstösst als in Amerika erlaubt.

Er sei deshalb persönlich von den Verfehlungen des deutschen Autobauers betroffen, sagte Griffith an die Adresse des amerikanischen VW-Chefs Michael Horn. «Ich bin Ihr Kunde, und ich bin sehr enttäuscht»: Enttäuscht über die Informationspolitik des Volkswagen-Konzerns und enttäuscht über die bisherigen Vorschläge von Volkswagen zur Lösung des Problems.

«Ich wurde übers Ohr gehauen», sagte Griffith zu Horn, und zwar nicht von seinem Freund, der ihm den Passat verkauft habe, sondern von Volkswagen. Seiner Meinung nach müsse der Autobauer deshalb in den USA sämtliche 482 000 Diesel-Fahrzeuge der Marken VW und Audi zurückkaufen, die mit einer Software ausgestattet sind, mit der sich Abgastests manipulieren lassen. Horn schaute ihm mit steinerner Miene zu.

Zuvor hatte er, auf einen ähnlichen Vorschlag der Demokratin Jan Schakowsky gesagt: «Das ist ein Vorgehen, das wir derzeit prüfen.»

Horn, der seit Januar 2014 an der Spitze von Volkswagen Group of America steht, musste sich mehr als zwei Stunden den Fragen empörter Parlamentarierinnen und Parlamentarier stellen.

Der Deutsche schlug sich leidlich, obwohl er bisweilen Probleme hatte, die Fragen der Volksvertreter zu verstehen, und seine Antworten in passables Englisch zu kleiden. Immer wieder musste Horn sagen, dass er keine Auskunft über die internen Ermittlungen in der VW-Zentrale geben könne, die der deutsche Autobauer an die amerikanische Anwaltsfirma Jones Day ausgelagert hat.

Er verwies aber darauf, dass er bloss an der Spitze der amerikanischen Tochtergesellschaft stehe, und die Manipulationen an der Software der Diesel-Fahrzeuge am Konzernsitz in Wolfsburg vorgenommen worden seien. Er glaube aber nicht, dass die Verantwortlichen – drei Angestellte in Deutschland wurden zwischenzeitlich suspendiert – durch den Aufsichtsrat von Volkswagen instruiert worden seien.

Immerhin: Horn räumte ein, dass Aussenstehende schwer nachvollziehen könnten, wie eine Handvoll von Softwareentwicklern Millionen von Fahrzeugen manipulierten. «Ich stimme Ihnen zu», sagte er an die Adresse des Abgeordneten Joe Kennedy.

«Das ist schwer zu glauben.» An einer anderen Stelle fluchte Horn gar, um den Parlamentariern vor Augen zu führen, dass er es ernst meine, wenn er sage, Volkswagen stehe vor einer der grössten Bewährungsproben in der Geschichte des Autobauers.

Es werde höchstwahrscheinlich bis zu zwei Jahre dauern, bis sämtliche betroffene Fahrzeuge technisch aufgerüstet worden seien. Während dies bei einigen Fahrzeugen bloss ein Software-Update erfordert, müssen rund 430 000 Autos aufgerüstet werden.

Horn versprach aber auch, dass die betroffenen Fahrzeuge in diesem Prozess weder an Leistung noch an Effizienz verlieren würden. Daraufhin wollte die Abgeordnete Schakowsky wissen, warum denn die Autos manipuliert worden seien, wenn Volkswagen die Abgaswerte in Amerika auch auf anderem Weg einhalten könne. Horns Antwort: «Ausgezeichnete Frage.»