Vatikan
Was macht eigentlich Benedikt XVI.?

Der emeritierte Papst hat den «Pensionierungsschock» weitgehend überwunden. Er widmet sich der Lekture und schreibt wieder. Am Dienstag feiert Razinger in privatem Kreis seienr Familie, seinen 87. Geburtstag

Dominik Straub, Rom
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Seine Schritte sind unsicher, die Stimme brüchig: Joseph Ratzinger.Key

Seine Schritte sind unsicher, die Stimme brüchig: Joseph Ratzinger.Key

Es waren historische Bilder, die der Vatikan am 23. März lieferte: In Castelgandolfo trafen sich zwei Päpste, der emeritierte Benedikt XVI. und der neu gewählte Franziskus, zu Gespräch und Gebet.

Das gab es noch nie in der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche. Nicht zu übersehen war damals, dass der 86-jährige Joseph Ratzinger äusserst gebrechlich und kränklich wirkte. Seine Schritte waren unsicher, die Stimme leise und brüchig.

Spekulationen über Gesundheitszustand

Die Bilder befeuerten in verschiedenen Medien, vor allem in Spanien, Spekulationen über den Gesundheitszustand des freiwillig zurückgetretenen Papstes. Auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter wurde sogar schon der Tod Benedikts XVI. angekündigt.

Davon kann keine Rede sein. Joseph Ratzinger leide an den üblichen Altersgebrechen, aber er sei keineswegs krank, betonte Vatikansprecher Federico Lombardi gegenüber dem «Corriere della Sera».

Der emeritierte Papst habe in den ersten Wochen nach seinem Rücktritt am 28. Februar jedoch einen «Pensionierungsschock» erlitten, schreibt das Mailänder Blatt und zitiert den Herzspezialisten Attilio Maseri: «Das ist ein üblicher Vorgang, gerade bei Menschen, die in ihrem Beruf grosse Verantwortung trugen – und natürlich erst recht bei einem Papst, der gerade eine derart weitreichende Entscheidung getroffen hat.»

Die Herzprobleme Benedikts seien bekannt, aber in diesem Fall handle es sich «nicht um ein Problem des Herzens, sondern des Gehirns», betont der ehemalige Kardiologe von Johannes Paul II. und Queen Elizabeth II. Es sei jedoch ein gutes Zeichen, wenn der Betroffene intellektuell aktiv bleibe, wie dies bei Joseph Ratzinger der Fall sei.

Tatsächlich hat der emeritierte Papst zahlreiche Bücher mit in den päpstlichen Sommersitz genommen, und er ist auch bereits wieder am Schreiben, wie Lombardi versicherte. Der Pensionierungsschock scheint überwunden.

Geburtstagsfeier mit Bruder

In den letzten Tagen ist auch sein Bruder Georg Ratzinger in Castelgandolfo eingetroffen. Zusammen mit dem persönlichen Sekretär Georg Gänswein und der «päpstlichen Familie» wird am Dienstag der 87. Geburtstag des ehemaligen Kirchenoberhauptes gefeiert.

Auch das prächtige Frühlingswetter in den Albaner Bergen dürfte der weiteren Erholung vom Pensionierungsschock dienlich sein.

Ende April oder Anfang Mai wird Benedikt in den Vatikan zurückkehren: Die Renovationsarbeiten im Kloster, wo der emeritierte Papst künftig «verborgen vor der Welt» leben wird, sind inzwischen abgeschlossen.