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WASHINGTON: Trump erklärt den Wählern seine Welt

An seiner ersten Grundsatzrede enthüllt Donald Trump, wie er die Welt als Präsident verändern will. Der republikanische Kandidat fordert eine radikale Kehrtwende in der Aussenpolitik.
Renzo Ruf, Washington
Bild: Grafik Neue LZ

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Renzo Ruf, Washington

Die Gesten waren dieselben. Wild fuchtelte Donald Trump am Mittwoch während einer aussenpolitischen Grundsatzrede abwechslungsweise mit der rechten und mit der linken Hand. Weil der führende republikanische Präsidentschaftskandidat sich aber für einmal dazu entschieden hatte, auf ein Manuskript zurückzugreifen, blieben die rhetorischen Seitenhiebe gegen politische Feinde im In- und Ausland während der 40 Minuten dauernden Rede aus. Vielmehr klang Trump geradezu präsidial.

Das war natürlich gewollt. Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen in den fünf Ostküstenstaaten Maryland, Delaware, Pennsylvania, Connecticut und Rhode Island am Dienstag sieht sich Trump als designierter Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Zwar lässt sich trefflich darüber streiten, ob der Multimilliardär aus New York tatsächlich bereits am Ziel ist. Trump aber will den Eindruck verbreiten, er habe die Konkurrenten Ted Cruz, Senator aus Texas, und John Kasich, Gouverneur von Ohio, abgehängt (siehe Grafik). Und er will die aufgeschreckten Gemüter in der Hauptstadt besänftigen, die Angst haben, ein Kandidat Trump könnte im Herbst zu einem Erdrutschsieg der Demokraten führen.

Stiche gegen Clinton

Weil Trump häufig improvisiert, sind die Eckpunkte dieser Strategie nicht in Stein gegossen. Folgende Konturen sind aber erkennbar: Vor seinen Anhängern gibt der geborene Entertainer weiterhin den wütenden Populisten, der Sprüche klopft. So sagte er am Dienstag über die wahrscheinliche Kandidatin der Demokratischen Partei: «Ganz ehrlich gesagt, wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, dann würde sie wohl nicht einmal 5 Prozent der Stimmen bekommen.»

Auch beklagte er sich darüber, dass die ehemalige Aussenministerin und Senatorin ständig schreie. Für diese Seite des Trump-Wahlkampfes ist Corey Lewandowski verantwortlich, der bissige Wahlkampfmanager. Dann gibt es aber auch noch einen anderen Trump: den gewieften Verhandlungsführer, der als Geschäftsmann viel Geld scheffelte. Dieser Trump ist sich nicht zu schade, Konzessionen gegenüber dem Establishment zu machen, falls solche Zugeständnisse seinen Zielen nützen. Deshalb pilgerte er gestern auf Anraten seiner Berater ins gediegene Mayflower Hotel in Washington und stellte sein Programm vor.

Angeblich stammte der erste Entwurf von Trumps Rede von Richard Burt, in den Achtzigerjahren Botschafter der USA in Deutschland. Burt hatte kürzlich in einem Beitrag für das Magazin der Denkfabrik, «The National Interest», einer nationalistischen Aussenpolitik Amerikas das Wort geredet. Aus dem Mund von Donald Trump klang dies pointierter. «Ich werde die Interessen des amerikanischen Volkes über alles stellen», sagte Trump, «Amerika kommt künftig zuerst.» Dies komme einer radikalen Kursänderung gegenüber der Aussenpolitik der Regierungen Bush und Obama gleich, die «keine Vision, kein Ziel, keine Strategie» gehabt hätten. Nach seinem Amtsantritt werde er Freunde und Feinde der USA vor die Wahl stellen, ob sie mit Washington zusammenarbeiten wollten oder nicht, sagte Trump weiter.

Warnung an China

Davon betroffen wären Alliierte wie Deutschland, die in den Augen des Republikaners die Kosten für den militärischen Schutzschirm tragen müssten – aber auch Antagonisten wie Russland oder China. An die Adresse Pekings sagte Trump: Entweder profitierten beide Seiten von einer wirtschaftspolitischen Kooperation, «oder unsere Wege trennen sich». So ging es munter weiter. Trump bekräftigte seine Abneigung gegenüber Freihandelsabkommen, kündigte an, dass er die Grenze zwischen den USA und Mexiko mit einer Mauer befestigen werde.

Und obwohl die Rede Trumps einer Kriegserklärung an den aussenpolitischen Konsens Washingtons gleichkommt – die Präsentation war derart geschmeidig, dass Trump sicherlich einige unentschlossene Wähler in sein Lager zog. Und darum geht es ihm letztlich. Trump will die verbleibenden Vorwahlen gewinnen, damit er am Parteitag der Republikaner im Juli bereits im ersten Wahlgang zum Kandidaten nominiert wird.

Cruz gibt noch nicht auf

Seine Konkurrenten wollen dies mit allen Mitteln verhindern und greifen dabei zu unkonventionellen Mitteln: In Indianapolis gab Ted Cruz gestern bekannt, dass er mit Carly Fiorina, der ehemaligen Chefin des Technologiekonzerns Hewlett-Packard und gescheiterten Präsidentschaftskandidatin, ins Rennen steige. Normalerweise ernennt ein Möchtegernpräsident seinen Vize erst kurz vor dem Wahlparteitag – wenn ein Kandidat die Nomination im Sack hat. Dank Trump ist in diesem Wahljahr aber nichts normal.

Milliardär Donald Trump im Visier der Justiz: Hat er bei seiner Rede Anhänger zur Gewalt angestachelt? (Bild: KEYSTONE/EPA/TANNEN MAURY)

Milliardär Donald Trump im Visier der Justiz: Hat er bei seiner Rede Anhänger zur Gewalt angestachelt? (Bild: KEYSTONE/EPA/TANNEN MAURY)

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