Thailand
Warum der "Protz-Prinz" beim Volk unbeliebt ist

Kronprinz Maha Vajiralongkorn ist beim Volk unbeliebt und fällt durch sein extravagantes Privatleben auf.

Andreas Fahrländer
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Uniform statt Unterhemd: Prinz Vajiralongkorn ist bald Oberbefehlshaber der Königlichen Streitkräfte.

Uniform statt Unterhemd: Prinz Vajiralongkorn ist bald Oberbefehlshaber der Königlichen Streitkräfte.

EPA/Keystone

Protzig, ausschweifend, geschmacklos. So tritt der thailändische Thronfolger in der Öffentlichkeit auf. Wegen seines dekadenten Lebensstils und seiner Eskapaden ist der 64 Jahre alte Kronprinz und designierte König von Thailand Maha Vajiralongkorn – im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vater – äusserst unbeliebt beim Volk. König Bhumibol, der am Donnerstag im Alter von 88 Jahren in Bangkok nach langer Krankheit starb, wurde in Thailand verehrt wie ein Gott. Das Land ist in tiefer Trauer. Die Regierung hat eine einjährige Staatstrauer angeordnet. Während eines Monats dürfen keine Feste gefeiert werden, öffentliche Amtsträger müssen schwarze Kleidung tragen.

Von Bhumibols Sohn dagegen heisst es hinter vorgehaltener Hand, er sei ein «Gangsterprinz». Sein Auftreten ist tatsächlich alles andere als königlich. Die vollständige Anrede des Thronfolgers lautet Somdet Phra Boromma-orasathirat Chao Fa Maha Vajiralongkorn Sayammakutratchakuman. Chao Fa steht für «Himmlischer Prinz», was etwa dem deutschen «Königliche Hoheit» entspricht. Die drei noch lebenden Kinder von König Bhumibol und Königin Sirikit, die diesen Titel tragen, geniessen grosse finanzielle Privilegien.

Torte für den Pudel Fufu

Die deutsche «Bild»-Zeitung titelte gestern allerdings: «Prinz im Unterhemd wird Thailands neuer König». Vajiralongkorn war bisher dreimal verheiratet und dreimal geschieden. Im Jahr 2007 tauchte ein Video auf, das den Prinzen und seine dritte Frau auf einer Feier zeigt, bei der sie nur mit einem Slip bekleidet den Pudel des Prinzen mit einer Geburtstagstorte füttert. Das Video sorgte international für Aufsehen. Für seinen Pudel Fufu soll Vajiralongkorn zu dessen Geburtstag eine ausschweifende Party gegeben haben.

Majestätsbeleidigung: Nichts gegen das Königshaus

Die thailändische Verfassung beinhaltet das strengste
Majestätsbeleidigungsgesetz der Welt. Es sieht für Kritik an der Königsfamilie Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren vor. 2006 wurde ein Schweizer in Thailand verhaftet, weil er im Alkoholrausch Porträts des Königs verunstaltet hatte. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Dank der Begnadigung durch den
König wurde er freigelassen. Für ausländische Journalisten ist es schwierig, frei über das Königshaus zu berichten. Als der Radio-Korrespondent der BBC am Donnerstag nach dem Tod Bhumibols über die Verbindungen des Militärs zum Königshaus sprach, wurde vom thailändischen Staat die Leitung unterbrochen und es erklang Pausenmusik. (AF.)

Es gibt einen extra abgestellten Hundeträger für Fufu, der den Offiziersrang bekleiden und an Staatsbanketten teilnehmen soll. Hunde hat das thailändische Königshaus schon immer besonders behandelt. König Bhumibol schrieb über seine im vergangenen Dezember gestorbene Mischlingshündin Tongdaeng, die er einst von der Strasse gerettet haben soll, ein Buch. Letztes Jahr lief in den thailändischen Kinos ein Film mit Tongdaeng in der Hauptrolle.

Villa am Starnberger See

Zurzeit lebt Vajiralongkorn mit seiner Mätresse Suthida zusammen. Die 32-Jährige war zuvor Flugbegleiterin bei Thai Airways und habe zuletzt in München gewohnt, berichteten deutsche Medien. Die beiden jetten gerne durch die Welt und shoppen in teuren Boutiquen. Im bayerischen Tutzing am Starnberger See kaufte der Prinz im Sommer eine Villa für geschätzte zwölf Millionen Euro. Ein Schnäppchen: Sein Vermögen wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.

Negativ aufgefallen ist der Prinz im vergangenen Juli mit Bildern vom Flughafen München, die ihn in Gesundheitssandalen, ausgebeulten Jeans und einem hochgezogenen Unterhemd zeigen – seinen Pudel Fufu in den Armen, seine Partnerin Suthida an seiner Seite. Tätowierungen am Rücken und an den Armen passen zum Image des «Gangsterprinzen». Am Münchner Flughafen wurde 2011 kurzzeitig die Boeing 737 des Kronprinzen gepfändet. Thailand schuldete damals einer deutschen Firma für den Bau einer Autobahn etwa 36 Millionen Euro.

Die Auslösung des Flugzeugs gegen 20 Millionen Euro dürfte dem Königshaus keine finanziellen Sorgen bereitet haben. Der verstorbene König Bhumibol war der reichste Monarch der Welt. Sein Vermögen umfasst laut dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» 35 Milliarden Euro. Ihm gehörte unter anderem der «Golden Jubilee», der grösste geschliffene Diamant der Welt.

Zeit zum Trauern

Prinz Vajiralongkorn hat sich nun bis zu seiner Krönung eine Auszeit ausgebeten, um zusammen mit dem Volk über den Verlust seines Vaters zu trauern. Solange ist der Präsident des Kronrates Staatsoberhaupt ad interim. Spätestens im neuen Jahr wird aber der «Prinz im Unterhemd» als 10. Monarch der Chakri-Dynastie den Thron im Chitralada-Palast in Bangkok besteigen.