Kommentar
Warum ein Ex-Demokrat Trump ewige Treue schwört

Glosse über den Opportunismus im amerikanischen Politsystem.

Renzo Ruf aus Washington
Drucken
Teilen
Renzo Ruf

Renzo Ruf

Pd

Jeff Van Drew ist ein fixes Kerlchen. Kaum hatte sich der Abgeordnete aus New Jersey am Donnerstag von den Demokraten verabschiedet und der Republikanischen Partei angeschlossen, bewies er bereits, dass er die wichtigste Lektion gelernt hat, die im Wahlverein des Präsidenten gilt: Wenn du mit einer kontroversen Aussage konfrontiert wirst, dann behauptest du ganz einfach, dass du dies niemals gesagt hast.

Unter Beweis stellte Van Drew seine Lernfähigkeit im Gespräch mit einer Journalistin des Fernsehsenders ABC. Sie sprach Van Drew auf eine Visite im Weissen Haus an. Demnach hatte Van Drew im Gespräch mit Präsident Donald Trump nicht nur seine alte politische Partei in den Schmutz gezogen, sondern auch Trump seine «ewige Unterstützung» versichert. So ist es in einem Video zu sehen und so steht es im Transkript, das im Nachgang der Trump-Audienz durch das Weisse Haus verbreitet worden war. Van Drew aber behauptete angesprochen auf diesen Loyalitätsschwur: «Ich weiss nicht, ob ich sagte… Sagte ich ewig? Ich glaube nicht, dass es ewig war. Ich sagte, ich glaube, Sie haben meine Unterstützung. Und das hat er.»

Van Drew begründet seinen Parteiwechsel zu den Republikanern mit einem Ausspruch von Präsident Ronald Reagan: «Nicht ich habe die Demokratische Partei verlassen, die Demokratische Partei hat mich verlassen.» Und er habe, notabene nach mehr als 30 Jahren in der Politik, herausgefunden, dass die Präsidentenpartei besser zu ihm passe.

Mag sein. Das Abstimmungsverhalten von Van Drew, der 2018 erstmals in einem tendenziell konservativen Bezirk im Südosten New Jerseys gewählt wurde, deutet allerdings auf nackten Opportunismus hin. Denn Van Drew votierte in den vergangenen zwölf Monaten regelmässig mit der demokratischen Mehrheit und lehnte in neun von zehn Fällen die Positionsbezüge der Regierung Trump ab. So sprach sich Van Drew gegen die Ölförderung an der Ost- und Westküste aus, lehnte Waffenlieferungen an Saudi-Arabien ab und sprach sich für eine Beendigung des Nationalen Notstandes an der Grenze zwischen den USA und Mexiko aus.

Trump ist das wohl egal. Er war am Donnerstag froh darüber, angesichts des Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn, positive Nachrichten für die Republikaner zu verbreiten. Auch ist er mit Opportunismus wohlvertraut. Noch vor zehn Jahren bezeichnete der Präsident die Demokratin Nancy Pelosi als eine «höchst eindrückliche» Person. Heute aber behauptet Trump, dass die Vorsitzende des Repräsentantenhauses nicht mehr alle Tassen im Schrank habe.

Aktuelle Nachrichten