Wahlen in Sachsen-Anhalt
Horrorszenario für Laschet abgewendet: Der CDU-Kanzlerkandidat geht gestärkt in die entscheidende Runde

Die Angst war gross, dass die AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft wird. Doch die CDU gewinnt am Ende überraschend deutlich. Armin Laschet geht gestärkt ins Kanzlerrennen gegen die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Hat gut lachen: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Hat gut lachen: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

AP

Armin Laschet, der Kanzlerkandidat der Union, kann aufatmen. Die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben die CDU gestern mit überraschend wuchtigen 36,2 Prozent (mehr als 6 Prozent Zugewinn) deutlich als stärkste Kraft im Land bestätigt. Befürchtungen, wonach es in dem ostdeutschen Bundesland zu einer für internationale Schlagzeilen sorgenden Premiere kommen würde, bewahrheiteten sich nicht: Die Wähler machten die wegen rechtsextremistischer Tendenzen ins Visier des Verfassungsschutzes geratene Alternative für Deutschland (AfD) nicht erstmals zur stärksten Kraft in einem Bundesland. Die AfD verlor im Vergleich zu den Wahlen 2016 etwa 1,5 Prozent, bleibt aber stärkste Oppositionskraft in Sachsen-Anhalt.

Der komfortable Sieg für die CDU verleiht dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet bei der Generalprobe vor den Bundestagswahlen im September einen wichtigen Schub. Ein knapper Sieg der CDU oder gar das Szenario eines AfD-Siegs hätten den amtierenden Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen erheblich geschwächt. Die Debatte wäre abermals aufgekommen, ob die Union im Kanzlerrennen mit Laschet auf das falsche Pferd gesetzt hat und die Union mit dem populären CSU-Chef Markus Söder nicht doch besser gefahren wäre.

Die letzte ZDF-Hochrechnung von 19:23 Uhr zeigt die CDU in Sachsen-Anhalt deutlich vor der AfD.

Die letzte ZDF-Hochrechnung von 19:23 Uhr zeigt die CDU in Sachsen-Anhalt deutlich vor der AfD.

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Die CDU entpuppt sich als jene Brandmauer gegen Rechtsaussen, als die sie sich im Vorfeld der Wahlen in Stellung gebracht hat. Auch die Entspannung in der Coronakrise dürfte manche dazu bewogen haben, ihr Kreuz gestern versöhnlich bei der regierenden CDU zu machen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprach von einem «grossartigen Tag für die CDU Deutschlands». Für Ziemiak hat die gestrige Wahl Signalwirkung. «Das ist unglaublich viel Rückenwind für uns, auch für Armin Laschet für die Bundestagswahlen.»

Die SPD wagt noch immer zu träumen

Kanzlerkandidat Laschet sieht seine schärfste Konkurrenz bei den Grünen, die mit der 40-jährigen Kandidatin Annalena Baer­bock im Herbst Geschichte schreiben wollen. Die Grünen – in bundesweiten Umfragen mit 22 Prozent nur knapp hinter der Union (24 Prozent) – können auch in Sachsen-Anhalt zulegen, doch den erhofften Triumph eines zweistelligen Ergebnisses verfehlte die Ökopartei deutlich (6,2 Prozent).

Im Osten sind die Grünen seit jeher schlecht verankert, gerade im strukturschwachen Sachsen-Anhalt. Die Grünen verkörpern Wandel und Veränderung – etwas, wovor sich viele ältere Menschen im Osten nach den Erfahrungen der untergehenden DDR bis heute fürchten. Die typische Grünen-Klientel – akademischer Mittelstand – ist in grosser Zahl in andere Teile des Landes abgewandert. Das Resultat ist ein deutliches Zeichen, dass die Grünen noch immer vor allem eine «Westpartei» sind.

Erschreckend schwach schneidet einmal mehr die SPD ab. Die Genossen setzen ihren seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend fort (8,4 Prozent). SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erwägt noch immer ernsthaft Ambitionen auf das Kanzleramt, doch der Zustand der Sozialdemokratie erlaubt nicht einmal Träumereien von einem Wahlsieg. Hingegen rappelt sich die FDP sowohl in Sachsen-Anhalt als auch im Bund auf – die Wähler goutieren die Oppositionsrolle der FDP während der Coronakrise.

Die Grüne Kandidatin Baerbock hat weiterhin Chancen auf das Kanzleramt, doch die Union steigt auch durch den Rückenwind aus Sachsen-Anhalt favorisiert in das Kanzlerrennen.