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Was Papst Franziskus in Ägypten will

Friedensreise Papst Franziskus ist der zweite Pontifex der Neuzeit, der Ägypten besucht. Der erste päpstliche Besucher war Johannes Paul II. Vor fast 20AABB22Jahren hatte er am Berg Sinai zum Frieden aufgerufen. Seither hat Ägypten eine Revolution und einen Militärputsch hinter sich. Die Menschen in Ägypten aber leiden unter der gleichen Misswirtschaft und dem gleichen wirtschaftlichen Elend wie vor zwei Jahrzehnten. Der neue Präsident Fatah al-Sisi ist in seinem Tun vom früheren Diktator Husni Mubarak kaum zu unterscheiden.

Auch deshalb ist das Motto der Reise von Franziskus nicht nur ein erneuter Appell für Frieden: «Der Papst des Friedens im Ägypten des Friedens». Das Land ächzt unter staatlicher Willkür und islamistischem Terror. Zu den Opfern gehören immer wieder, zuletzt am Palmsonntag mit über 40 Todesopfern, die Christen in Ägypten.

Kein Heimspiel für den Pontifex

Trotzdem, oder vielmehr genau deshalb, hat Papst Franziskus unbeirrt an seiner schon zuvor geplanten Reise festgehalten. Nicht naiv, sondern im Wissen darum, dass sein Besuch kein Heimspiel sein wird. Von den über 90 Millionen Einwohnern Ägyptens sind rund 90 Prozent sunnitische Moslems. Und von den 10AABB22Prozent Christen gehört die grosse Mehrheit der orthodoxen koptischen Kirche an – nur etwa 270 000 Personen sind Katholiken.

Die ägyptische Regierung will im Beharren des Papstes auf seinen Besuch vor allem dessen Vertrauen in ihre Fähigkeit sehen, die Sicherheit des hohen Gastes garantieren zu können. Und der Tourismusminister hofft, dass diesem Vertrauen dann auch derzeit ausbleibende internationale Feriengäste folgen werden. Der für Franziskus wichtigste Gastgeber in Kairo wird aber – noch vor dem koptischen Papst Tawadros II. – Achmed Mohammed al-Tajjib sein, der Grossscheich der Al-Azhar-Universität. Der protokollarische Höhepunkt soll eine Rede Franziskus an einer Friedenskonferenz der Al-Azahr sein, die sich als sunnitisch-islamisches Pendant zum Vatikan versteht. Mit dem Pontifikat von Franziskus haben sich die Beziehungen zwischen Al-Azhar und Vatikan wieder verbessert. Unter Papst Benedikt hatten sie sich nach dessen islamfeindlichen Äusserungen stark abgekühlt.

Theologische Sensationen sind vom Treffen Tajjibs mit Franziskus keine zu erwarten. Beiden Geistlichen geht es aber um ein friedliches Miteinander ihrer Gläubigen. Der Pontifex hat dazu vor seiner Reise erklärt: «Es ist falsch, den Islam mit Terrorismus gleichzusetzen. Auch Katholiken begehen immer wieder Verbrechen. Fundamentalisten – christliche wie muslimische – sind gottlos.» Al Tajjib hat erklärt: «Terroristen, egal, unter welcher Flagge sie unterwegs sind, haben keinen Platz im Glauben.»

Persönliche Geste der Wertschätzung

Als Oberhaupt des Vatikanstaats wird Franziskus in Kairo auch Präsident al-Sisi seine Aufwartung machen. Kritiker werfen dem Pontifex vor, er erteile einem autoritären Machthaber eine Absolution. Franziskus hat dazu erklärt: «Mein Besuch ist eine persönliche Geste des Trostes und der Ermutigung für alle Christen im Nahen Osten und eine Botschaft der Wertschätzung an alle Menschen in Ägypten und der Region.»

Walter Brehm

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