Warum der Nachrichtensender Fox News dem abgewählten Präsidenten Trump weiterhin die Stange hält

Die Nachrichten vom Ableben der Partnerschaft zwischen Donald Trump und dem Medien-Imperium von Rupert Murdoch waren verfrüht. Zumindest die Fernsehsender Murdochs halten zum Wahlverlierer Trump. Der Grund? Das liebe Geld.

Renzo Ruf aus Washington
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Ein enger Bund: Präsident Donald Trump (r) führt Fox News-Moderator Sean Hannity durchs Weisse Haus.

Ein enger Bund: Präsident Donald Trump (r) führt Fox News-Moderator Sean Hannity durchs Weisse Haus.

Youtube / SON

Zumindest die Zeitungen, die zum Imperium des konservativen Medienbarons Rupert Murdoch gehören, setzen sich vorsichtig von Donald Trump ab. So gratulierten die Kommentatoren des einflussreichen Wirtschaftsblattes «Wall Street Journal» in der Montagsausgabe dem neugewählten Präsidenten Joe Biden. Die Fernsehkanäle des Murdoch-Imperiums aber halten dem abgewählten Präsidenten immer noch die Stange.

So spekulierten die Moderatoren der Sendung «Fox & Friends», dem Frühstücksfernsehen von Fox News, am Montag erneut über angebliche Wahlfälschungen in Michigan und Arizona. Und Maria Bartiromo, eine der bekanntesten Trump-Unterstützerinnen auf dem Wirtschaftssender Fox Business Network, gab einer konservativen Anwältin eine Plattform, die sagte: Die Präsidentenwahl müsse wiederholt werden, weil die Demokraten «den Algorithmus» der Wahlmaschinen manipuliert und Trump so um den Sieg gebracht hätten. Diese Behauptung ist derart absurd, dass Bartiromo darauf verzichtete, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein Video dieses Gesprächs weiterzuverbreiten.

Murdoch verdient an Trump Millionen

Dazu muss man wissen: Für die Fox-Fernsehsender ist Trump pures Gold. Seitdem der New Yorker Unternehmer und Reality-TV-Star im Jahr 2015 in die nationale Politik einstieg, profitiert der Murdoch-Konzern finanziell davon – allein im dritten Quartal 2020 belief sich der Reingewinn dieser Sparte des Murdoch-Imperiums auf 781 Millionen Dollar.

Möglich wurde dies, weil sich die Sender Fox News und Fox Business, nach einigem Hin und Her im Wahlkampf 2016, zu eigentlichen Propaganda-Kanälen des unorthodoxen Präsidenten gemausert haben, vor allem in den Morgenstunden und am Abend. Durchschnittlich schauen sich 5 Millionen der mehr als 330 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner Programme wie «Tucker Carlson Tonight» oder «Hannity» an.

Am Wahltag in der vergangenen Woche stieg die Einschaltquote von Fox News gar auf 13,6 Millionen. Der Nachrichtenkanal hatte damit mehr Zuschauer als sämtliche Konkurrenten.

Trump belohnte diese Loyalität, in dem er fast exklusiv auf den Fox-Sendern auftrat. Seine Anhänger mussten sich also ein Murdoch-Programm anschauen, um direkt vom Präsidenten zu hören. Hinzu kam, dass die Fox News-Moderatoren Trump pfleglich anpackten, und er widerspruchsfrei seine bisweilen absurden Theorien verbreiten konnte. Auch deshalb zeigte sich der Präsident verärgert darüber, dass die politisch unabhängigen Wahl-Analysten des Nachrichtensenders vorige Woche relativ früh bekanntgaben, Biden habe im politisch umkämpften Bundesstaat Arizona eine Mehrheit der Stimmen gewonnen und befinde sich damit auf dem Weg ins Weisse Haus.

Die Konkurrenz bringt sich in Stellung

Diese neue Dynamik ist der Konkurrenz natürlich nicht entgangen. So weigert sich Newsmax, der (vergleichsweise kleine) Medienkonzern des Trump-Freundes Chris Ruddy, immer noch, Joe Biden zum Sieger der Präsidentenwahl zu erklären. Ruddy sagte am Wochenende im Gespräch mit einem CNN-Medienjournalisten, er wisse, dass Trump verärgert über Fox sei. Und er bot dem Präsidenten seinen Sender an, falls er eine neue Plattform benötige.

Das ist der eigentliche Albtraum von Murdoch: Eine Partnerschaft von Ex-Präsident Trump mit einem anderen Fernsehkanal könnte dazu führen, dass sich seine fanatischen Anhänger von Fox abwenden. Dies wäre vor allem dann katastrophal, wenn sich die Gerüchte bestätigten, dass Trump bei der nächsten Präsidentenwahl im Jahr 2024 erneut antreten will. Gut vorstellbar, dass dies ein Grund dafür ist, warum Hannity und Konsorten weiterhin hinter dem abgewählten Republikaner stehen.