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Interview

Experte zu den Wahlen in den USA: «Republikaner dürfen noch hoffen»

In zwei Wochen stehen die Parlamentswahlen an. Sie gelten als Stimmungstest für Donald Trump. Analyst Sean Trende sieht im Repräsentantenhaus die Demokraten im Vorteil. Abschreiben will er die Republikaner aber nicht. Sie dürften im Senat zulegen.
Interview: Renzo Ruf, Washington
Heidi Heitkamp posiert mit einem Wähler. Die demokratische Senatorin aus North Dakota muss um die Wiederwahl bangen. (Bild: Dave Kolpack/AP (Fargo, 11. Oktober 2018))

Heidi Heitkamp posiert mit einem Wähler. Die demokratische Senatorin aus North Dakota muss um die Wiederwahl bangen. (Bild: Dave Kolpack/AP (Fargo, 11. Oktober 2018))

Sean Trende, am 6. November wird in den USA gewählt. Wie lautet Ihre Prognose für den Ausgang der Wahl um die 435 Sitze im Repräsentantenhaus?

Sean Trende, US-amerikanischer Polit-Analyst (Bild: PD).

Sean Trende, US-amerikanischer Polit-Analyst (Bild: PD).

Derzeit gehe ich davon aus, dass die Demokraten die Mehrheit zurückerobern werden, höchstwahrscheinlich mit einem knappen Vorsprung. Aber für die Republikaner ist das Rennen noch nicht zu Ende. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiterhin die Mehrheit stellen werden, liegt bei 20 Prozent.

Und wie geht die Teilerneuerungswahl für den Senat aus?

Das ist eine knifflige Frage. Denn in den vergangenen Tagen sind nur wenige Meinungsumfragen veröffentlicht worden. Ich habe aber das Gefühl, dass die demokratischen Kandidaten in einigen umkämpften Staaten den Anschluss an ihre republikanischen Kontrahenten verloren haben. So befindet sich zum Beispiel die Demokratin Heidi Heitkamp aus dem konservativen North Dakota in Schwierigkeiten.

Die Demokraten halten im Senat 49, die Republikaner 51 Sitze. Zur Wahl stehen 26 demokratische und 9 republikanische Mandate. Sollte Heitkamp verlieren, dann wäre es für die Demokraten schwierig, eine Mehrheit zu gewinnen.

Tendenziell sieht es derzeit tatsächlich danach aus, als ob die Republikaner im Senat einige Sitze gewinnen werden. Aber, wie gesagt, ohne aktuelle Meinungsumfragen ist es schwierig, eine eindeutige Schlussfolgerung zu ziehen.

Eine hochrangige Beraterin von Präsident Donald Trump hat sich darüber beklagt, dass viele Wahlprognostiker von einer «Blauen Welle» sprächen, einem Erdrutschsieg der Demokraten zumindest im Repräsentantenhaus. Dieselben Genies hätten aber vor zwei Jahren auch einen Sieg der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton prognostiziert, moniert sie .

Sie hat nicht ganz Unrecht. Im Herbst 2016 glaubten nur wenige Analysten an einen Sieg von Trump. Dies sollten wir in Erinnerung behalten. Andererseits müssen wir nun nicht jede Meinungsumfrage hinterfragen, bloss weil die gängige Meinung damals falsch lag.

Sie persönlich haben im Nachgang zur Wahl 2016 geschrieben, dass es unzutreffend wäre, die Meinungsforscher für die Fehlprognosen im Vorfeld von Trumps Sieg verantwortlich zu machen. Vielmehr seien die Umfragen falsch ausgelegt worden.

Ich war immer der Meinung, dass Trump gewisse Siegeschancen besitzt – auch weil es Clinton nicht gelang, Distanz zu ihm zu schaffen. In meinen aktuellen Beiträgen betone ich nun, dass die Republikaner sich noch Hoffnungen machen können, ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu behalten. Eine Sieges-Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent bedeutet: Wenn man die Wahl 100 Mal durchführen würde, gewännen die Republikaner in 20 Fällen. Es ist also sehr wohl möglich, dass wir am Tag nach der Wahl aufwachen und die Republikaner weiterhin in beiden Parlamentskammern das Sagen haben.

Der Wahlkampf ist noch nicht zu Ende. Welche Rolle spielt Donald Trump, der in den nächsten zwei Wochen kreuz und quer durchs Land tingelt? Er hat bereits bekannt gegeben, dass er für eine allfällige Niederlage der Republikaner nicht verantwortlich gemacht werden könne, weil er sich stark engagiere.

Es stimmt, dass er Präsenz markiert. Auch scheint er sich etwas besser unter Kontrolle zu haben. Deshalb haben sich seine Zustimmungswerte, auf tiefem Niveau, stabilisiert. Das ist hilfreich für die Republikaner. Aber wenn seine Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus verliert, dann trägt Trump dafür die Verantwortung – weil er schlicht und einfach ein kontroverser Präsident ist, der kontroverse Dinge sagt.

Sie sind also der Meinung, dass eine Stimmabgabe für einen demokratischen Kandidaten auch eine Stimmabgabe gegen Präsident Trump ist?

Ja, eine amerikanische Parlamentswahl ist ein Referendum über den Präsidenten und die Partei, die sich an der Macht befindet. Würde Trump Zustimmungswerte von mehr als 50 Prozent verzeichnen, dann befänden sich die Republikaner nicht in einer derart misslichen Lage.

Und daran ändert selbst die boomende Wirtschaft nichts?

Trump wäre noch unbeliebter, und die Siegeschancen der Republikaner noch geringer, wenn die Konjunktur nicht derart stark wäre. Dank der guten Wirtschaftslage sind einige Wähler bereit, über die extremen Aussagen des Präsidenten hinwegzusehen.

Trump behauptete diese Woche, seine Wahlkampfveranstaltungen seien weit besser besucht als noch im Jahr 2016. Ist das republikanische Fussvolk aufgewacht?

Danach sieht es, im Nachgang zum umstrittenen Bestätigungsverfahren für Richter Brett Kavanaugh, aus. Vor allem in republikanisch dominierten Staaten wie Texas oder Tennessee nähern sich die Umfragewerte der Republikaner wieder dem langjährigen Mittel an. In politisch umkämpften Regionen allerdings sehe ich diesen Effekt nicht. Dort sind die Demokraten weiter im Vorteil.

Die Kandidaten der Demokraten haben deutlich mehr Geld gesammelt als ihre republikanischen Kontrahenten – 1,1 Milliarden Dollar zu 0,7 Milliarden Dollar. Das sind unglaubliche Summen.

Natürlich spielt Geld in Wahlkämpfen eine wichtige Rolle. Demokratische Kandidaten profitieren davon, dass ihre Kassen gut gefüllt sind, vor allem wenn sie in Landesteilen antreten, in denen sie traditionellerweise die schlechteren Karten haben. Ob der texanische Senatskandidat Beto O’Rourke aber 10 Millionen Dollar oder 60 Millionen Dollar besitzt, spielt letztlich keine allzu grosse Rolle. Denn er hat derart viel Geld, dass er nicht weiss, was er damit anfangen soll.

Die meisten Wahlanalysten sagen, dass mit einer langen Nacht zu rechnen sei.

Wir werden recht früh wissen, woher der Wind weht. Die ersten Wahllokale schliessen in den konservativen Bundesstaaten Indiana und Kentucky. In Indiana kämpft der demokratische Senator Joe Donnelly um seine Wiederwahl; im 6. Bezirk von Kentucky will der republikanische Abgeordnete Andy Barr wiedergewählt werden. Falls Donnelly ins Hintertreffen gerät, dann können die Demokraten ihre Träume von einer Mehrheit im Senat endgültig begraben. Für Kentucky gilt: Übernimmt die Herausforderin von Barr rasch die Führung, dann werden die Republikaner wohl das Repräsentantenhaus verlieren.

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