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Wie sich die AfD-Spitzenkraft Alice Weidel am Gotthard ins Abseits textete

Mit einem Tweet von einer Wanderung in der Schweiz setzte sich die Deutsche Politikerin gehörig in die Nesseln.
Balz Bruder
AfD-Chefin Alice Weidel. Bild: Daniel Kopatsch/EPA (Augsburg, 30. Juni 2018)

AfD-Chefin Alice Weidel.
Bild: Daniel Kopatsch/EPA (Augsburg, 30. Juni 2018)

Dass AfD-Aushängeschild Alice Weidel eine besondere Sympathieträgerin ist, lässt sich nun gerade nicht behaupten. Ebenso wenig, dass sie sich darum bekümmerte, nicht zur Spezies «everybody’s darling» zu gehören. Im Gegenteil, die munter bis angriffig provozierenden Aussagen sind ihre Sache mehr. Und sie lässt das Metier auch im tiefsten Sommer nicht. Als sie dieser Tage wandernd unterwegs war, twitterte sie: «Ist der Weg auch noch so steinig, werden wir diesen zusammen meistern. Holen wir uns unser Land zurück!»

Nun, wer hier was zusammen zu meistern hat, bleibt zwar schleierhaft. Immerhin würde man aber von einem Mitglied des Deutschen Bundestages erwarten, dass es sich – wenn schon – um das eigene Land handelte, das – wie und warum auch immer – zurückzuholen wäre. Doch weit gefehlt. Die Twitterer fanden in Windeseile heraus, dass Weidel ihren Tweet nicht im Erzgebirge abgesetzt hatte, sondern am Gotthard. In jenem Gebiet also, in dem die Schweiz einst ihr Alpen-Réduit eingerichtet hatte. Doppelte Ironie des Schicksals also.

Hämische Kommentare in den sozialen Medien waren die Folge. Einen der originellsten steuerte der Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt bei. Er meinte sec: «Sorry, Frau Weidel. Ich bin soeben aus den Ferien in Nordfriesland heimgekehrt. Ich habe Ihnen Ihr Land da gelassen. Wenn Sie also vom Gotthard wieder nach Deutschland zurückkehren, lassen Sie mir meines bitte auch hier und verzichten Sie auf das Zurückholen.»

Vielleicht ist es aber auch so, dass Weidel sich zwischenzeitlich derart mit der Schweiz identifiziert, dass sie das Land, in dem sie zeitweise Gastrecht geniesst, geistig und mental schon etwas vereinnahmt hat. Und als Pendlerin zwischen den Welten zuweilen vergisst, was «mein» und «dein» ist, wie die Asyl-Hardlinerin einem gleichermassen ver(w)irrten Migranten möglicherweise vorwerfen würde.

Denkbar wäre schliesslich auch eine historische Lesart des Weidelschen Wander-Tweets. Rüttelt sie etwa am Westfälischen Frieden von 1648? Will sie das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zurück? Soll die Eidgenossenschaft, die sich aus den Schrecken des Dreissigjährigen Krieges wohlweislich herausgehalten hat, zurück in die Allianz? Fragen über Fragen, über die sich Weidel am Briggstutz unterhalb der Passstrasse den Kopf zerbrochen haben mag. Oder auch nicht.

Wenn wir schon bei der Geografie angekommen sind: Mehr interessiert an dieser Stelle, wie es sich nun eigentlich mit dem Wohnsitz der AfD-Fraktionschefin verhält. Die Frage treibt die deutsche und die schweizerische Öffentlichkeit um, seit Weidel im Herbst 2017 in den Bundestag gewählt wurde. Zwar kündigte die Rechtsaussen-Politikerin vor knapp einem halben Jahr an, mit ihrer Partnerin und deren zwei Kindern von Biel nach Deutschland wegziehen zu wollen. Ob das inzwischen passiert ist? Es ist nicht letztgültig geklärt. Und die, die es wissen, wollen es nicht sagen – nach Steuer- und anderen Geschichten zumal. Deshalb gehen wir einstweilen davon aus, dass Frau Weidel tatsächlich in Überlingen am Bodensee zu Hause ist und zuweilen das Gestade wechselt, wenn ihr das Schwäbische Meer fremd wird und es sie nach anheimelnder Bielersee-Brise gelüstet. Es sei denn, sie suche die Ruhe der Berge, die zuweilen für Orientierungsschwierigkeiten sorgt. Einerlei: Weidel bedankte sich für die Gratis-Werbung.

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